Profi Portrait: Adam Myerson und die Entscheidung nicht zu dopen

+++ Dieser Artikel wurde am 12. September zuerst auf Podiuminsight.com veröffentlicht, Lyne Lamoureux führte dieses Interview und gab mir freundlicherweise die Genehmigung das Interview mit Adam Myserson zu übersetzen und zu veröffentlichen. Danke dafür! Hier das Original +++

Adam Myerson – Foto: Spokenshutter.com

Doping Geständnisse, unfreiwillige Outings und lebenslange Sperren haben uns die letzten Wochen beschäftigt, einige kamen mit einer großen Explosion, andere eher leise. In seinem Buch, „The Secret Race – in der verdeckten Welt der Tour de France, Doping, Verschleierung und um jeden Preis gewinnen“, erzählt Tyler Hamilton seine Jahre des Dopings und auch die seines Teams.

„Ich denke jeder der Doper verurteilen will sollten darüber nachdenken, nur für eine Sekunde. “ schreibt Hamilton. „Du verbringst dein ganzes Leben damit, für den Durchbruch zum Erfolg zu arbeiten und dann bekommst du die Chance: entweder zu machst mit oder du hörst auf und gehst nach hause. Was würdest du tun?“

Die selbe Auffassung wurde von Jonathan Vaughters‘ Editorial in der New York Times wiederholt, als er schrieb: „Und ich denke an die talentierten Sportler die die richtige Entscheidung getan haben und dem ganzen den Rücken kehrten. Sie wurden dafür bestraft ihren moralischen Kompass zu folgen und würden zurückgelassen.“

Der amerikaner Adam Myserson fuhr zur selben Zeit Rennen und versuchte in den Vereinigten Staaten seinen Durchbruch als Profi zu erlangen. Doping fand nicht nur in Europa statt, es beeinflusste Myerson’s Karriere. Myerson fällte jedoch die Entscheidung, sauber zu fahren.

„Rennen zu fahren bedeutet mir etwas und das ist der Grund warum ich nie versucht habe zu Betrügen, weil in dem Moment in der ich es getan hätte, hätte ich den Traum zerstört, den ich versuchte wahr zu machen.“

Er kehrte dem Sport vorerst im Alter von 26 Jahren den Rücken.

Myserson kam mit 30 Jahren zurück und hält sich mit seiner Meinung auf Twitter nicht zurück, so auch letzten Donnerstag in einer Geschichte über seinen Freund Jason Williams.

Myserson ist viel beschäftigt. Mittlerweile ist er 40 Jahre alt, fährt mit SmartStop-Mt Khakis Rennen auf der Straße und im Crossbereich und ist der Präsident und Haupt-Coach von Cycle-Smart, Inc. Zu guter letzt managt er auch die UCI Cross Serie in den Vereinigten Staaten.

Was hat deine Tirade auf Twitter gestern (Donnerstag) ausgelöst?

Viele Dinge weiten sich derzeit aus und es wirkt so, als ob es jeden Tag wichtigere News gibt. Angefangen mit den Dingen um Lance – das ist nicht etwas, was uns als Leute im Sport nicht bekannt war, zumindest nicht im Detail oder die genauen Ausmaße. Aber mit der Veröffentlichung von Tyler’s Buch werden viele Gerüchte über Leute von ausserhalb, von denen wir schon viel Gehört haben, bestätigt. Aber Vaughters‘ Artikel in der NY Times war wichtig und wahrscheinlich noch wichtiger waren die Interviews, die danach kamen und das hat mich wirklich beschäftigt. Ich war dankbar dafür; vielleicht hat es Konsequenzen für ihn aber es wühlt offensichtlich ein paar Dinge in mir auf, da ich zu genau der Zeit versucht habe Profi zu werden. Ich durchlebte die Zeit und fand heraus, wie viel es mich am Ende doch betraf, mehr als ich erwartet hatte. Also fand ich Dinge über mich selbst heraus und es ist offensichtlich schwierig das nicht persönlich zu nehmen. Als Vaughters dann im Cyclingnews Forum und später im Interview offen über Zabriskie, Vande Velde und Danielson sprach, war das eine große Sache für mich; da ist ein Teamleiter und er spricht offen über seine Fahrer, während er sie zur gleichen Zeit unterstützt. Das war eine Offenheit die wir vorher noch nicht kannten. Diesen Schritt hat bisher weder Tyler noch Landis überschritten. Ich schätze dies sehr. Dafür werde ich eventuell kritisiert, ich weiss dass nicht jeder mit ihm zufrieden ist, ich betrachte mich selbst als Vaughters‘ Unterstützer und die Art, wie er mit der aktuellen Situation umgeht – obwohl er Probleme mit den Entscheidungen hat, welche er damals getroffen hatte. Ich unterstütze wie er versucht das wieder gut zu machen, was Andere in seiner Generation angerichtet haben.

Was meine Tirade also ausgelöst hat war der Gedanke, wie Danielson zum Doping kam. Und wer sein Coach zu der Zeit gewesen sein muss und mit welchen anderen Sportler er damals gearbeitet hat, die Gerüchte und Verdächtigungen, die es über diesen Coach gegeben hat. Die Gerüchte und das Geschwätz über den Coach und die sauberen Fahrer, die mit ihm gearbeitet haben – das ist das Schwierige daran. Man kann jemanden von vornherein für die Zusammenarbeit verurteilen, aber das ist nicht immer die ganze Wahrheit.  Es ging teilweise darum sich mit den Leuten auseinanderzusetzen die behaupteten, sie hätten keine Wahl gehabt oder es sei einfach die Art gewesen, wie das Spiel damals gespielt wurde. Es wurde mir zu viel, weil es einfach nicht der Erfahrung entsprach, die ich gemacht habe und ich über die Umstände nachdachte, als die Entscheidung zu Dopen klar und verfügbar war. Dann dachte ich über mich selbst in einer wichtigen Position wie die eines Coaches nach, wo ich Sportler habe, die zu mir kommen und, aus welchen Gründen auch immer offen waren, Doping auszuprobieren, gehört haben, dass das der einzige Weg ist und es, aus welchen Grund auch immer, akzeptiert haben und bereit sind, diesen Schritt zu geben. Wie einfach wäre es für mich als Coach diese Sportler „zu retten“. Und jetzt als Teammanager, Captain und Coach habe ich jede menge Macht, diesen Sport zu ändern und die Fahrer zu beeinflussen. Also hat es mich frustriert. Wenn du Coach bist, musst du nicht derjenige sein, der die Drogen besorgt um dich schuldig zu machen zu dem System beigetragen zu haben. Alles was du machst, ist es ihnen zu ermöglichen zu dopen, auch wenn du nur deren Gesundheit und Trainingsfortschritt überprüfst, wenn du es weisst bist du Teil des Problems. Niemand wurde zu irgendetwas gezwungen. Diese Frustration hatte sich über eine 100 Meilen lange Ausfahrt über sechs Stunden in meinem Kopf festgesetzt, also kam ich nach Hause und schrieb auf Twitter. Twitter ist mein digitales Tagebuch, sozusagen.

Ich habe es gelesen und eine gewisse Wut bemerkt, oder vielleicht ein paar bittersüße Emotionen nach all den Nachrichten die raus kamen. Was fühlst du dabei? Wie du schon gesagt hast, es ist dein Leben.

Meine Gefühle haben sich in der Hinsicht weiterentwickelt. Und es ist wichtig und ich weiss wir reden nun viel darüber, aber für mich ist es keine Stütze, keine Entschuldigung; ich benutze es nicht um zu sagen, dass ich ein besserer Fahrer bin. Und ich weiss, dass es sich manchmal so anhört oder dass ich den Fakt dass ich sauber Fahre als Werbung benutze aber das ist nicht der Fall. Fakt ist jedoch, dass es passiert ist, als ich versuchte Profi zu werden, dass ich viel Erfahrung habe und daher viel darüber zu sagen habe und die Leute scheinen sich dafür zu interessieren. Ich will nicht, dass die Leute mich falsch verstehen; ich bin nicht der einzige saubere Typ da draussen. Viele Fahrer meiner Generation haben diese Entscheidung getroffen und wollen sich nicht äussern, also bin ich nicht alleine. Ich bin nur derjenige mit dem größeren Mikro sozusagen, vielleicht repräsentiere ich diese Gruppe aber im Grunde versuche ich nur für mich selbst zu sprechen.

Als Vaughters‘ Editorial raus kam, war das emotional sehr schwer für mich. Es war die Bestätigung, dass das System manipuliert war und ich zu dieser Zeit naiver war, als ich es mir vorstellen konnte. Es war schwer für mich damit umzugehen, weil ich so viele Jahre meines Lebens versucht habe zu diesem Level zu gelangen und mir letztendlich eingestehen musste, dass ich nicht gut genug war.

Ich war 26 als ich mich dazu entschied aufzuhören, das war 1998; meine Resultate waren gut, meine Leistungen waren gut, ich habe bereits gezeigt dass ich gut genug war aber aus irgendeinem Grund..  Ich könnte all die Gründe aufzählen und Doping war nur einer davon. Es gab viele Hürden um Profi zu werden, Doping war nicht die einzige. Denk darüber nach was alles im Jahr 1998 passiere und ich dachte ich sei nicht gut genug, Doping trug zu dem Gedanken bei. Um so mehr Fakten herauskommen, desto schlechter ging es mir aber es hatte auch gute Seiten. Ich wurde darin bestätigt dass ich besser war als ich dachte und dass ich gegen ein System arbeitete, welches manipuliert war.

Auf der anderen Seite fühle ich mich bestätigt in der Karriere die ich dadurch bekam, die begann als ich 30 war. 2003, als Vaughters zurückkam und ein halbes Jahr für Prime Alliance in den USA fuhr, das war das Jahr in dem ich endlich Profi wurde, mit 30. Er redete davon dass er 1995 15,000 Dollar pro Jahr in seinem ersten Jahr als Profi verdiente, ich verdiente 5,000 Dollar pro Jahr als Kriterium Fahrer bei Breakaway Courier Systems, das war alles. Wenn ich mir also die heutige Situation ansehe, wie unsere Leben aussehen, war ich in der Lage mich in der letzten Dekade zu beweisen und gut genug war, das Level zu erreichen, was ich erreichen wollte. Ich war ein zuverlässiger und halbwegs erfolgreicher US Pro Kriterium Fahrer, das ist kein schlechter Weg sein Geld mit Fahrradfahren zu verdienen. Und ich war in der Lage, sauber zu fahren und ich denke es war dadurch auch möglich, einen Einfluss auf den Sport auszuüben. Über das Jahr letzte Jahr hinaus, die Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit, die Unterstützung und die Danksagungen, besonders in der letzten Woche… Ich habe immer gewusst, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe aber nun denke ich, dass ich endlich die Belohnung dafür bekomme, in einem Umfang den ich nie erwartet hätte. Hier wollte ich landen und ich bin absolut verblüfft, dass ich es auch geschafft habe (lacht). „Ich hatte eine Karriere als Rennfahrer“ – Ich sage dies in der Vergangenheitsform aber ich bin noch nicht fertig!

Lass uns zurück ins Jahr 1998 und die Jahre davor blicken. Bist du eines Tages aufgewacht und hast gedacht: Oh mein Gott, all diese Leute dopen? Kam es langsam? Wie kamst du damit in Berührung?

Ich denke meine erste Berührung damit kam, als ich zur Superweek ging, als ich 19 war. Dort waren alle europäischen Fahrer die nicht die Tour de France fuhren aber solchen Teams angehörten, RMO und andere kleine spanische Teams kamen und die Typen waren wie wahnsinnig an der Starlininie. Wir wussten nicht was Pot Belge war zu dem Zeitpunkt aber wir wussten, was Amphetamine waren und es war ziemlich offensichtlich, wer von den Typen sie genommen hatte. Typen denen fast die Augen ausfielen, wie verrückt umherrannten vor dem Start. Jemand sagte dann zu mir: „Oh der Typ ist geladen“

Und damit lernte ich die Sprache, der Typ ist „geladen, der Typ ist „am leuchten“, der hat irgendeine „besondere Vorbereitung“ hinter sich, und es gab ein Zwinkern und ein Nicken und ich dachte nur „whoa, wirklich?“. So wurde es mir zuerst deutlich gemacht und ich realisierte, dass ich Rennen mit Leuten fuhr die gedopt waren. Und dann passierten eigenartige Dinge bei Rennen. Manche Leute erinnern sich an die Superweek Etappe in der Greg Oravetz und Dave Mann kurz davor waren, das Feld zu überrunden, als über die Lautsprecher durchgesagt wurde, dass es Drogentests geben wird und die Typen beendeten das Rennen aus der Führungsposition heraus. Sie hätten das Feld fast eingeholt und sie hörten einfach auf. Das war überdeutlich. Ich denke jeder verstand warum sie aufhörten – zu dieser Zeit entnahmen sie nicht willkürlich Proben, sondern testeten nur die Podiumplatzierten. Das war vielsagend für mich.

Aber es hatte sich auch eine Tür für mich geöffnet, du musstest gut genug sein um Drogen angeboten zu bekommen oder? Wenn es also darum geht, dass du auf einem europäischen Level fahren musst, um das erste Mal mit Doping in Berührung zu kommen damit es sich auch lohnt – Vaughters redet über die letzten 2%, aber es sind nicht die letzten 2% für jeden. Ich hatte ein paar andere Hürden neben Doping, wie ich schon sagte. Es gab finanzielle Gründe und den Umstand, dass ich auch versuchte aufs College zu gehen und keine familiäre Unterstützung hatte. Ich kann viele Herausforderungen aufzählen, die ich überwinden musste und erklären, warum es für mich länger dauerte als bei anderen, um dorthin zu kommen.  Aber wenn er über die letzten zwei Prozent redet: es gab genug Typen die, wie wir gerade herausfinden, auf meinem Level fuhren und dopten, um entweder einen Vertrag zu bekommen oder vom Preisgeld zu leben. Typen wie Alan McCormack, die für große Teams fuhren, viel Geld machten aber am Wendepunkt ihrer Karriere keine anderen Beschäftigungsmöglichkeiten hatten, keine Ausbildung – aber wussten wie das System funktioniert und was sie tun mussten, um Geld zu verdienen. Es gab also genug dieser Leute in der US Kriterium Szene in der ich Mitte der 90er fuhr und so kam ich zum ersten Mal damit in Berührung.

Ich fuhr in der nationalen Radsportliga mit Alan McCormack, Steve Speaks und Gary Mulder, diese Typen nahmen sich mir an und erzählten mir ,worum es geht. Speaks sagte mir: „Ich nehme Drogen zum Feiern, wieso sollte ich nicht die  Drogen nehmen, die mich schneller fahren lassen? So sieht es nun mal aus.“ Ich konnte es nicht glauben, diese Jungs waren meine Helden, sie waren alle 10 Jahre älter als ich und brachten mir zu den Zeitpunkt bei, wie man Rennen fährt. Ich hatte viele Mentoren zu der Zeit, ich glaube es war 1994, dies waren die Jungs zu denen ich aufschaute. Alan kam auf mich zu, er lebte damals vom Preisgeld, sie nahmen mich auf und wurden dafür nicht bezahlt, sie mochten mich, nahmen mich unter ihre Fittiche und er sagte mir „Jazzy du musst dem alten Mann folgen, ich hab eine besondere Vorbereitung, 20ml an besonderer Vorbereitung. “ Ich fragte „Warum sagst du mir sowas?“ Ich liebte diese Typen. Aus seiner Sicht kümmerte er sich nur um mich und wollte, dass ich erfolgreich bin, auch wenn ich nicht dopte. Er bot mir, um dies klar zustellen, nie etwas an aber liess mich wissen, dass wenn wir bei diesem 10,000$ Kriterium antraten, es keine Tests geben wird. Er war komplett dicht und wollte mir klarmachen, dass ich seinen Attacken folgen soll. Wenn ich in der Ausreissergruppe sein wollte, sollte ich ihm folgen, so sollte es laufen. Und ich hatte dieses geheime Wissen über sein Doping und er versuchte mich daran teilhaben zu lassen. Sie boten mir nie etwas an, sie liessen mich nur wissen, dass sie es taten und es war klar, dass es mir zur Verfügung stand, wann immer ich bereit bin.

Das klingt ziemlich hart, du warst jung und die Typen waren deine Idole. Wie kam es, dass du nie gedopt hast?

Für mich war es wirklich einfach. Und ich weiss was viele andere in dieser Situation gedacht hätten „ich weiss nicht was ich getan hätte“. Ich verstehe warum sie dies denken und das ist fair oder? Sie wollen nicht zurückblicken und alle für diese Entscheidung verurteilen, weil sie nicht sicher sind, was sie in dieser Situation getan hätten. Und wenn du dir mein Leben damals ansiehst, als ich aufs College ging und in den Wohnheimen lebte, hatte sich meine Lebensqualität verbessert. Zum ersten Mal wohnte ich in einer sicheren Wohnung, wo der Strom nicht abgestellt wurde, wo das Telefon immer funktionierte, wo es immer Essen gab. Das sind Dinge, die ich nicht immer hatte als ich aufwuchs. Der Weg durchs College verbesserte meine Lebensqualität im Vergleich zur Zeit auf der High School. Ich konnte für mich selbst sorgen. Aber ich wollte auch Rennfahrer werden. Ich hatte keine finanziellen Sicherheiten aber auch keine Angst etwas zu verlieren, weil es so etwas für mich nie gegeben hatte. Dies erlaubte es mir Dinge zu tun, wie zum Beispiel in den Semesterferien nach Tuscon zu fahren und mit 250$ in meiner Tasche zu trainieren, weil ich nie wusste, wie es anders geht, daher gab es kein Risiko. Ich bekam einen Job in einem Piercing Studio als ich in Tuscon war, machte so mein Geld und war in der Lage für die nächste Saison zu trainieren. So sah mein Leben damals aus.

Währenddessen litt der Sport wirklich in den 90ern, gute Fahrer fuhren ohne Bezahlung in „Pro“ Teams weil es kein Sponsoring gab, das Geld war nicht da, die Wirtschaft am Boden. Wenn du also nicht für Coors Light oder LA Sheriffs gefahren bist, gab es kein anderes Team, was dich fürs Fahren bezahlte. Ich habe jahrelang Angebote von Teams bekommen, aber immer nur ohne Bezahlung, null Dollar Verträge und ich hatte bereits einen 5,000 Dollar Amateurvertrag mit Breakaway Courier Systems. Ich hätte also weniger verdient um Profi zu werden und ich lebte im Grunde vom Preisgeld. Um also mehr Geld zu verdienen haben mit Typen gesagt, dass ich dopen müsste, warum hätte ich es also nicht machen sollen? Ich war der beste Kandidat dafür.

Der Grund für mich es nicht zu tun, war der, dass ich nie fürs Geld Rennen gefahren bin. Ich habe immer versucht genug Geld zu verdienen um weitermachen zu können und ich hatte einen Traum aber ich hätte auch einfach zurück zum College gehen können. Ich wusste, dass ich intelligent und einfallsreich genug bin, um über die Runden zu kommen. Rennen zu fahren bedeutet mir etwas und das ist der Grund, warum ich nie versucht habe zu Betrügen, weil in dem Moment in der ich es getan hätte, hätte ich den Traum zerstört, den ich versuchte wahr zu machen. Ich wusste über die Konsequenzen Bescheid und wie meine Resultate ausgesehen hätten. Ich hätte früher mit dem Rennen aufgehört und einfach mit dem Skateboardfahren weitergemacht, dort gab es keinen Wettbewerb, darum ging es mir nicht. Ein Skateboard Contest ist für mein ein absurdes Konzept, bewertet man den Typen der am meisten Spaß hat? Der Typ der sich am lebendigsten fühlt wenn er Skateboard fährt, ist das der Typ, der das Rennen gewinnt? Das ist aber der Gedanke, der mich zum Rennen gebracht hat. Offensichtlich ist der Erste über der Ziellinie der Gewinner und es gibt einen Wettbewerbsaspekt; das ist aber nicht das, was mich reizte.

Und was noch viel schwerer wiegt – zu dem Zeitpunkt kam ich aus der Punk Szene zum Radfahren. Die familiäre Unterstützung die ich hatte und woher ich meine moralischen Normen her bekam, hat sicher etwas damit zu tun, in einem religiösen Haus aufgewachsen zu sein, mein Vater war jüdisch, meine Mutter Katholikin, ich ging zur Kirche als ich aufwuchs, ich hatte meine Konfirmation und so weiter. Aber ich kam aus der Punk Szene und vor allem aus der Straight Edge Richtung. Ich war Straight Edge. Also hatte ich mich schon dazu verpflichtet nicht zu trinken, keine Drogen zu nehmen, ich war bereits Vegetarier zu dem Zeitpunkt und ich machte all dies aus moralischen Gründen. Ich hatte mich bereits entschieden integer zu leben, ich hab mir diesen Pfad ausgesucht der nichts mit Rennen zu tun hatte. Als mir also erzählt wurde, dass sie Partydrogen nehmen, also würden sie auch Dopen – ich dachte genau das Gegenteil: ich nehme nicht mal Partydrogen, warum sollte ich also betrügen, um Rennen zu gewinnen? das ist nicht warum ich hier bin. Also war die Entscheidung einfach für mich. Auch wenn es frustrierend war und ich wusste, dass ich mich selbst einschränkte. Ich glaube ich überzeugte mich selbst davon, dass wenn ich sauber fahre, glaube ich immer noch daran, dass ich talentiert genug bin, um einen Profivertrag in den USA zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt wurde uns erzählt, dass 90% der Fahrer in Europa „schmutzig“ fuhren und dass 90% der Fahrer in den USA sauber sind. Ich glaube nicht mehr, dass das stimmt, wenn man beachtet was zuletzt ans Licht kam. Ich glaube immer noch, dass es 90% in Europa waren und eventuell 50% in den USA. Es gab in den Rennen die ich fuhr viele von der Sorte. Ich glaube es waren eher 50%  die wirklich dopten. Ich konnte kaum fassen wie viele Jungs, Freunde von mir, Typen die nicht einmal wirklich gut waren, in den letzten Wochen ins Rampenlicht traten und erzählten, was sie damals wirklich taten.

Die Geschichte die du mir gerade erzählt hast. Bist du ihm gefolgt (Alan McCormack) als er attackierte? Hast du davon profitiert das Teamkollegen dopten?

Es war eine echte moralische Herausforderung weil ich wusste, dass wenn ich ihm folgte und ich wusste, dass er einen Gang extra fuhr, ich auch von seinem Doping profitierte. In diesem Sinne war es eine Last für mich, als er mir die Info gab; er brachte mich in eine moralische Zwickmühle: ich dope nicht aber der Typ ist so nett zu mir, er kümmert sich um mich aber er betrügt und ich lehne das was er tut ab.

Ich sage immer: wir wissen, dass nette Typen dopen. Tyler Hamilton, wir kennen uns schon seit wir 16 waren, er ist so nett wie alle denken, nette Typen dopen, nette Jungs fällen schlechte Entscheidungen, sie können narzisstisch, krank, geizig oder was auch immer sein. Wir dachten wir können die Bösen ausmachen, wir lagen falsch. Viele nette Typen dopten.

Um deine Frage zu beantworten, habe ich davon profitiert? Nein, nicht wirklich, weil es nicht einfach ist bei einer Attacke eines Fahrers mitzuhalten, der auf Amphetaminen fährt. Du hast nicht den Gang extra, er kann 10 Mal attackieren und du kannst eventuell die Hälfte davon mithalten. Hat er die Rennen beeinflusst? Sicher. Wusste ich das? Ja. Waren meine Resultate besser dadurch? Nein, so einfach ist es nicht. Wenn so etwas heute passieren würde, gäbe es Wege damit umzugehen. Die USADA hat eine Hotline, würde ich Ernst machen und das Dopen stoppen wollen, würde ich solche Infos heute weitererzählen. Es gab damals keinen Weg so etwas zu tun, noch ist es jemanden eingefallen, es war nur etwas womit wir lebten. Du warst nicht verpflichtet zu Dopen aber es gab auch keinen Weg andere Leute davon abzuhalten.

Du fährst noch immer Rennen. Du bist Teamkapitän, Coach und hast noch viele andere Rollen. Ist es heute besser? Wenn ja, wie viel besser?

Im Sinne vom: wie viel sauberer?

Ja. Und viele die damals dopten fahren heute noch aber wird es besser?

Es wird definitiv besser. Ist das Problem gelöst? Natürlich nicht. Profitieren die Fahrer die früher dopten noch immer, wenn es das ist was du fragen willst? Ja.

Darum geht es mir. Nach so vielen Jahren, auch wenn man mit Dopen aufgehört hat, hat man von dem Training profitiert.

Du profitierst davon auf eine ganz andere Art. Einmal wegen dem Training, zu welchem du in der Lage warst; dem Level, welches du erreichen konntest. Dein Körper passt sich an und macht es dir einfacher auf dieses Level zurückzukehren. Es bedeutet aber auch, dass du Resultate eingefahren hast, Verträge und Möglichkeiten bekommen hast, welche saubere Fahrer nicht bekamen. Und bist du einmal im System.. Lass uns zurück zu den 90ern gehen wo ich beim besten Willen nicht über das Level hinaus kam, auf dem ich war. Ich bekam gute Ergebnisse, es gab nicht viele Teams und ich bekam als ich aufhörte um die 10,000$ an Preisgeldern und so weiter, gerade so viel um über die Runden zu kommen. Ich träumte von den 12.000$, 1000$ im Monat um alle anderen Verpflichtungen fallen zu lassen und zu Trainieren um mein körperliches Potential auszuschöpfen. Ich weiss heute, dass mehr dazu gehört aber das ist was wir alle dachten damals.

Also sagen wir ich hätte damals gedopt, nur so viel um den Durchbruch zu erlangen und den Vertrag zu bekommen, den ich mir erhofft hatte; es gab drei Momente in denen es fast geklappt hätte aber irgendetwas lief immer schief. Hätte ich also durch Doping die Ergebnisse bekommen die ich brauchte – bist du einmal in der Auswahl, passt man auf dich auf, du bekommst ein besseres Gehalt, gehst zu besseren Rennen – im Grunde sind das Voraussetzungen dafür, von vornherein besser zu werden. Als ich aufhörte kam ich aus meinem Level nicht heraus, in den letzten Jahren hörte ich einfach auf mich zu verbessern, das letzte Jahr war das Jahr in dem ich mich nicht verbesserte und ich dachte besser werde ich nicht. Ich war nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte aber es ist nicht gut genug um weiterzumachen, also entschied ich mich aufzuhören. Ich war 26 in dem Jahr und dies war das erste Mal, dass ich nicht besser als im Vorjahr war – ich jagte dem Traum lange genug hinterher und dies war die Antwort die ich brauchte, also hörte ich auf.

Wenn du dir also die Jungs in den großen Teams ansiehst, wie sind sie da hingekommen? Wie wurde Danielson gerettet? Wir alle wussten was für ein Talent er hat, er gewann alle nationalen Mountain Bike Titel als Junior. Dies schaffst du nicht ohne Talent, das bestreitet niemand. Er kam vom rechten Weg ab, wurde wiederentdeckt und offensichtlich in vielerlei Hinsicht wieder hingebogen. Seine Möglichkeiten waren also das Resultat dieser Entscheidungen. Er kam sauber bis zu einem bestimmten Level und dies zeigte ihm wie gut er war, viele kamen weiter als ich und waren sauber, dies zeigte wie gut sie waren. Das muss ich betonen, ich will nie behaupten, dass ich mein Potential im Rückblick überschätze. Viele Typen kamen sauber weiter als ich, es geht nicht nur um Doping. Aber war eine Karriere wie diese möglich? Absolut. Mit ein bisschen Glück hätte ich es geschafft, aber es gab wie gesagt andere Grenzen. Aber hätte ich eine Karriere gehabt wenn ich gedopt hätte? Ganz sicher. Besonders jemand wie ich mit einem Hämatokritwert um die 30, manchmal um die 40. Der Bereich für Verbesserungen, Vaughters spricht oft darüber, ist dabei sehr groß. Ich hätte sehr gut auf Doping reagiert, besser als jemand, der mit um die 48 oder 49% fährt. Wenn jemand behauptet, dass man aus einem Esel kein Rennpferd machen kann – man kann es unter bestimmten Voraussetzungen. Manche Leute profitieren mehr vom Doping als andere. Es ist kein faires Spiel. Auch wenn alle dopen ist es dies noch nicht.

Was würdest du in Zukunft gerne sehen? Denkst du, dass eine Herangehensweise wie Schuld und Sühne funktionieren würde?

Ich mag die Idee. Ich denke dass man im Kopf behalten muss, dass der Radsport nichts besonderes ist. Es gibt nichts extra-schmutziges im Radsport. Es sind immer noch nur Menschen. Wenn wir zur selben Zeit in Immobiliengeschäften oder Bankwesen tätig wären, Teil einer Gewerkschaft wären oder Bauarbeiter wären, müssten wir mit der Korruption und den Unfairness umgehen, in welchem Bereich auch immer. Radsport hat manchmal einen zu schlechten Ruf wie ich finde, und ich weiss, dass ich dir damit nichts neues sage, aber wir versuchen sehr, diesen Sport sauber zu bekommen, mehr als in anderen Bereichen. Verusucht College Football sein Dopingproblem in den Griff zu bekommen? Nein, tut es nicht.

Also eine Art Schuld und Sühne-Herangehensweise würde, wie ich finde, helfen, da ich glaube, dass es uns dabei helfen würde zu verstehen, was passiert und wie man das Problem löst. Ich weiss, dass sich Leute nicht mit der Vergangenheit beschäftigen wollen aber wir können nicht verhindern, dass es wieder passiert, wenn wir nicht wissen was vor sich ging. Ich glaube also, dass einerseits Leute wie Vaughters in diese Position kamen aufgrund von Doping in ihrer Vergangenheit, ob sie erwischt wurden oder nicht, der Unterschied ist, dass er darüber nachdenkt wie man es wieder gut macht. Wie machst du die Schäden wieder gut im Tausch für den Erfolg den du hattest? Und einer der wenigen, die dies gerade tun ist Vaughters. Kritisiere ihn wie du willst, Vaughters versucht das Problem zu lösen, zu dem er vorher selbst beigetragen hat. Er repariert die Schäden offensichtlich und sorgt dafür, dass junge Fahrer wie Andrew Talansky nie vor der Entscheidung stehen, die Vaughters und viele in meiner Generation treffen mussten.

Was ist mir den Leuten die geoutet wurden und nie etwas zugegeben haben, wie Danielson und die Anderen. Und dann gibt es die Coaches, Trainer, Sportlichen Leiter – all die Leute, die noch immer im Sport tätig sind, die eventuell nichts mehr dergleichen machen aber nie ins Reine kamen. Sollten sie es zugeben? Es ist eine komplexe Situation.

Ja. Ich glaube es gibt einen Unterschied zwischen Fahrern die gedopt haben und Leuten, die ihnen ermöglicht haben zu dopen. Ich brächte mehr Zeit darüber nachzudenken. Meine erste Reaktion wäre, wenn du in dieser Zeit ein Coach warst und Doping ermöglicht hast, Produkte geliefert hast, warst du ein Krimineller. Das ist kriminelles Verhalten und ich glaube nicht, dass die Leute in diesem Sport bleiben sollten.

Eins der größten Probleme, die ich mit Tyler’s Situation habe ist, dass er vom Sport ausgeschlossen ist und dass diese Sperre eigentlich auch das Coaching mit einschliesst. Er darf nicht als Manager tätig sein, als Mechaniker, als Coach und sowieso nicht als Fahrer. Dies wird, im Gegensatz zu Europa, in den USA nicht richtig durchgesetzt, da du als Coach keine Lizenz brauchst, um in deinem Verband zu coachen. Ich will nicht, dass Tyler ein furchtbares Leben führt, ich denke mehr und mehr dass diese Leute auch nur Menschen sind, ich will, dass sie sich von dem Schaden erholen, den sie sich selbst und anderen zugefügt haben und dass sie eine Art von Frieden finden. Von aussen sieht es aus, als ob Tyler angekommen ist und das freut mich für ihn, ganz ehrlich. Ich wünsche solchen Leuten nichts böses, ich will nur, dass sie Verantwortung übernehmen. Im Grunde bedeutet seine Sperre, dass er nicht coachen darf und damit verdient er gerade seinen Lebensunterhalt. Also profitiert er im Grunde finanziell von dem Doping in seiner Vergangenheit. Und warum gilt er als jemand der dazu qualifiziert ist anderen Trainingstipps zu geben? Nun, weil er jemand ist, der auf hohem Level gefahren ist und dort viel über Rennen erfahren hat. Wie kam er auf dieses Level? Durch Doping. Also profitiert er noch immer, er ist ein beliebter Coach als Resultat aus den Erfahrungen, die er im Radsport gemacht hat, welche er durch das Doping erreichte. Meiner Meinung nach verstösst er gegen die Grundidee seiner Sperre. (Pause). Und damit habe ich offensichtlich ein Problem.

Die Fans betrifft es auch. Jedes Mal wenn du eine herausragende Leistung siehst, denkst du „hmmmm“ und das ist sehr schade.

Oder etwas unglaubliches. Ich habe die Vuelta gesehen und ein paar unglaubliche Leistungen gesehen und musste erstmal tief durchatmen. Selbst ich muss tief durchatmen und sagen: das war unglaublich. Wenn etwas unglaublich ist bin ich nicht sicher, ob ich es glauben soll oder nicht. Aber noch schlimmer Lyne, wenn ich auf einer Trainingsausfahrt bin und einen Hobbyfahrer sehe der 25 km/h fährt und ich gerade Tempo fahre und ihn mit 37 km/h überhole, habe ich das Gefühl, dass ich verurteilt werde. Dass ein Hobbyfahrer mich, den Profi, sieht und ihn mit 10km/h mehr überhole und er denkt sich „diese Arschlöcher sind alle auf Drogen“.

Das habe ich öfter gehört. Alle Profi Radsportler sind gedopt.

Wir waren auf einem Cyclocross Trainingsrennen am Mittwoch Abend in einem Park und dort gab es in der Mitte eine Rollbahn auf der ein paar Typen Bike Polo spielten. Als wir unser Rennen veranstalteten, wurden wir von den Jungs als Doper beschimpft. Natürlich waren sie alle am Kiffen und Trinken während sie spielten, also waren sie im Grunde Doper und ich fand es nicht wirklich lustig. Warum haben sie uns angemacht? Da hat mich genervt. Es betrifft uns alle.

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