Radsportklassiker in Kürze erklärt: Mailand – San Remo

Bei diesem Rennen kann man sich nie genau sicher sein, wer gewinnt. Eigentlich wird Milan – San Remo durch die überwiegend flachen Abschnitte als Sprinterrennen bezeichnet, dazu hat es für einige reine Sprinter jedoch zu viele Anstiege, genannt „capi“, die zudem jeden reinen Sprintzug ins verderben führen. Auch durch den Umstand, dass die Fahrer, wenn sie San Remo erreichen, schon bis zu sieben Stunden im Sattel saßen, erschwert für viele die Ambitionen auf einen finalen Sprintsieg. Seit 1982 ist die Strecke um die 298 Kilometer lang, somit ist „La Primavera“ das längste aller UCI Rennen. Dementsprechend gemischt die Siegerliste: zwischen Sprintern wie Mark Cavendish, Mario Cipollini und Erik Zabel (Zabel gewann hier vier Mal), tummeln sich auch Klassikerspezialisten wie Fabian Cancellara, Pippo Pozzato und Oscar Freire. Aber auch Überraschungssieger, wie im Jahr 2012 der kompakte Allrounder Simon Gerrans, haben hier eine Chance zu gewinnen. Unübertroffen bleibt jedoch der 7-fache Sieger von Mailand – San Remo: Eddy Merckx.

Alessandro Petacchi gewann hier im Jahr 2005 - Foto: Julius Kusuma (Wikimedia Commons) CC-BY-SA

Alessandro Petacchi gewann hier im Jahr 2005 – Foto: Julius Kusuma (Wikimedia Commons) CC-BY-SA

Die Strecke verläuft über die ersten 150 Kilometer sehr flach, es wird sich erst ein mal warm gefahren, bis beim 142. Kilometer der Passo del Turchino mit 532 Höhenmetern auf die Fahrer wartet, der erste und „schwerste“ Berg auf dem Streckenprofil. Ab dem 200. Kilometer werden die ersten Fahrer am La Mànie abgehangen. 25 Kilometer vor dem Ziel ist der vorletzte „capi“, der Cipressa zu bezwingen, spätestens dann geht es um die richtige Positionierung: Wer sich hier nicht an das richtige Hinterrad hängt und Energie spart, wird in den letzten Kilometern den Kürzeren ziehen. Entlang der Küste erreicht das Peloton nicht selten bis zu 60 Km/h, um zehn Kilometer vor dem Ziel den Poggio in Angriff zu nehmen. Nur drei Kilometer lang, mit einem Abschnitt über 8% nicht besonders schwer, jedoch mit bereits 290 Kilometern in den Beinen nicht zu unterschätzen. Enge Straßen, in denen die Favoriten nicht selten den Anschluss zur entscheidenden Gruppe verlieren und eine komplizierte Abfahrt, machen das Rennen auf den letzten Kilometern vor San Remo noch ein mal spannend.

Fun Facts:

  • Im Jahr 1910 dauerte die vierte Austragung des Rennens über 12 Stunden aufgrund eines Schneesturmes
  • Die Italiener halten den Rekord mit den meisten Siegen in ihrem Heimatrennen. Seit 1907 gewannen hier 50 Italiener.
  • Gianni Bugno gewann das Rennen im Jahr 1990 mit einer Rekordsdurchschnittsgeschwindigkeit von 45,806 km/h
  • UCI Rennen dürfen nur maximal 250 Kilometer lang sein, Mailand  – San Remo ist die einzige Ausnahme
  • Sowohl 2011 als auch 2012 wurde Fabian Cancellara im Zielsprint von anderen Fahrern überholt, nachdem diese sich an sein Hinterrad hingen. Eine, wie sich auch in den späteren Klassikern herausstellte, effektive Methode zum Sieg
  • Bis 1960 war Milan – San Remo ein flaches Rennen, dann wurde der Poggio in das Streckenprofil mit aufgenommen und später, im Jahr 1982, dann der Cipressa. Die Veranstalter wollten verhindern, dass das Rennen jedes Mal in einem Sprintfinish endet.
  • Der Sieger von 2002, Mario Cipollini, fuhr hier 2005 sein letztes Rennen in Europa, bevor er beim zeremoniellen Prolog der Giro d’Italia 2005 in seinem berühmten pinken Skinsuit, auf dem alle seine 42 Giro-Etappensiege verzeichnet waren, seine Karriere beendete.

1 Kommentar

  1. Kein Frühling bei der Primavera 2013…

    Traditionell eröffnet Mailand – San Remo die Klassiker Saison im Radsport. Doch gestern mussten die 200 Fahrer bei gar nicht so frühlingshaften Bedingungen die 300km lange Strecke an die italienische Mittelmeerküste angehen. Erst erschwerte stark…

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