Saison 2013 // RadioShack-Leopard

Land: Luxemburg | Räder/Komponenten: Trek/Shimano | offizielle Website: radioshackleopardtrek.com | Hauptsponsoren: Amerikanische Elektromarktkette

radioshack-leopard-2013

Fahrer: Jan Bakelants | George Bennett | Matthew Busche | Fabian Cancellara | Stijn Devolder (ehem. Vacansoleil) | Laurent Didier | Tony Gallopin | Ben Hermans | Danilo Hondo (ehem. Lampre) | Chris Horner | Markel Irizar | Bob Jungels | Ben King | Robert Kišerlovski (ehem. Astana) | Andreas Klöden | Tiago Machado | Maxime Monfort | Giacomo Nizzolo | Nelson Oliveira | Yaroslav Popovych | Grégory Rast | Thomas Rohregger | Hayden Roulston | Andy Schleck | Fränk Schleck | Jesse Sergent | Jens Voigt | Haimar Zubeldia

Historie: Der Luxemburger Unternehmer Flavio Becca verdiente sein Vermögen auf dem Immobilienmarkt, die Firma Leopard S.A. gründete der Radsportenthusiast, um ein Team um das Luxemburger Radsportlerbruderpaar Fränk und Andy Schleck aufzubauen. Andy Schleck erreichte in der ersten Saison des Teams direkt den zweiten Platz hinter Alberto Contador bei der Tour de France 2011, ihm wurde das Gelbe Trikot im Nachhinein noch zugesprochen, nachdem Alberto Contador durch seinen Positivtest der Sieg aberkannt wurde. Auch ein Jahr später, im Jahr 2011 wurde Andy zweiter, diesmal hinter Cadel Evans. Vormals durch die sympathischen Schleck Brüder und den Publikumslieblingen Fabian Cancellara und Jens Voigt das Konsens-Lieblingsteam vieler Radsportfans, büßte Leopard-Trek mit der letztjährigen Fusion mit Johan Bruyneel’s Team Radioshack einige Sympathiepunkte ein.

Radioshack wurde im Jahr 2010 um Lance Armstrong herum aufgebaut, nachdem dieser sein Comeback bei Astana feierte, wo sein Ego bekanntermaßen mit dem seines damaligen Teamkollegen Alberto Contador kollidierte. Nachdem Lance endgültig in Rente ging, fusionierte das  Radioshack mit Leopard-Trek. Johan Bruyneel verdrängte Bryan Nygaard aus dem Management, und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Radioshack-Nissan-Trek (so der Teamname in der Saison 2012) litt im letzten Jahr unter zahlreichen Verletzungseinbußen, u.A. durch den Sturz von Andy Schleck, der fast die ganze Saison ausfiel und auch den 4-fachen Schlüsselbeinbruch von Fabian Cancellara im Frühjahr. Dann folgte auch noch der positive Dopingtest von Fränk Schleck auf das Diuretikum Xipamid, dessen Verfahren sich sicher noch um einige Zeit in die Länge ziehen wird. Johan Bruyneel verließ den Posten als Manager im Oktober 2012 – seine durch die USADA aufgedeckten Verstrickungen in den Fall Lance Armstrong & US Postal werden höchstwahrscheinlich zu einer lebenslangen Sperre führen, sobald das Verfahren abgeschlossen ist. Schlagzeilen machte das Team im letzten Jahr zudem noch durch ausbleibende Gehaltszahlungen, dadurch vereinzelt sehr unzufriedene Profis, Dispute zwischen den Schleck Brüdern und Bruyneel und den Ausstieg des Sponsors Nissan.

Der Berner Bär muss sich zur nächsten Saison nicht mehr nur auf seine Beine verlassen, das Team hat das Klassikerroster aufgestockt

Der Berner Bär muss sich zur nächsten Saison nicht mehr nur auf seine Beine verlassen, das Team hat seine Klassikeraufstellung aufgestockt

Die wichtigsten Persönlichkeiten: Natürlich wird Fabian Cancellara bei den Frühjahrsklassikern wieder vorne mitfahren. Auf die neben Jens Voigt einzig beständige Größe im Team ist verlass. Cancellara war seit 2006, mit Ausnahme von 2009, wo ihn eine Erkältung plagte, in mindestens einer (meist mehreren) Top 3 der wichtigsten Frühjahrsklassiker zu sehen. Die Flandern Rundfahrt und Milan-San Remo stehen bereits in seinen Palmares, Paris-Roubaix gewann er sogar zwei Mal. Kurze, komplizierte Zeitfahrstrecken sind Fabu’s Spezialgebiet, darin ist der vierfache Zeitfahrweltmeister fast  unschlagbar. Leider bietet die Tour de France in dieser Saison keinen solchen Prolog, weshalb seine Chancen auf das Gelbe Trikot eher gering sind. Radioshack-Leopard müssen sich nach Zeitungsberichten sehr glücklich schätzen, dass Cancellara trotz ausbleibender Gehaltszahlungen keinen Weg aus seinem Vertrag gefunden hat.

Was aus den Schleck Brüdern wird ist sehr ungewiss. Fränk’s Dopingsperre ist so gut wie unabwendbar, auch wenn er auf „Vergiftung“ plädiert. Ein, laut Untersuchungsbericht, wahrscheinlich verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel hat selbst Alberto Contador nicht von einer langen Sperre bewahrt. Sein Bruder Andy hat in der gesamten letzten Saison kaum eine Rolle gespielt, ein Riss am unteren Rücken, welchen er sich bei der Dauphiné im Juni zuzog, führte zu Aufgaben bei Rennen und einer langen Pause. Die Tour Down Under wäre seitdem das erste Rennen, welches er zu ende fährt. Er hat jedoch bis zur Tour de France noch genug Zeit, wieder in Form zu kommen, bis dahin ist es um ihn sowieso erfahrungsgemäß ruhig.

Stijn Devolder ist einer der neuen Fahrer im Team, er wechselte vom Team Vacansoleil zu Radioshack-Leopard. Der zweimalige Gewinner der Flandern Rundfahrt (08 & 09) enttäuschte in den letzten zwei Jahren, als seine Erfolgssträhne nach dem Wechsel abrupt abbrach. Auch im Jahr 2012 konnte Devolder keine Resultate vorbringen, woraufhin Vacansoleil ihm schon im Frühjahr empfahl, sich nach einem neuen Team umzusehen. Radioshack setzt großes Vertrauen in den sturen Belgier, er soll im Frühjahr die zweite Gefahr hinter Fabian Cancella stellen, damit dieser sich in taktischen Kämpfen mit Tom Boonen und seinen gefährlichen Teamkollegen nicht mehr auf seine bloße körperliche Stärke verlassen muss.

Management: Durch den für Johan Bruyneel mehr oder weniger unfreiwilligen Wechsel an der Führungsspitze, hat sich ohne Zweifel etwas an dem internen Klima im Team geändert. Die Ursache vieler Probleme aus dem letzten Jahr resultierten wahrscheinlich aus Bruyneels autoritären Führungsstil. Er wollte den Sportlichen Leiter und Vertrauten der Schleck-Brüder, Kim Andersen, nicht mit zur Tour nehmen, worüber sich die Brüder öffentlich ausließen. Als Fränk Schleck wegen eines Sturzes und Schulterproblemen die Giro d’Italia verließ, zweifelte Bruyneel öffentlich an der Verletzung. Er nahm ausserdem den Dänen Jakob Fuglsang nicht mehr zu wichtigen UCI Rennen mit, als er hörte, dass er sich nach einem neuen Team umsieht und dadurch seine UCI Punkte mitnehmen könnte. Fuglsang nannte den Zusammenschluss der Teams daraufhin ein „Desaster“, und gab an, dass es Johan Bruyneel grundsätzlich stört, wenn Profi’s ihre Meinung äussern. Johan Bruyneel sagte selbst einmal, dass es bei seinem ehemaligen Team US Postal und auch später bei Discovery Channel keine Probleme mit den Egos im Team gab, da Lance Armstrong das größte von allen besaß. Wahrscheinlich hat er seine Erfolge der recht einfachen Teamsstruktur zu verdanken: alle arbeiten für einen. Heutzutage gehört wahrscheinlich etwas mehr dazu.

Luca Guercilena, Sportlicher Leiter seit den Anfangstagen bei Leopard, wurde nun in den Posten als General Manager befördert. Teammäzen Flavio Becca hob nicht nur seine Leistungen als Director Sportif hervor, sondern auch sein Talent als Mediator. Die Sportlichen Leiter Kim Andersen, Dirk Demol (ein langjähriger Vertrauter von Stijn Devolder und nach eigener Aussage der einzige, der ihn versteht) und Alain Gallopin, müssen nun den Anfang der Saison damit verbringen etwas Ruhe in das Team zu bringen.

Hinterlassen Sie den ersten Kommentar

Kommentar verfassen