Legendäre Teams und Trikotdesigns: Teil 1 – Team Peugeot: 1901 – 1989

Als der Autohersteller Peugeot im Jahr 1986 bekannt gab seine Aktivitäten im Radsport aufgeben zu wollen, endete mit dem Team Peugeot die älteste und traditionsreichste Equipe seit Beginn des professionellen Radsports. Die Geschichte von Peugeot ist eng mit der französischen Geschichte verwoben und überdauerte zwei Kriege sowie zahlreiche Coups d‘ Etat. Das Team Peugeot gilt mit seinen insgesamt 10 Tour de France Siegen und zahlreichen Podiumsplatzierungen als das erfolgreichste Radsportteam des 20. Jahrhunderts. In diesem ersten von zwei Artikeln beleuchten wir die frühe Geschichte des Teams – von den bescheidenen Anfängen ihrer Gründer in der Region Franche-Comté, über legendäre französische Champions der frühen Tourjahre, bis zum ersten Auftritt des „Kannibalen“, Eddy Merckx.

Peugeot und deren Markenzeichen bis heute: der Löwe

Frühe Peugeot Fahrer, ca. 1949

Die Firma Peugeot machte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts zuerst einen Namen mit der Herstellung von Fahrrädern, bevor es in späteren Jahren parallel dazu Autos entwickelte. Im Jahr 1882 begann der ursprüngliche Stahlverarbeiter und Wassermühlenhersteller Jean Pequignot Peugeot Fahrräder in Handarbeit herzustellen und benutzte den Löwen als Emblem. Der Löwe, bereits seit 1858 das Markenzeichen der Firma, symbolisierte „Ausdauer, Geschmeidigkeit und Schnelligkeit“, aber auch Aggressivität. Im Jahr 1901 entschied sich die Firma dafür, zwei italienische Radfahrer professionell zu unterstützen – zwei talentierte Kletterer, welche nun per Vertrag an Peugeot gebunden waren und die Stein ins Rollen brachten. Die beiden trugen den Namen der Firma auf ihren Wolltrikots durch ganz Europa, eine gelungene frühe Marketingstrategie. Weitere Fahrer wurden verpflichtet und die ersten Erfolge stellten sich ein.

Hippolyte Aucouturier, auch bekannt als „Le Terrible“ gewann im Jahr 1904 Paris-Roubaix, dies war der erste große Sieg für Peugeot. Die Tour de France, damals noch ein Rennen in denen die Fahrer in Nationalteams gegeneinander antraten, fand in diesem Jahr erst zum zweiten Mal statt und umfasste nur sechs Etappen in 21 Tagen, wovon „Le Terrible“ vier mit Peugeot gewann. Seinen vierten Gesamtplatz verlor er jedoch wegen „unerlaubter Benutzung von Autos und Zügen“. Bei durchschnittlich 404km zu fahrenden Kilometern und knapp 16 Stunden pro Etappe nahmen viele Fahrer diese praktischen Hilfsmittel in Anspruch – sehr zum Missfallen der Veranstalter. Es gab keine Begleitautos oder Kameras, schummeln war für die Fahrer daher sehr einfach, wurde allerdings hart bestraft.

Lucien Petit-Breton und sein Peugeot Rad

Ein Jahr später gewann Louis Tousselier mit der Unterstützung von Peugeot die Tour und Hippolyte Aucouturier wurde Zweiter. In den folgenden drei Jahren dominierten Fahrer auf Peugeot Rädern die Tour de France, der Bekannteste davon war Lucien Georges Bazan, besser bekannt unter dem Namen Lucien Petit-Breton (der kleine Bretone) mit seinem Doppelsieg in den Jahren 1907 und 1908. Später, 1913 und 1914 stand wieder ein Fahrer für Peugeot oben auf dem Siegertreppchen: der Belgier Philippe Thys lieferte sich in beiden Jahren ein spannendes Duell mit seinen französischen Teamkollegen Petit-Breton und Henri Pelissier. Lucien Petit-Breton starb im Jahr 1917 während des ersten Weltkrieges an der Ardennenfront und wurde nur 35 Jahre alt, er legte den Grundstein des Erfolgs für Peugeot und war der erste Doppelsieger der Tour.

Während des ersten Weltkriegs kam die Grande Boucle zum ersten Mal zum Stehen, sie fand zwischen 1915 und einschließlich 1918 nicht statt. So auch in den Jahren 1940 bis 1946, in denen Frankreich sich von der deutschen Besatzung und der Spur der Verwüstung, welche der Krieg hinterließ, erholen musste. Verständlicherweise wurde in der ersten Austragung im Jahr 1947 das deutsche Nationalteam gar nicht erst eingeladen. Das italienische Team bestand zudem ausschließlich aus Franco-Italienern, da sich Frankreich und Italien noch offiziell im Krieg miteinander befanden.

Tom Simpson

Nachdem Firmin Lambot die Tour im Jahr 1922 auf einem Peugeot Rad gewann, wurde es ruhiger um die Equipe. Von 1925 bis 1955 trug das Team den Namen Peugeot-Dunlop, bevor 1956 British Petrol als Co-Sponsor dazukam. Der Sohn von Lucien Petit-Breton, Yves, wurde in diesem Jahr sportlicher Leiter des Teams. Ab 1958 konnte Peugeot-BP große Namen für sich gewinnen, darunter Charly Gaul, Walter Godefroot, Eddy Merckx und Tom Simpson, dem ersten Briten bei der Tour de France, welches Leben ein tragisches Ende nahm, als er im Jahr 1967 bei einer höllisch heißen Etappe am Mount Ventoux bei 42°C, lebensgefährlich dehydriert vom Rad fiel.  Er starb im Krankenhaus von Avignon offiziell an einer Herzattacke, jedoch wurden in seinen Trikottaschen Ampullen mit Amphetaminen gefunden; sein Teamleiter steckte ihm die Drogen zu, als der Ventoux in Sichtweite war. Der Tod von Tom Simpson war der erste Dopingskandal der Tour de France, als Resultat folgten die ersten Dopingkontrollen.

Ein sehr guter Freund von Tom Simpson, Eddy Merckx, wechselte in deinem zweiten Profijahr zu Peugeot und gewann in den zwei Jahren, in denen das Team ihn und seine Gehaltsforderungen halten konnte, zwei Mal Mailand-San Remo und den Flechè Wallonne, sowie seine ersten Straßenmeisterschaft im Jahr 1967. Merckx wechselte zum Team Faema, mit einem italienischen Kaffeemaschienenhersteller als Hauptsponsor, wo er seine Reifen und Schläuche nicht mehr selbst bezahlen musste.

Eddy Merckx, bevor er im Jahr 1967 das Weltmeistertrikot gewann

Das berühmte Peugeot Trikot mit dem Schachbrett-Rennflaggenmuster, in dem sowohl Tom Simpson als auch Eddy Merckx fuhren, feierte seine Premiere im Jahr 1963. Das Muster, schwarze Kästchen auf weissem Grund, wurde gezielt ausgewählt, um das Trikot vom Rest des Pelotons abzuheben, vor allem vor den damaligen Schwarz-Weiss Fernsehern war das Trikot für die Zuschauer gut sichtbar. Die Fahrer der verschiedenen Nationen trugen bei der Tour ihre Nationalflaggen auf den Schultern und oft Trikots in verschiedenen nationalen Farbvariationen. Auch auf den Peugeot Rädern ist bis heute noch mindestens ein Schachbrettdetail zu erkennen. Die Grundidee des Designs wurde bis zur Auflösung des Teams beibehalten.

Die Tour de France wurde im Jahr 1969 endgültig für gesponsorte Teams geöffnet, das bedeutete das Ende der Nationalteams. Die Farben der Wolltrikots wechselten von den nationalen Farben mit einem Schriftzug des Sponsors zu einheitlichen Teamfarben, in dem die Equipe gesammelt auftrat – was die Publicity für ihren Geldgeber deutlich erhöhte. Die Fahrer arbeiteten nun für ihren Teamleader und nicht mehr unbedingt für einen Landsmann.

Im zweiten Teil der Geschichte von Peugeot folgen die 70er und 80er Jahre, in denen die Briten Phil Anderson, Robert Millar, Stephen Roche und Sean Yates das französische Team mit ihrem angelsächsischen Einfluss zu mehreren Siegen verhalfen und letztendlich auch die Globalisierung des Sports vorantrieben.

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