Profi Portrait: Wouter Weylandt

Der 9. Mai 2011 war einer der schwärzesten Tage des Radsports.  Als das Peloton der Giro d’Italia an diesem Tag den Passo del Bocco hinabfuhr, wurde der Fernsehzuschauer von einem schrecklichen Bild überrascht: ein Fahrer lag blass, blutüberströmt und regungslos auf dem Asphalt; der 26-jährige Wouter Weylandt stürzte bei der Abfahrt mit einer Geschwindigkeit von 70-80 km/h und erlag sofort seinen Verletzungen.

Foto: Cindy Trossaert (Flickr) CC BY-NC

Foto: Cindy Trossaert (Flickr) CC BY-NC

Wouter Weylandt begann seine Karriere als Sieger der U23 Austragung der Flandern Rundfahrt im Jahr 2004, ein Jahr später unterschrieb er im Alter von nur 20 Jahren einen Vertrag beim größten belgischen Team und begann neben Tom Boonen und Paolo Bettini bei Quick Step als Sprinter zu reifen. Er gewann, neben vielen anderen Rennen in seinem Heimatland Belgien, mit Quick-Step bei der Polen-Rundfahrt das Sprintertrikot und wurde bei Gent-Wevelgem im Jahr 2008 Dritter, womit er sich einen Platz bei der Vuelta de España sicherte, bei welcher er die 17. Etappe in einem Massensprint für sich entschied. Ein Jahr später verhalf er seinem Teamkollegen Tom Boonen zum Sieg bei Paris-Roubaix und wurde selbst 11er.

Zum Ende der Saison 2010 wechselte er zum neu gegründeten Luxemburgischen Team Leopard Trek. Dort bekam er das Vertrauen, welches Quick-Step ihm versagte, nachdem sein Vertrag aufgrund von ausbleibendem Erfolg nicht verlängert wurde. Er wurde bei Leopard Trek nach Daniele Bennati der zweite Sprinter im Team und rückte nur durch den Umstand, dass dieser sich kurz vor dem Start durch einen Sturz mehrere Rippen brach, in das Kader für die Giro d’Italia 2011 auf. Im Jahr zuvor gewann er die dritte Etappe der Giro, seinem Lieblingsrennen – dies sagte er in seinem letzten Beitrag auf Twitter, an welchen er ein Ultraschallbild seiner Tochter hing. Alizèe wurde im September 2011 geboren und wird ihren Vater nur von Fotos kennen.

Einen Tag nach seinem tödlichen Sturz im Jahr 2011 wurde von den Teams und den Organisatoren der Giro d’Italia entschieden, die vierte Etappe zu neutralisieren; jedes Team fuhr über die 216 Kilometer im Wechsel vor dem Feld und zollte Wouter Weylandt damit ihren Tribut. Wouter’s Team führte das Feld zum Schluss, zusammen mit seinem bestem Freund im Peloton, Tyler Farrar von Garmin-Cervèlo, geschlossen über die Ziellinie. Das Team Leopard-Trek beendete das Rennen nicht und verabschiedete sich mit dieser Geste von ihrem Freund und der Giro 2011, auch Tyler Farrar verließ Italien und war sich nicht sicher, wie der Rest seiner Saison verlaufen wird. Die Organisatoren der Giro d’Italia beschlossen ausserdem, Wouter’s Startnummer, die 108, nicht mehr zu vergeben.

Bei der dritten Etappe der Tour de France nutzten Tyler Farrar und sein Team bei einer Flachetappe die Gelegenheit, an Wouter zu erinnern: Tyler wurde, mit der Hilfe seiner Kollegen (vor allem dem damaligen Straßenweltmeister Thor Hushovd) in einem perfekt-getimten Sprintzug zur Ziellinie gefahren und ersprintete sich den Sieg nur knapp. Als Tyler Ferrar die Linie überquerte, formte er mit seinen Händen ein W.

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