Wie erledigen die Fahrer ihre Notdurft?

Dies ist wahrscheinlich die am meisten gestellte Frage zum Thema Profiradsport. Kurioserweise interessiert es viele Leute, wie man während Etappen mit Distanzen zwischen 150 und 250 Kilometern seine Blase entleert, ohne sich bei 50km/h (Durchschnittsgeschwindigkeit bei Flachetappen) erheblich zu verletzen, den Anschluss verliert oder sich anzupinkeln. Letzteres kann ein Profiradfahrer oft nicht vermeiden, vor allem wenn er oder seine Mitfahrer gegen den Wind agieren.

Pinkelpause im Peloton - Szene aus 'Höllentour'

Zwar trinken die Fahrer jede Stunde zwei bis drei Flaschen, also 1,5 bis 2 Liter pro Stunde, allerdings schwitzen sie pro Stunde auch um die zwei Liter an Flüssigkeit wieder aus. Dementsprechend hält sich der Druck eher in Grenzen. Pinkelpausen gibt es daher oft zu Beginn einer Etappe, größere Gruppen halten dann gemeinsam an, meistens ausgelöst durch den Gesamtführenden. Wenn dieser anhält, wird fairerweise nicht attackiert, sondern die Zeit genutzt.

Wenn im Rennverlauf angehalten werden muss, ist es schwer wieder den Anschluss zu finden. Lance Armstrong hatte dafür oft zwei Leute aus dem Team verpflichtet, um ihn nicht nur vor fremden Blicken zu schützen, sondern auch um ihn wieder an das Feld heranzufahren. Um bei 50km/h pinkeln zu können bedarf es jahrelange Übung und einer ausgefeilten Technik, vor allem weil man vermeiden sollte, bei dieser Geschwindigkeit die Hände vom Lenker zu nehmen. Wie im Peloton üblich, stütz man sich des Öfteren aneinander ab oder der Nebenmann hält den Lenker fest. Man muss wissen, dass Männer im Radsport keine „Radlerhosen“, sondern Shorts mit Trägern tragen, welche den „Zugriff“ natürlich eher erschweren. Im Fahren hat er somit die Wahl von oben oder von unten zu greifen, ein Anleitungsvideo mit praktischer Slo-Mo Wiederholung gibt es hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=tvdkfW6b5ks

Natürlich kann man auch einfach laufen lassen, vor allem in rennentscheidenden Situationen am Berg. Triathleten machen das in der Regel, oder es passiert beim Zeitfahren. Fun fact: durch Luftverwirblungen entsteht am Hinterrad ein gelber Monsun, welche dann die nachfolgenden Fahrer zu spüren bekommen. Bei regnerischen, kalten Etappen oder in den Bergen ist das einpinkeln zudem eine effektive Maßnahme, um die Muskeln wieder aufzuwärmen.

Schwierig wird es bei Notdurften, die über das Wasser lassen hinaus gehen. Mark Renshaw hatte sich bei der Tour of California 2009 eine leichte Lebensmittelvergiftung eingefangen und musste auf freier Strecke plötzlich „Number two“. Er hat eine elegante Lösung gefunden und hatte Glück, dass der Typ auf dem Traktor neben ihm nichts mitbekommen hat.

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