Rückblick: 1. Etappe der Tour de France 2005 – Einzelzeitfahren

Rückblick: 1. Etappe der Tour de France 2005 – Einzelzeitfahren

Die erste Etappe, der Prolog der Tour de France 2005 ist es aus mehreren Gründen würdig in den Rückblick aufgenommen zu werden. Es sollte Lance’s letzte Tour werden, zumindest hatte er das bis zum Jahr 2009, als er vom Rücktritt zurücktrat, so geplant. Die ganze Radsportwelt war gespannt und fragte sich, ob er es zum siebten Mal schafft die große Rundfahrt zu dominieren. Vielleicht greift ja endlich Ulle wieder an? Oder ein Anderer tritt aus seinem Schatten hervor? (mehr …)

Profi Portrait: Jens Voigt

Profi Portrait: Jens Voigt

Tour de France 2010: Jens Voigt platzt auf der Abfahrt der 16. Etappe von Bagnères-de-Luchon nach Pau der Vorderreifen. Der unvermeidliche Sturz resultiert in mehreren Rippenbrüchen und tiefen Schnittwunden im linken Arm. Jens steht auf, sieht das Fahrrad und denkt zuerst: das Rad ist hin, wie beende ich die Etappe?

Tour of California 2011 – Foto: mnorri (Flickr) CC-BY-NC-SA

Der Teamwagen war längt weg, auch das Auto mit den Ersatzrädern war vorbeigezogen. Der Besenwagen stand bereits neben ihm aber er weigerte sich einzusteigen. Zufällig fuhr gerade ein Transporter vorbei, welcher eigentlich Fahrräder für Kinder bereitstellt; Jens Voigt leiht sich ein viel zu kleines gelbes Rad mit Korbpedalen und fährt weiter. Währenddessen drückt sein Teamchef Bjarne Riis einem Polizisten am Wegesrand das Ersatzrad in die Hände. Jens fuhr letztendlich 20km auf einem Kinderrad, mit dem Ziel Paris vor Augen. (mehr …)

Die Abhängigkeit der Teams von Sponsorengeldern

Die Abhängigkeit der Teams von Sponsorengeldern

Dieses Thema ist jede Saison wieder aktuell, da es in der Regel kaum Teams gibt, welche ihre Teamnamen länger als 2 Jahre beibehalten. Radsport ist teuer: ein Manager muss zuerst Einmal ca. 16 Millionen Euro auftreiben, um eine ProTeam Lizenz zu erhalten und in diesem Umfeld wettbewerbsfähig zu sein. Sponsoren verpflichten sich vertraglich oft nur für ein paar Jahre, viele machen ihre Zahlungen und Verpflichtungen von Erfolgen abhängig. Wenn sich dann so ein Super-GAU wie der Fuentes-Skandal anbahnt, kündigen einige Sponsoren aus Angst vor einem Imageschaden ihre Veträge oder verlängern sie nicht. So geschehen beim Team T-Mobile, welches sich später fast von Grund auf umgekrempelt zu HTC-Columbia transformierte oder Team Discovery Channel, aus dessen organisatorischen Grundgerüst um Lance Armstrong und Johann Bruyneel zwei Jahre später Team Radioshack entstand.

Team Leopard Trek existierte nur eine Saison – Foto: Cindy Trossaert (Flickr) CC-BY-NC

Ungewöhnlich sind dieses Jahr die zahlreichen Fusionen von großen Teams, welche das gesamte Peloton neu sortieren und vor einige Probleme stellt. Eine Fusion führt dazu, dass es zu viele Fahrer, Masseure, Techniker und die doppelte Anzahl an Mitarbeiter gibt, die sich teilweise nach neuen Jobs umsehen müssen. Zum Beispiel wurde der zwei-Jahres-Vertrag von Fabian Wegmann durch die Fusion seines Teams mit Radioshack mehr oder weniger nichtig, sodass er relativ spät in der Saison ohne Team da stand, jedoch letzten Endes bei Garmin-Cervélo unterkam. Verschiedene Fahrer mit den selben Ambitionen (z.B. Sprinter mit Ziel, bei der Tour de France zu starten und Etappen zu gewinnen) müssen sich innerhalb eines fusionierten Teams neu arrangieren und beweisen. Sie werden entweder zu Anfahrern oder Domestiken degradiert oder starten bei „beschissenen kleinen Rennen“ – wie Mark Cavendish einst über Sprinter- und HTC-Columbia Teamkollege Andre Greipel sagte. (mehr …)

Radsport in Deutschland im Jahr 2012

Radsport in Deutschland im Jahr 2012

Wann hörten die Leute in Deutschland auf sich für Radsport zu interessieren? Wann erreichte der Radsport in Deutschland seinen Tiefpunkt? Da der moderne Radsport in Deutschland seine besten und schlimmsten Zeiten mit Jan Ullrich erlebte, ist diese Frage eng mit seiner Person verknüpft.

Der Kaiser und der deutsche Radsport-Boom

Ulle mit typischem Radfahrer Ellenbogen, im Hintergrund Andi Klöden mit Kahnbeinbruch im rechten Handgelenk – Foto: ReneS (Flickr) CC-BY

Ulle war jahrelang Posterboy der deutschen Radsportszene, nach seinem Toursieg im Jahr 1997 herrschte in Deutschland ein Boom, vergleichbar mit dem Wimbledon-Sieg von Boris Becker, welcher viele Leute plötzlich dazu bewog einem Tennisverein beizutreten.

Neun Jahre später, im Jahr 2006, sollte Jan Ullrichs Comeback folgen, Lance Armstrong ging (das erste Mal) in Rente und Ulle war in Topform. Doch nachdem seine Verstrickungen in den Fuentes-Skandal öffentlich wurden, bekam er noch vor Beginn der Tour von der UCI ein Startverbot. Ein bei einer Razzia in der Klinik des ursprünglichen Gynäkologen Fuentes gefundener Blutbeutel konnte ihm später nach DNA Analysen eindeutig zugeordnet werden. Nach BKA Ermittlungen hatte Jan Ullrich den „Dopingsarzt“ Eufamio Fuentes in den Jahren 2003 bis 2006 insgesamt 24 Mal besucht. Das Zivilverfahren, welches das Team T-Mobile gegen ihn führte wurde zwar eingestellt, der internationale Sportsgerichtshof CAS ermittelte jedoch weiter. (mehr …)

Warum rasieren sich Radsportler die Beine?

Warum rasieren sich Radsportler die Beine?

Ja warum eigentlich nicht? Wie sieht das denn aus: haarige Beine in engen Shorts…

Von der Ästhetik mal abgesehen; es hat einige Vorteile, sich als Profirennfahrer die Beine zu rasieren. Auch als ambitionierter Hobbyradsportler gelten glatte, braune Beine als Statussymbol, jede Krampfader ist ein Zeugnis für das bereits durchgestandene Leiden auf dem Rad und die hart erarbeiteten Muskeln kommen einfach besser zur Geltung. Ausserdem gehört es einfach dazu. Du hast ein teures Rad, die schönste Uniform aber haarige Waden? Bei deiner nächsten Tour durch den Deister werden dich alte Männer auf Rädern wahrscheinlich auslachen. (mehr …)

Wie man den Galibier bezwingt – Fahrtechnik am Berg

Wie man den Galibier bezwingt – Fahrtechnik am Berg

Das Hauptfeld hält in der Regel eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40km/h in einer Bergetappe, wie ist das überhaupt möglich?

Egal ob dieses Jahr die Tour de France halt macht in Alpe d’Huez, am Tourmalet oder den höchsten Berg der Tourgeschichte – den Galibier; um dem Besenwagen zu entkommen, sollte man sich bestimmte Techniken aneignen:

Galibier 1991 – Foto: Steve Selwood (Flickr) CC-BY-ND-SA

1. Sitzen bleiben

Im Stehen verbraucht ein Fahrer 12% mehr Sauerstoff und der Puls erhöht sich um 8%. Soviel zu den harten Fakten: im Stehen fahren ist unnötige Energieverschwendung. Man sollte versuchen die Ellenbogen (die Hände mittig am Lenker halten) zu entspannen und den Rücken gerade zu halten, damit das Atmen einfacher fällt. Je mehr dein Oberkörper sich bewegt, desto offensichtlicher ist es für deine Gegner, dass du am Limit bist; Lance Armstrong würde dir seinen berühmten „Look“ geben und eiskalt attackieren. Etwas zu wippen hilft trotzdem dabei, deinen Rhythmus beizubehalten. (mehr …)

Radfahrertypen

Radfahrertypen

Wie ihr wisst ist Radsport der härteste Sport der Welt – eventuell teilt er sich die Ehre mit den Ruderern (oder jeglicher Sportart, die der geneigte Leser dieses Artikels zuletzt aufgegeben hat?). Dieser Sport und die Anstrengungen einer großen Rundfahrt werden notorisch unterschätzt. Aber um das zu begreifen, ist es wichtig zu wissen, was ein Radsportler mitbringen muss um große Touren zu bestreiten und was sein Körper während einer großen Rundfahrt aushält.

Zuerst muss man zwischen Radfahrertypen unterscheiden, zum Beispiel basierend auf den Trikots der Tour de France: der Sprinter (Anzahl gewonnener Etappen: grünes Trikot), die Bergziege (Punktewertung: gepunktetes Trikot), der Allrounder (Sieger der Zeitwertung / Gesamtsieg: gelbes Trikot), und zu guter letzt der Zeitfahrspezialist, oft Fahrer, welche auf Gesamtsieg fahren und viel Zeit bei Zeitfahretappen gut machen können.

Ein Allrounder ist in der Regel auch ein guter Bergfahrer, da man die Tour nur gewinnen kann, wenn man in den Bergen seine Stärken ausspielt. Deshalb fassen wir diese beiden Fahrertypen zusammen: (mehr …)

Wie erledigen die Fahrer ihre Notdurft?

Wie erledigen die Fahrer ihre Notdurft?

Dies ist wahrscheinlich die am meisten gestellte Frage zum Thema Profiradsport. Kurioserweise interessiert es viele Leute, wie man während Etappen mit Distanzen zwischen 150 und 250 Kilometern seine Blase entleert, ohne sich bei 50km/h (Durchschnittsgeschwindigkeit bei Flachetappen) erheblich zu verletzen, den Anschluss verliert oder sich anzupinkeln. Letzteres kann ein Profiradfahrer oft nicht vermeiden, vor allem wenn er oder seine Mitfahrer gegen den Wind agieren.

Pinkelpause im Peloton - Szene aus 'Höllentour'

Zwar trinken die Fahrer jede Stunde zwei bis drei Flaschen, also 1,5 bis 2 Liter pro Stunde, allerdings schwitzen sie pro Stunde auch um die zwei Liter an Flüssigkeit wieder aus. Dementsprechend hält sich der Druck eher in Grenzen. Pinkelpausen gibt es daher oft zu Beginn einer Etappe, größere Gruppen halten dann gemeinsam an, meistens ausgelöst durch den Gesamtführenden. Wenn dieser anhält, wird fairerweise nicht attackiert, sondern die Zeit genutzt. (mehr …)