Rückblick: Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt 2012

„Rund um den Henninger-Turm“, so der frühere Name des Rennens, welches sich neben Rund um Köln und den Cyclassics in Hamburg als eines der letzten deutschen Rennen auf der offiziellen UCI Rennliste befindet. Früher verlief das Rennen noch, dem Namen entsprechend, in einer großen Runde um den nach einem regionalen Bier benannten Turm, heute sieht der Streckenverlauf eine Fahrt von Eschborn nach Frankfurt vor.

Hessen zeigte sich am Tag der Arbeit von seiner schönsten Seite, Sonnenschein, Heli-Aufnahmen vom Taunus sowie die aktuelle Crème de la Crème des Deutschen Radsports, unter Anderem waren dabei: Andre Greipel, John Degenkolb, Fabian Wegmann, Gerald Ciolek, Tony Martin und Christian Knees. Fünf ProTour Teams reisten an, dazu eine „Nationalmannschaft“ mit Fahrern, dessen Teams nicht direkt antraten.

„Reden ist gut, schauen ist super“

Das Rennen wurde von 13 bis 17 Uhr im Hessischen Rundfunk live übertragen, ausreichend Zeit um die Zuschauer vom Radsport abzulenken. Der Kommentator hatte sich von der Rennleitung einen Zettel mit den wichtigsten Touristenattraktionen geben lassen und hatte somit genug Material, um die vier Stunden zu Überbrücken: Giraffennachwuchs im Frankfurter Opel Zoo, das Schlosshotel Kronsberg –  „Der Küchenchef kocht vom feinsten. Ja, was soll ich dazu noch sagen.“ Nebenbei erfuhren wir, dass Tony Martin erst vor knapp drei Wochen auf dem Rad von einem Auto erfasst wurde, sich aber seitdem gut erholt hat und heute sein Comeback, trotz einem nicht ganz verheilten Kieferbruches, vor heimischer Kulisse feiert. Tony Martin wurde in Cottbus geboren, wuchs jedoch in Eschborn auf, nachdem seine Eltern im Jahr 1989 aus der DDR flohen.

„TÖNY!“ – Rufe hallten vereinzelt durch die durch das schöne Wetter ansehnlich gefüllten Straßen, als er auf den letzten 45 Kilometern zu einem Soloritt ansetzte und 30 Sekunden auf den Rest herausfahren konnte. Die Zuschauer klatschten brav. 27 Kilometer vor dem Ziel schlossen jedoch drei Verfolger auf, Dominik Nerz und Moreno Moser, beide Fahrer für Liquigas, sowie Sergey Firsanov vom RusVelo, einem Continental Team. Tony hängte sich hinten dran und wartete auf den Zielstrich. Nach knapp 200 Kilometern quer durch die Taunusschleife, taktierten die Vier sich zum Finale zwischen den Hochhäusern der Frankfurter Innenstadt, bis Moreno Moser auf den letzten 500 Metern letztendlich die Chance ergriff und den Anderen davonfuhr, um zu „Samba di Janeiro“ als Erster den Zielstrich zu passieren. Tony wurde respektabler Vierter, dahinter sprintete Andre Greipel gegen den Rest des Feldes zum fünften Platz, John Degenkolb wurde Siebter.

Moreno Moser und sein stolzer Vater Diego

Im Ziel empfing Diego Moser, der Vater des 21-Jährigen Siegers seinen Sohn bei seinem bisher größten Sieg unter Tränen. Der Moser-Klan gehört zu den traditionsreichsten Familien im italienischen Radsport, allen voran Moreno’s berühmter Onkel, Francesco Moser, Sieger der Giro d’Italia von 1984, 3-facher Sieger von Paris-Roubaix und der Erste, welcher es schaffte Eddy Merckx’s Stundenrekord zu brechen. Vor 25 Jahren ging Francesco Moser in den Ruhestand, sein Neffe hat noch genug Zeit, um sich zu beweisen.

 

 

 

Highlights:

  • Eindeutig: das Interview mit „Frau Martin“, Tony’s Mutter, vor dem Start: „Was kriegt denn der Sohnemann zu Essen heute Abend?“ – Frau Martin: „Ich werde ihm wohl sein Lieblingsgericht kochen; grüne Bohnen und gefüllte Hähnchenstücke. Er isst allgemein viel Gemüse. Als Nachspeise gibt es Melone!“
  • Co-Moderator Kai Hundertmarck dazu: „Wenn er nicht gerade einen Turbo auf dem Rad braucht, sind Bohnen eher schwer zu verdauen.“
  • Das Twitter-Kommentar eines spanischen Journalisten: „Schöne Übertragung vom Hessischen Rundfunk. In Deutschland gibt es keine Faszination für den Radsport, das Geld fehlt. Sie Glänzen jedoch mit dem wenigen, was sie investieren.“

4 Kommentare

  1. Einäugiger9. Mai 2012 um 09:16

    „Tony hängte sich hinten dran und wartete auf den Zielstrich.“ ??? ähh, ich hab n anderes Rennen gesehen

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    • Goldene-Speichen.de9. Mai 2012 um 09:20

      Etwas polemisch formuliert, das gebe ich zu 😉 Er hatte sich in der Gruppe allerdings nicht mehr an der Führungsarbeit beteiligt und war gegen Ende, wie er auch später zugegeben hat, ziemlich alle.

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