Interview: Gerald Ciolek über Teamkommunikation

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Pismo Beach ist eine wunderschönes, hügeliges Städtchen am Rande des Highway 101 auf dem Weg nach Los Angeles. Die vierte Etappe der Tour of California startete hier und endete in Avila Beach, ein ebenso schönes, kleines Surferparadies etwas weiter die Küste hinunter.

Nach der traditionell leidenschaftlich vorgetragenen Nationalhymmne begannen die Fahrer die Etappe auf dem Pismo Beach Pier und ich meine Fahrt nach Avila Beach. Auf dem Weg zum Auto sprach mich ein Typ auf Deutsch an: „Ist Gerald krank?“  – das braungebrannte Gesicht erklärte mir später, dass er in Pismo studiert und ich gab ihm, etwas neidisch über seinen Studienort, meine Visitenkarte. Anscheinend hatte er gesehen, wie ich mich vor dem Start mit Gerald Ciolek unterhalten hatte. Dabei habe ich ihn gar nicht zum Rennen befragt, auch weil er, wie der Student schon vermutet hatte, noch eine Bronchitis auskuriert. Ciolek schien recht dankbar: „Mal etwas andere Fragen!“ sagte er nach dem Interview, welches sich hauptsächlich um Kommunikation im Team MTN Qhubeka und seinem vorherigen Team, Omega Pharma-QuickStep drehte.

Meine Bachelorarbeit wird sich um Kommunikation in internationalen Teams drehen. Ich finde diese Interviews liefern interessante Erkenntnisse, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Seit zwei Jahren fährst du nun bei MTN Qhubeka. Gibt es im Team noch Missverständnisse oder Kommunikationsprobleme aufgrund der Internationalität im Team?

Ciolek: Klar ist es einfacher in einem Deutschen Team zu fahren und seine Muttersprache zu sprechen, aber man gewöhnt sich auch relativ schnell an die Englische Sprache. Es ist schon besser wenn es, wie bei uns, eine gemischte, englischsprachige Mannschaft ist, als wie bei QuickStep, in der hauptsächlich Niederländisch gesprochen wird.

Welche Sprachen sprichst du eigentlich?

Ciolek: Deutsch und Englisch. Man wird doch immer auf Englisch angesprochen, ich war nie gezwungen eine andere Sprache zu lernen. Aber die Unterhaltungen unter den Fahrern fanden bei QuickStep hauptsächlich auf Niederländisch statt.

Gab es dadurch Probleme oder Missverständnisse?

Ciolek: Eigentlich nicht, nur ist es innerhalb des Teams natürlich schwieriger, Anschluss zu finden.

Wie kommunizierst du mit dem Sport Direktor? Ist das Ausführlich oder eher kurz und knapp?

Ciolek: Wir nutzen eigentlich alle Kommunikationswege. Der Umfang der Besprechungen kommt immer auf die Person an, jeder Sport Direktor hat seine eigene Art, wie er mit den Fahrern kommuniziert. Es kommt auch auf die Situation an – manche Themen nehmen mehr Raum ein, grundsätzlich ist es aber eher eine knappe Angelegenheit. 

Wie ist der Kontakt zwischen dir und MTN Qhuebeka entstanden?

Ciolek: Das lief über meinen Manager. Es ist am Ende doch eine kleine Welt im Radsport – wer kennt wen, welcher Typ wird gebraucht…

Redest du auch selbst mit dem Team Management? Was sind eure Themen?

Ciolek: Klar, unser Manager [Brian Smith] ist ja auch oft mit vor Ort. Unsere Gesprächsthemen sind häufig auch Belanglosigkeiten. Aber wenn es mal Probleme gibt oder etwas nicht läuft wie er sich das vorstellt, spricht er das auch direkt bei den Fahrern an. 

Habt ihr einen Kommunikationsleitfaden für den Umgang mit Presse, Fans und Sponsoren?

Ciolek: Es gibt ein paar Vorgaben bezüglich der Message unseres Projekts Qhubeka, die wir als Team vertreten und vor der Presse auch hervorheben möchten. Da es sich um ein wohltätiges Projekt handelt, gibt es natürlich ein paar Vorgaben oder Empfehlungen.

Im Vergleich zu anderen Fahrern bist du selbst gar nicht so aktiv auf deinen Social Media Kanälen, wie kommt das?

Ciolek: Stimmt schon, ich bin jetzt nicht der Typ der jeden Tag sein Frühstück und Abendessen postet (lacht)

Habt ihr dahingehend Vorgaben, werdet ihr vom Sponsor dazu angehalten, aktiver zu sein?

Ciolek: Es ist schon erwünscht, dass man viel auf Social Media macht, es geht bei uns aber weniger um den Sponsor, sondern mehr um das Projekt, gerade wenn bestimmte Aktionen gestartet werden. Gerade haben wir das Ziel, Geld für 5000 Räder zu sammeln, um Afrikanische Schüler mobiler zu machen. Dies bringen wir natürlich öfter auf Twitter oder Facebook zur Sprache.

Hast du denn viele Sponsoren-Events, bei denen du mitmachst? Welche sind das?

Ciolek: Ja, aber das hält sich in Grenzen. Das können ganz unterschiedliche Sachen sein, Autogrammstunden, Fototermine oder einfach vor Ort dabei sein. Vor zwei Wochen waren wir auf einer Autoshow, bei dem unser Radsponsor Cervélo involviert war. Die wollten einen Fahrer da haben. Dann fährt man halt da hin und zeigt Anwesenheit, das gehört zum Job dazu. 

Gab es diesbezüglich Unterschiede zu QuickStep? Ihr hattet ja zum Beispiel das jährliche Fotoshooting mit den Kissen..

Ciolek: Das sind so Aktionen die man immer mal macht, bei Milram posierst du halt mit einer Milchtüte und bei QuickStep war es der Matratzensponsor, wegen dem wir das Fotoshooting mit den Kissen hatten. Das war immer auf den jeweiligen Markt und Sponsor ausgerichtet. 

Was siehst du als größten Unterschied zwischen, in deinem Fall, Europa und Südafrika in Sachen Kommunikation, Teamstimmung und den Rennen?

Ciolek: Klar gibt es kulturelle Unterschiede aber das sind Kleinigkeiten. Gerade die Afrikaner im Team sehen Zeiten und Termine etwas gelassener, aber das Gesamtkonzept des Teams ist so international geprägt, dass die Unterschiede nicht mehr so groß sind. Das Renngeschehen passiert eh zu 95% in Europa, unsere Helfer kommen aus Europa, daher gibt es kaum Unterschiede. 

Danke und viel Erfolg!

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Zum Einstieg hatte ich mir die Deutschen Fahrer ausgesucht, wobei Ruben Zepuntke mir interessante Einblicke in die Kommunikation bei Cannondale-Garmin lieferte. Mehr dazu in den nächsten Tagen!

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