Tour of California 2015 – Ein Erfahrungsbericht – Teil 2

Tour of California avila beach stage four 2015 mark cavendish

Eigentlich hatte ich nur Sommersachen eingepackt, aber am Ende war ich dankbar für den Pullover und die Regenjacke. Was ich, außer beim Start in Sacramento nicht mehr brauchte, waren die Sandalen und die zwei kurzen Hosen. Die heißen Temperaturen, die man in den zahlreichen vorherigen Austragungen der Tour of California vom kalten Deutschland aus beobachten konnte, blieben in diesem Jahr aus.

2015-05-13 15.54.24

Avila Beach, Ziel der vierten Etappe

Das windige Küstenstädchen Pismo Beach bot eine wunderschöne Kulisse für den Start der vierten Etappe. Der schnelle Kurs endete entlang der Promenade in Avila Beach in einem leichten bergauf-Sprint, bei dem Peter Sagan seinen ersten Sieg der Rundfahrt für sich entschied. Stilecht mit Wheelie natürlich. Das GoPro Video vom Zielsprint ist ziemlich beeindruckend.

Auch die Fahrt entlang der Küste herunter nach Santa Barbara war trotz des Wetters atemberaubend. Ich hatte sie, wie sich später herausstellte, einen Tag zu früh auf mich genommen, da in Pismo Beach ein Hotelzimmer (mit Blick aufs Meer!) für mich frei war. Ich dachte allerdings, dass die Teams, wie sonst üblich, direkt nach der Etappe weiterziehen. Ich lag falsch.

Das Handlebar Cafe in Santa Barbara wird geführt von Aaron Olson, Ex-Profi bei Saunier Duval & T-Mobile

Das Handlebar Cafe in Santa Barbara wird geführt von Aaron Olson, Ex-Profi bei Saunier Duval & T-Mobile

Gut ist es daher, wenn man jemanden kennt der sowieso jeden kennt und so kam ich auf der Jungs-WG Couch von Tosh Clements in Santa Barbara unter, der, bis zu einer Verletzung die seine Profikarriere beendete, bei Optum Pro Cycling unter Vertrag stand. Mittlerweile fotografiert Tosh für Rouleur und Peloton Magazine. Nach einem ziemlich leckeren Bagel und schwarzen Tee im Handlebar Cafe fuhr ich Tosh und seinen Bruder zum Start.

Dunkle Wolken über dem Start am Strand von Santa Barbara ließen nichts gutes erahnen. Die fünfte Etappe stellte sich aufgrund des Wetters als schwerste für die Fahrer heraus. Zwei kurze, steile Bergwertungen machten zwar im Gesamtklassement, welches noch immer von Tom Skujins (Hincapie Racing) angeführt wurde, keinen großen Unterschied, aber sintflutartiger Regen und Seitenwind zehrten an den Fahrern. Die gerade Strecke zum Ziel in Santa Clarita war perfekt für den schnellsten Mann im Feld und so gewann Mark Cavendish seine dritte Etappe bei der diesjährigen Tour of California.

Fröstelnde Fahrer nach der fünften Regenetappe nach Santa Clarita

Fröstelnde Fahrer nach der fünften Regenetappe nach Santa Clarita

Mit (ausgerechnet weißen) Sommer-Baumwollschuhen an den Füßen sparte ich mir den Weg zum Ziel und hielt mich lieber im warmen Presseraum auf. Nach und nach kamen Skujins und Cavendish zur Pressekonferenz, wo Tee auf sie wartete, dankend umklammert vom zitternden, „most aggressive rider“ der Etappe, Danilo Wyss (BMC).

Was sich am Tag zuvor bereits ankündigte, wurde während der Etappe um Santa Barbara per Email verkündet: aufgrund von Wetterkomplikationen wurde die Zeitfahr-Etappe um Big Bear Lake spontan zurück nach Santa Clarita verlegt. Verkürzt von 15 auf 6 Meilen, führte der Kurs nun über eine holprigen, technischen Kurs um den Six Flags Freizeitpark in Valencia. Leider blieb keine Zeit zum Achterbahnfahren, aber ich hatte das Glück, eine Runde im Begleitfahrzeug von SmartStop zu sitzen – die engen Kurven und die Schlaglöcher auf der Strecke waren abenteuerlich genug.

Chris Butler überholte Jesús Hernández aus dem Team Tinkoff-Saxo

Chris Butler überholte Jesús Hernández aus dem Team Tinkoff-Saxo

Aufgrund der Beschaffenheit und Länge der Strecke hatte sich die Etappe für die Zeitfahrspezialisten erledigt, dennoch war es spannend zu sehen, wie Peter Sagan sich perfekt in die Kurven legte und mit seinen Sprinterbeinen die Etappe gewann. Sichtlich erfreut darüber, dass er nun auch das Gelbe Trikot an sich nehmen konnte, erzählte er in der Pressekonferenz danach, was ihm half. Sagan hatte Zeit im Windtunnel verbracht und nach Paris-Roubaix auf der Bahn an seiner Zeitfahrhaltung gearbeitet, bevor er in Colorado viel Zeit im Höhentrainingslager verbrachte. Außerdem saß die Ehefrau während der Etappe im Tinkoff-Saxo Begleitwagen und sagte die Zeiten durch. Gute Vorbereitung hin oder her, laut Sagan gilt immer noch: „without legs can’t win.“

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