Rückblick: Fléche Wallonne 2012

„Furchtbar“, „ein Horror“, „schrecklich“ – Die Kommentatoren überschlugen sich geradezu mit Superlativen. Es ging allerdings nicht um den Rennverlauf, sondern um das Wetter. Die Fahrer des Wallonischen Pfeils fuhren scheinbar konstant auf eine schwarze Wand zu. Fünfcentstück-große Regentropfen wechselten sich in einer Art belgischen Kreisel mit hellem Sonnenschein ab.

Die Muur de Huy

Bei einer Länge von 194 Kilometern führte das Rennen durch den französischen Teil Belgiens, in drei Runden über einen anspruchsvollen Parcours. Der 1,3km lange Streckenabschnitt hoch entlang der Mauer von Huy (Muur de Huy) entscheidet hier jedes Jahr das Rennen. Dort werden Ausreisser eingeholt und im Schlussanstieg der Sieger entschieden.

Bemerkenswerte Ausreisser waren diesmal unter Anderem Dirk Bellemakers (Landbouwkrediet) und Geburtstagskind Anthony Roux (FDJ-Big Mat), welche sich zeitweise einen Abstand von fast acht Minuten zur Hauptgruppe erkämpfen. Sander Armée (Topsport Vlaanderen-Mercator) attackierte nach 80 Kilometern und versuchte aufzuschließen, was ihm nicht gelang. Trotz allem ein beeindruckender Versuch. Radioshack-Nissan machte ab dann Tempo, im Wechsel mit Katjusha.

Wetter: wechselhaft

Andy Schleck fuhr, begleitet von zwei unbekannten Typen, dessen Nachnamen mit -ov enden, eine kleine Lücke hinaus. Der Abstand zu den Ausreissern wurde geringer; Schleck und die Anderen eingeholt, bevor es zum zweiten Anstieg der Muur ging. Dort verloren die Ausreisser Bellemakers und Roux fast eine Minute auf den Rest und führten nur noch mit 38 Sekunden. Auf den letzten 15 Kilometern konnten sie letztendlich eingeholt werden, währenddessen hatte Andy’s Bruder Frank Schleck einen Platten und war so gut wie raus aus dem Rennen.

Die Favoriten zeigten sich nun, in einem fast geschlossenen Feld, wieder vorne an der Spitze. Kleinere Attacken markierten die leichte Nervosität vor dem Finale.

Auf den letzten zehn Kilometern sprintete Ryder Hesjedal von Team Garmin-Barracuda aus dem Feld heraus, Maxim Iglinski von Astana zog mit, wurde aber kurz darauf vermutlich per Funk wieder zurückgepfiffen. Lars-Petter Nordhaug von Team Sky, beim Amstel Gold Race kurz vor dem Ziel noch hart gestürzt, ergriff die Gelegenheit und fuhr mit Hesjedal einen kleinen Vorsprung heraus. In diesem Moment kam auch wieder die Sonne heraus und schien bis zum Schluss. Die Hoffnung der beiden währte jedoch nur bis zum letzten Kilometer; dem letzten Anstieg zur Mauer von Huy, wo sie, Hesjedal noch mit stärkerem Wiederstand, vom Rest geschluckt wurden.

Relativ gesammelt nahm das Peloton somit das Finale in Angriff. Aus dieser Gruppe löste sich Team Katjusha’s Joaquím Rodríguez, dessen Teamkollege Denis Galimzyanov vorgestern mit der gefühlt-ersten positiven A-Probe auf EPO seit 1998 Schlagzeilen machte. Rodriguez fuhr mit beeindruckenden 15m Vorsprung und einem verzerrten Gesicht davon.

Vergessen den Herd aus zu machen? Foto: Francois Lenoir / Reuters

Dahinter stritten sich Michael Albasini von GreenEdge und Vorjahressieger und Lokalheld Phillipe Gilbert um die Brotkrumen.

Joaquím Rodríguez wurde hier letztes Jahr noch Zweiter, als Phillipe Gilbert eine perfekte Klassikersaison fuhr und alle drei Ardennen Klassiker für sich entscheiden konnte. Dieses Jahr schaffte es Rodríguez, die Durchschnittlich 9,6%ige Steigung an der Muur de Huy zu bewältigen und sich bis zum Zielstrich abzusetzen. Er gilt als Favorit für nächsten Sonntag bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.

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