Essentielle Fragen

Hier werden grundlegende Fragen zum Thema Profiradsport beantwortet. Gibt es ein Thema welches euch interessiert? Schreibt uns unter mail (at) goldene-speichen.de!

Über eine eventuelle Rückkehr von ARD & ZDF zur Tour de France

Über eine eventuelle Rückkehr von ARD & ZDF zur Tour de France

oeffentlrechtl_2014Seit der Tour de France 2011 und der Auflösung der deutschen Teams T-Mobile, Gerolsteiner und Milram hat kein öffentlich-rechlichen Sender mehr von der Tour de France berichtet. Nun interessieren sich das Fernsehen vermehrt für die sympathischen neuen deutschen Radsportprofis und es gibt Gerüchte über ein Comeback. Was würde eine Rückkehr der größten deutschen Sender für den Sport bedeuten, ist das Interesse überhaupt noch vorhanden und wie sollten ARD und ZDF das Programm im Sinne der Fans gestalten?

Die Aufmerksamkeit wurde hart erarbeitet

Nicht nur die Etappensiege und Gesamterfolge deutscher Profis und Teams bei der letzten Tour de France zeigen, dass sich Radsport in Deutschland hervorragend vermarkten lassen könnte. Marcel Kittel, Andre Greipel und Tony Martin gewannen zusammen sieben Etappen, das deutsche Team NetApp-Endura stand durch eine Wildcard-Einladung als erstes deutsches Team seit 2010 am Start, deren Fahrer Leopold König, ein Tscheche, schaffte es sogar auf den siebten Rang der Gesamtwertung.

Auch wenn Ulle’s Karriereende bereits sieben Jahre zurückliegt, entspricht sein magentafarbenes Team das erste Bild in den Köpfen der Deutschen beim Stichwort Profiradsport. Seitdem hat jedoch eine neue Generation längst den Großteil der “Helden” abgelöst. Auch finden, mit argwöhnisch betrachteten Ausnahmen, immer weniger Ex-Doper den Weg zurück in den Sport über Management- und Leiterrollen. Die heutigen, jungen Talente verdanken ihre Erfolge auch dem Abgang einer verlorenen Generation, sie konnten sich über die vielen Unkenrufe hinweg behaupten und haben es verdient, sich Gehör zu verschaffen.

  • Der Jedermann-Boom als Vermarktungsinstrument

Die Deutschen stehen dem Radsport durchaus aufgeschlossen gegenüber, zumindest wenn es um den Jedermannsport geht. Insgesamt 4000, meist ausgebuchte Startplätze gibt es beim wohl härtesten Jedermannrennen in Österreich, dem Ötztaler Marathon durch das Ötztal und das Tiroler Mittelgebirge. Über 20.000 Anmeldungen erreicht das größte deutsche Jedermann-Event, die Vattenfall Cyclasics in Hamburg. Deutschland ist für Sponsoren ein unheimlich wichtiger Markt, der jedoch durch die vielen Skandale und das geringe Medieninteresse kaum erschlossen werden kann.

Einerseits kann man nicht automatisch vom Erfolg des Jedermannsports auf ein potentiell hohes Interesse am Profiradsport schließen, abwegig ist es dennoch nicht. Der Radsportboom in Deutschland wurde von Jan Ullrich ausgelöst, unter völlig neutralen Gesichtspunkten kann auch ein Jedermann-Boom ein Interesse am Profiradsport wecken.

  • Ein ziemlich deutsches Problem

ZDF_Tour2011In der Neutralität liegt jedoch das Grundproblem: der Profiradsport in Deutschland ist wie in keinem anderen Land so mit negativer Aufmerksamkeit belegt, die Deutschen sind ausgesprochen nachtragend und begegnen dem Sport voreingenommen und in vielen Foren und Kommentarspalten mit blankem Hohn. Ehemalige Fans ziehen über den Radsport her, als hätte Jan Ullrich ihnen persönlich ans Bein gepinkelt.

Dazu kommt, dass wenn etablierte deutsche Medien schon vom Radsport berichten, oft ein zynischen, flapsigen Unterton und eine nachlässige Recherche dazukommt. Der Fokus liegt dabei auf den “schwierigen” Teams und vernachlässigt dabei, was im Großen und Ganzen drumherum eigentlich passiert. Während britische Medien von aufstrebenden, jungen Franzosen berichten, die bei der Tour 2014 die Plätze zwei und drei belegten, lässt sich die Süddeutsche Zeitung lieber über Alexandre Vinokurov und seinem Siegerteam Astana aus. Das ist kein investigativer Journalismus, das ist rückständig, kleingeistig und am Interesse der Öffentlichkeit vorbeigeschrieben. Und ja: ich bin sauer.

Wer heute Radsportfan ist, dem wird Naivität vorgeworfen, denn der Profiradsport dient noch immer als Aushängeschild für Doping in Ausdauersportarten. Wenn ein Fussball-Physiotherapeut wie Sven Rinke (1. FC Köln) zu Doping gefragt wird, antwortet er „Nutzen würde es bei der Regeneration und teilweise bei der Ausdauer. Aber Fußball ist nicht Radsport – da reichen auch viel Schlaf und ein guter Lebenswandel, um fit zu sein.“ Fußball ist natürlich nicht Radsport, aber im Radsport kann, anders als im Fußball, unverhältnismässiger Kortison- und Schmerzmittelgebrauch auch eine vierjährige Sperre mit sich ziehen.

Aber das Gejammer über die Reputation des Sports im Vergleich zu anderen Sportarten hilft nichts – es geht schließlich darum, die Einzigartigkeit des Radsports herauszustellen. Dazu gehören auch die zahlreichen Kontrollen und im Radsport vorhandenen Alarmmechanismen wie der Blutpass oder grundlegende Einschränkungen durch die No-Needle-Policy.

  • Doping nervt

Auch Lance’s Geständnis ist schon zwei Jahre her. Selbst neue Enthüllungen um Fahrer in zwielichtigen Teams verwundern Fans nicht – weil die meisten wissen und darauf vertrauen, dass es heute auch anders geht. Man könnte es auch mit jahrelang antrainiertem Zynismus erklären, aber die Tatsache, dass die Kontrollen funktionieren und noch immer positiv getestet wird, nimmt einem das flaue Gefühl beim Blick auf die Ergebnislisten.

Man kann ein Team mit einem klaren, sauberen Standpunkt auf die Beine stellen, welches dann die Giro d’Italia gewinnt, so gesehen bei Team Garmin-Sharp. Auch führen technische Neuerungen, viele viele Sponsorengelder und taktische Langweile zwei Jahre in Folge zum Sieg bei der Tour de France, wie bei Team Sky gesehen. Und wenn Lance den Fahrern eins gelehrt hat, ist dass sich Doping sich auf langer Sicht nicht lohnt – irgenwann kommt es zurück und beisst einem in den Hintern.

  • Näher an die Fahrer

MarcelKittel_ZDFInterviewDer Sender Eurosport verdient viel Respekt und unendlichen Dank dafür, dass er dem Radsport in diesem Ausmaß treu geblieben sind. Trotzdem gibt es noch so viel Potential, welches der Sender in der deutschen Fassung verpasst. Viele Fahrer äußern sich ohne PR-Einfluss des Teams frei auf Sozialen Medien wie Twitter und dies umfasst nicht nur lustige Einblicke von der Massagebank. Zwar halten sich die deutschen Profis in den Sozialen Medien eher zurück, geben sie dennoch aufschlussreiche Interviews und Kommentrare in Kanälen abseits von den großen Radsport-Printmedien.

Mittlerweile unterhalten die Videos der Teams nach dem Rennen fast mehr, als die eigentliche Live-Übertragung. Dabei zeigen uns der Erfolg der Teaminternen Videos, wie sehr Fans an einer näheren Berichterstattung interessiert sind. Und das ist sogar physisch gemeint: Livebilder vom Rennrad aus sind derzeit wohl technisch noch nicht möglich, aber die wohl spannendste Innovation der letzten Jahre. Eine Wiederholung des Sprints der Etappe des Vortages aus sich der Fahrer wäre dennoch ein großer Mehrwert für den Zuschauer.

Kommentatoren können stundenlange Übertragungen von Flachetappen nicht nur durch den Hinweis auf das architektonisch schöne Rathaus der nächsten Stadt aufpeppen – wie es den Fahrern geht, erfahren sie meist aus erster Hand, wenn sie nur mal hingehen und fragen. In kaum einer Sportart sind die Athleten zugänglicher und weniger abgeschottet als im Radsport. Anders als in anderen, PR-getrimmten Sportarten verschonen einem die meisten Radsportler zudem mit Floskeln, wenn man sie nicht gerade direkt nach Alpe d’Huez fragt, wie sich die Beine anfühlen.

Es stellt sich die Frage: wen verpflichten ARD und ZDF als Fachmänner? Wer sich ausgiebig mit dem heutigen Sport beschäftigt, kann die alten Gesichter einfach nicht mehr sehen. So unterhaltsam “Höllentour” auch war, Erik Zabel als Fachmann vor die Kamera oder vors Kommentatorenmikro zu holen wäre ein enormer Rückschritt und das absolut falsche Signal. Es würde so aussehen, als ob im Profiradsport alles beim alten geblieben ist und die Radsportberichterstattung die “Goldene Ära” glorifiziert. Ete hat dennoch immer ein Platz in unserem Herzen. Es sei denn er hat noch ein Geständnis vom Geständnis-Geständnis zu machen.

  • Hintergründe und Skurilles

Als langjähriger Fan verliert man schnell aus den Augen, dass viele Dinge für Neulinge interessant sein können, über die man sich selbst längst keinen Gedanken mehr macht. Nicht selten hört man von weniger Radsport-affinen Leuten die Frage, mit wie vielen Gängen die Fahrer eigentlich die Berge hochfahren oder wie man am Rennrad überhaupt schaltet. Auch scheint das Rätsel, wie man als Profi unterwegs die Blase entleert (nicht ohne Grund ist dieser Artikel der beliebteste dieser Website), eine unerklärliche Faszination auf den deutschen Fan auszuüben.

Aber auch Fragen darüber, wie viel die Sportler eigentlich essen und am Ende der Etappe wieder an Kalorien verbrannt haben kommen immer wieder auf und heben hervor, was die Fahrer während einer Rundfahrt eigentlich leisten.

  • Vom deutschen Blick abweichen

Es ist schön zu sehen, dass die deutschen Fahrer vermehrt in die Öffentlichkeit treten und vermehrt weniger doofe Fragen beantworten müssen. Die heutige Generation an Fahrern ist eloquent im Umgang mit den Medien und definitiv nicht auf den Kopf gefallen. Zudem kann sich heute keiner mehr leisten kein Wort Englisch zu sprechen (so wie damals Ulle), denn in den ausländischen Medien genießen deutschen “Stars” große Sympathien.

Die Fahrer kommen aus internationalen Teams und die Teamstruktur im Profiradsport ist zu komplex, um sich auf eine Fahrergruppe zu versteifen. Durch unsichere Sponsorengelder wechseln viele Teamnamen zudem regelmäßig und die Fahrer relativ häufig das Team.

Ein Fokus auf eine kleine Anzahl deutscher Fahrer oder auf ein bestimmtes Team weckt Erwartungshaltungen bei den Zuschauern und baut unnötigen, öffentlichen Druck auf. Jan Ullrich war nie ein Held und auch Jens Voigt fährt nur sehr gerne sein Rennrad. Es muss also ein gesunder Mittelweg zwischen Telekom-Hype und Fanpflege gefunden werden.

Trotzdem: der Weg, neue Fans vom Radsport zu begeistern, führt über die Fahrer. Wenn der potentielle Fan eine Sympathie für einen Sportler entwickelt, setzt er sich gerne mehrere Stunden vor den Fernseher, um ein Rennen zu verfolgen. Dieser Sportler muss nicht unbedingt Deutsch sprechen, um ihn für das deutsche Publikum interessant darzustellen.

Wieso ein Wiedereinstieg wichtig ist

Radsport finanziert sich ausschließlich aus Sponsorengeldern, es gibt kein Geld aus Ticketverkäufen oder Übertragungsrechten. Wenn die Sponsoren also ein großes Publikum erreichen, lohnt ein Investment in den Sport um so mehr. Ein geringeres Gefälle zwischen den Gehältern baut Druck ab, kann (!) zur Fairness des Sports beitragen und tut der gesamten Radsportbranche gut. Radsportfans zeigen sich dankbar: Umfragen haben ergeben, dass immerhin 38% der Radsportfans eher ein bekanntes Sponsoringprodukt kaufen, als ein gleichwertiges Produkt, dessen Namen nicht im Peloton zu sehen ist.

Es ist an der Zeit, dass die großen deutschen Sender wieder über das größte jährliche Sportevent der Welt berichten. Profiradsport ist schöner und sympathischer als noch vor vielen Jahren, gibt ihm eine zweite Chance. Schließlich habt ihr Andrea Kiewel auch eine gegeben.

Radrennen schauen für Anfänger: die Frühjahrsklassiker

Radrennen schauen für Anfänger: die Frühjahrsklassiker

“Radrennen sind langweilig”, “Da passiert ja stundenlang nichts”, “Ich gucke es nur wegen der schönen Gegend” – wer sich solche Aussagen des öfteren anhören müsste, darf diesen Artikel gern an Freunde und Verwandschaft weitergeben. Radsportjünger wissen, dass sich in einem Rennen mehr Action versteckt, als auf dem ersten Blick ersichtlich. Radrennen sind voll mit taktischen Manövern und auch wenn nur ein Fahrer gewinnen kann, ist es ein Teamsport durch und durch.

Die Taktik des Teams wird durch das Terrain des Rennens entschieden. Beginnen wir am Anfang des Jahres: bei den Klassikern

Auf welche Fahrer man achten muss

Klassikerspezialisten wie Tom Boonen haben von der Statur her wenig mit den Spinnenwesen der Tour de France Favoriten gemein (Foto: Brandan Ryan Flickr CC by NC SA

Klassikerspezialisten wie Tom Boonen haben von der Statur her wenig mit den Spinnenwesen der Tour de France Favoriten gemein (Foto: Brandan Ryan (Flickr) CC by NC SA

Eintagesklassiker wie Milan-San Remo oder Paris-Roubaix mit über 250 Kilometern Streckenlänge, die in der Regel innerhalb von sechs Stunden vorbei sind, verlangen den Fahrern, anders als z.B. bei Bergetappen, unterschiedliche körperliche Anforderungen ab. Typische Sieger (ausnahmen bestätigen die Regel) sind kräftig gebaute, breitschultrige Klassikerspezialisten wie Tom Boonen und Fabian Cancellara, deren Stärken man am Umfang ihrer Oberschenkel ablesen kann. Kurze, steile Anstiege auf unbequemen Untergrund (Kopfsteinpflaster), meistern solche Fahrer eher, als auf Ausdauer spezialisierte, eher dünne Fahrer wie Alberto Contador.

Dennoch gibt es auch hier Überraschungssieger, die taktisch mehr Geschick beweisen konnten oder von den Fehlern der Spezialisten profitieren. Ein gutes Timing für eine Attacke ist oft Rennentscheidend, gerade weil die Außenseiter von den Verfolgern weniger ernst genommen werden – anstatt dem Ausreißer zu folgen, wird hinten die Lage sondiert und wichtige Zeit verschenkt.

Wenn ein Favorit attackiert und der Rest nicht folgt, ist dies oft einfach nur ein sicheres Anzeichen dafür, dass der Favorit sich als der Fitteste herausgestellt hat. Auch deshalb wird er vom Rest des Teams während des Rennens vor dem kräftezehrenden Wind geschützt, bis sich seine Helfer nach und nach zurückfallen lassen müssen.

Da die Frühjahrsklassiker in radsportbesessenen Ländern wie Belgien, den Niederlanden und Frankreich stattfinden, wollen sich die nationalen Meister dieser Länder oft besonders hervortun. Die belgische Flagge auf dem Trikot ist ein Prestige für die Fahrer und spricht demjenigen automatisch eine Favoritenrolle zu. Angefeuert durch schreiende, heimische Fans, die zwar oft nicht den Namen des Fahrers aber immerhin die Farben der Flagge kennen, bringt die Bedeutung des Trikots einen zusätzlichen Motivationsschub.

Wie erkenne ich einen Fahrer?

Thor Hushovd trägt nicht nur das Erkennungsmerkmal eines ehemaligen Weltmeisters an Kragen und Ärmel, er ist derzeit auch norwegischer Meister (Foto: Lombardie (Flickr) CC 2.0

Thor Hushovd trägt nicht nur das Erkennungsmerkmal eines ehemaligen Weltmeisters an Kragen und Ärmel, er ist derzeit auch norwegischer Meister (Foto: Lombardie (Flickr) CC 2.0

Die unter Helmen und hinter Sonnenbrillen versteckten Fahrer sind innerhalb eines großen Feldes zweifellos schwer zu unterscheiden. TV-Kommentatoren behelfen sich nicht nur durch die Trikotfarben und Starterlisten mit den Nummern und Namen der Fahrer im Feld, oft haben Fahrer typische Merkmale, die bei der Identifizierung helfen. Unterscheiden kann man sie:

  • am Equipment: Geraint Thomas von Team Sky trägt immer eine weiße Sonnenbrille. Phillipe Gilbert meistens weiße Schuhe, Tom Boonen trägt nie Handschuhe.

 

  • an der Statur/körperliche Merkmale: Andre Greipel hat ein prominentes Kinn, Thomas Voeckler hat, neben der Gewohnheit seine Zunge herauszustrecken, eine starre, eigenartige Haltung auf dem Rad, Bradley Wiggins trug bis zum letzten Jahr Kotletten (bis ihn der hohe Wiederekennungswert lästig wurde und er sie abrasierte)

 

  • am Trikot: ehemalige Weltmeister unterscheiden sich am Trikot von ihren Teamkollegen durch den Regenbogen-Armreif am oberen Ärmel und am Kragen. So etwas ist auch bei ehemaligen nationale Meistern in der Farbe ihrer Nationalflagge zu sehen. Ein Fahrer wie Peter Sagan gewinnt aufgrund mangelnder Konkurrenz regelmäßig den nationalen Titel, weshalb die slowakische Flagge im Grunde zu jeder Saison auf seinem Trikot zu sehen ist.

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Der Unterschied zwischen Bahn- und Tour de France-Gewicht

Der Unterschied zwischen Bahn- und Tour de France-Gewicht

Eigentlich ist es offensichtlich, dass Bahnradfahrer einiges mehr an Gewicht mit sich herumtragen, als Kletterer bei der Tour de France. Wenn man, wie derzeit zwei Goldmedaillengewinner von London 2012, auch bei der Tour de France antreten will, muss man das Kunststück vollbringen, Gewicht zu verlieren und gleichzeitig in Form zu bleiben. Der Maßstab dabei: das optimale Verhältnis von Kraft zu Gewicht – die gewichtsbezogene Leistung ist dementsprechend höher, um so leichter der Fahrer und das Rad.

Wie man an Chris Froome’s Armen erkennen kann, und auch im letzten Jahr bei Bradley Wiggins’ Körperbau, treibt es Team Sky dabei auf die Spitze. Wo andere Teams die Fahrer mehr oder weniger alleine lassen, beschäftigt Sky vier full-time coaches und einen Ernährungsberater. Dabei geht es auch um das optimal-niedrigste Gewicht der Fahrer, und dies sicher etwas ausgereifter als Bjarne Riis’ Diät zu seinen aktiven Zeiten: Nach dem Training eine große Flasche Mineralwasser trinken und dann eine Schlaftablette, um den Hunger zu verschlafen. Sky’s Ernährungsberater Nigel Mitchell setzt dabei oft auf eine kohlenhydratarme Diät, neben dem sonst schon sehr umfangreichen Training.

Geraint Thomas sagt, er hat 7kg an Gewicht verloren, während der Olympiade in London wog er nach eigener Aussage 75kg und ist nun bei 68kg angelangt. Eigentlich wollte er an seinen Fähigkeiten am Berg arbeiten, ein Sturz bei der ersten Etappe bei dem er sich einen Riss in der Hüfte zuzog, zwangen ihn jedoch dazu seine Pläne vorerst auf Eis zu legen. Ein Grund bei der Tour aufzugeben war es für ihn dennoch nicht, es musste ihm in den ersten Tagen nur jemand aufs Rad helfen…

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Geraint Thomas, kurz vor London 2012 und bei der ersten Etappe der Tour 2013

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Ulle, warum du uns doch betrogen hast – Der Mythos von Chancengleichheit in einer Dopingkultur

Ulle, warum du uns doch betrogen hast – Der Mythos von Chancengleichheit in einer Dopingkultur

„Ich habe nie jemanden betrogen“

Dieser, von vielen Radsportfans als zynisch aufgefasste Kommentar von Jan Ullrich aus dem Jahr 2008, ist einer seiner wenigen Aussagen auf die Frage, ob der erste und bisher einzige deutsche Tour de France Sieger gedopt hat oder nicht. Die vermeintlich einfache Logik dahinter: Weil im Grunde jeder seiner Kontrahenten gedopt hat, wollte Jan Ullrich diesem unfairen Vorteil seiner Gegner ausgleichen und hat selbst zu unerlaubten Mitteln gegriffen, sei es in Form von Blutdoping, welches er vor Kurzem in einem Interview mit dem Focus Magazin selbst zugab, oder die Einnahme von EPO, die sein ehemaliger Pfleger Jeff D’Hont ihm vorwirft.

Jan Ullrich bei der Tour de France 1996 - Foto: Numerius (Flickr) CC-BY-ND

Jan Ullrich bei der Tour de France 1996 – Foto: Numerius (Flickr) CC-BY-ND

Viele Jan Ullrich Fans, so liest man es unter fast jedem Kommentar unter seinen Beiträgen auf Facebook oder bei seiner Kolumne auf Eurosport.de, teilen diese Logik und verteidigen Jan Ullrich mit immer wiederkehrenden Floskeln:

„Damals haben alle gedopt“

„Jan wollte für Chancengleichheit sorgen“

„Dazu gehört auch jahrelanges Training und Talent“

„Im Fussball wird auch gedopt“

„Du warst gefangener des Systems“

„Die Medien/die Verbände/die Sponsoren/die Fans sind schuld“

Daneben natürlich auch die Kommentare unbelehrbarer Trolle, die sich von Ulle persönlich beleidigt fühlen und ihm das am liebsten zu jeder virtuellen Gelegenheit mitteilen möchten. Wann immer Ulle etwas sagt, provoziert er heftige Reaktionen.

Jan Ullrich macht es seinen Kritikern einfach, er wirkt jedes Mal unpassend unbedarft. Anders als Andreas Klöden, der den einfachen Weg gewählt hat und sich weigert mit (deutschen) Journalisten zu sprechen, sorgte Der Kaiser dafür, dass sein eher offensichtliche Geständnis zum Thema Blutdoping sogar einen Platz in der Tagesschau eingenommen hat – Jan Ullrich verbreitet die Wahrheit seit 16 Jahren entweder extrem zweideutig („Ich habe niemanden betrogen“) oder nur Häppchenweise, warum wundert er sich dann, dass die mediale Aufmerksamkeit bei solchen Banalitäten aus dem Ruder läuft? Ulle braucht entweder bessere Medienberater, oder ist sich von seinem Rückzugsort in der Schweiz aus seiner Rolle in dem Ganzen überhaupt nicht bewusst. Ist das Abstreiten der eigenen Schuld und das ständige Behaupten, man hätte nichts anderes getan (oder sogar noch weniger) als die anderen eine Art Flucht? Oder ist es einfach nur ein bisschen feige?

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Warum sich Sponsoring im Radsport lohnt – Der Cyclingnews Sponsoring Report

Warum sich Sponsoring im Radsport lohnt – Der Cyclingnews Sponsoring Report

Die britische Radsportnewsseite Cyclingnews.com hatte es sich zur Aufgabe gemacht herauszufinden, welchen finanziellen Wert das Sponsoring eines Radsportteams dem Unternehmen bietet – auch um potentiellen neuen Sponsoren aufzuzeigen, dass man im Radsport im Vergleich zu anderen klassischen Martketingmaßnahmen für wenig finanziellen Einsatz vergleichsweise viel Aufmerksamkeit bekommt. Der Report zeigt: im Vergleich zu konventionellen Werbemaßnahmen durch Werbeclips und Printanzeigen, generiert Radsportsponsoring eine unvergleichlich große Aufmerksamkeit für die platzierte Marke: 325 der knapp 700 Firmen, die derzeit im Radsport aktiv sind, generierten allein in der Saison 2012 einen Werbewert von über zwei Milliarden Dollar.

Foto: Anthony Cramp (Flickr) CC-BY-ND

Foto: Anthony Cramp (Flickr) CC-BY-ND

Um eine Einheit festzulegen, die den Wert der Aufmerksamkeit für den Sponsor bemisst, benutzt Cyclingnews den Begriff „brand exposure”, den ich im Folgenden mit „Sichtbarkeit” übersetzt habe. Cyclingnews beauftragte das Statistikunternehmen Repucom, welches Fernsehbilder aus allen WorldTour Rennen auswertete und weitere nötige Daten sammelte, um daraus den Wert „brand exposure” in Dollar zu errechnen. Die drei ausschlaggebenden Kriterien, die in diesen Wert mit einberechnet wurden, sind:

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UCI Rennrad Regularien

UCI Rennrad Regularien

“Das Fahrrad ist ein Fortbewegungsmittel mit zwei Rädern gleichen Durchmessers: das Vorderrad dient zum Lenken; das Hinterrad wird angetrieben.”

UCI Maße Rennrad

Messpunkte an einem Straßenrad

So weit so gut. Die Vorgaben der UCI bezüglich Renn- und Zeitfahrräder gelten als strikt, sie sind der Versuch des Verbands trotz der neusten technischen Entwicklungen gleiche Wettbewerbschancen für jeden Fahrer zu schaffen und eine Materialschlacht zwischen den “reicheren” Teams so gut es geht abzuwenden. Es gibt Gewichtsuntergrenzen, Regeln zum Neigungsgrad des Sattels, Vorgaben zu Auflagepunkten beim Zeitfahren und allgemeine Materialverbote, sowohl beim Rad als auch bei der Rennkleidung. In Kürze:

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Update: Timeline – USADA vs. Lance Armstrong

Update: Timeline – USADA vs. Lance Armstrong

+++ Dieser Artikel wurde ab dem 24. August auf den neusten Stand gebracht+++

Durch die Entwicklungen der letzten Wochen kann man im Grunde nicht mehr von einem Fall USADA vs. Armstrong sprechen. Das Verfahren hatte sich nicht nur durch Armstrong’s Gegenklage grotesk ausgeweitet und wird sich, auch im Zusammenhang mit der UCI und ihren undurchsichtigen Verschleierungstaktiken, noch in weiteren darauf aufbauenden Verfahren unendlich hinziehen. Hier eine Übersicht, oder: was bisher geschah.

Brachte den Stein ins Rollen: Floyd Landis – Foto: Bryan88 (Flickr) CC BY-ND

12. Juni 2012: Die Klageschrift der amerikanischen Anti-Doping Agentur (USADA) umfasst 15 Seiten und wirft neben Lance Armstrong auch seinem ehemaligen Teammanager bei US Postal, Johan Bruyneel, seinem Soigneur Pepe Mati und den Ärzten Dr. Pedro Celaye, Dr. Luis Garcia del Moral und Dr. Michele Ferrari den Gebrauch von EPO, Bluttransfusionen und anderen leistungssteigernde Mittel vor, sowie den Handel und die Verabreichung verbotener Substanzen und der Aufrechterhaltung einer Verschwörung mit dem Ziel Dopingpraktiken innerhalb des US Postal Teams zu verschleiern.

Der Brief nennt untere Anderem 10 Augenzeugen, welche im Team US Postal Doping selbst erfahren oder beobachtet haben, sowie Armstrong’s Tests aus den Jahren 2009 und 2010, welche deutlich auf den Gebrauch von EPO und/oder Blutdoping hinweisen.

Die USADA gab den Angeklagten bis zum 22. Juni Zeit sich für ein Schiedsverfahren zu entscheiden oder die Klage anzunehmen – dies bedeutet den Verlust aller Titel ab dem 1. August 1998 sowie einer lebenslangen Sperre von allen Sportarten, welche den WADA Code anerkennen. Die Verjähringsfrist von 8 Jahren greift in diesem Fall nicht, da es sich laut der USADA um eine Verschwörung innerhalb des Teams gehandelt hat und Armstrong bereits Meineid begangen hatte (danke an The Inner Ring für die Info).

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Grundwissen: Professioneller Frauenradsport

Grundwissen: Professioneller Frauenradsport

Vor diesem Thema hatte ich mich immer etwas geziert, nicht nur dass der Männerradsport kompliziert und umfangreich genug ist, hat der Frauenradsport neben den üblichen Klischees auch mit umfangreichen Sponsorenproblemen zu kämpfen. Ständig wechseln die Fahrerinnen die Teams oder die Teams die Namen, was die Übersicht erschwert. Frauenradsport wird, ausserhalb der Weltmeisterschaften und der Olympischen Spiele, grundsätzlich nicht im Fernsehen übertragen, die Siegesprämien sind nicht der Rede wert und die UCI tut leider wenig, um dem Frauenradsport seine Aussenseiterrolle zu nehmen.

Das olympische Straßenrennen in London 2012 – Foto: Chris Barber CC-BY 2.0

Dabei bietet der Frauenradsport viel mehr: den Sportlerinnen geht es dabei offensichtlich nicht ums Geld – Tagesprämien um die 150€ für das Tragen eines Leadertrikots bei einer großen Rundfahrt sind nicht ungewöhnlich (bei den Männern bekommt der Träger des Gelben Trikots bei der Tour de France 27.500€ pro Tag), sie fahren mit Leidenschaft auf sehr hohem Niveau, zudem sind die Rennen spannender und vor allem aggressiver – es wird mehr attackiert, auch weil es bei kleineren Teams und kürzeren Strecken schwieriger ist ganze Rennen zu kontrollieren. (mehr …)

Die Debatte um David Millar und seinen Start bei Olympia 2012

Die Debatte um David Millar und seinen Start bei Olympia 2012

Vor allem in England wurde im Laufe des letzten Jahres heiß über den eventuellen Start von David Millar beim Straßenrennen der Olympischen Spiele 2012 in London diskutiert. Dieses Thema hat Brisanz, da David Millar bereits eine 2-Jährige Dopingsperre aussitzen musste und ihm dazu ursprünglich, aufgrund einer 20 Jahre alten Regelung des Olympischen Komitees, ein lebenslanges Startverbot bei den Olympischen Spielen auferlegt wurde. Diese Regelung wurde im Oktober 2011 vom internationalen Sportgerichthof in Lausanne für nichtig erklärt.

Team GB bei den Weltmeisterschaften 2011 in Kopenhagen. Foto: jenscrer Flickr CC BY-NC 2.0

David Millar wurde auf der Grundlage von Aussagen seiner damaligen Teamkollegen beim Team Cofidis und einer Hausdurchsuchung, bei der zwei leere EPO Ampullen gefunden wurden, verurteilt und verbüßte seine Sperre in den Jahren 2004 und 2005, bevor er im Team Saunier Duval und später als Fahrer und Teilhaber von Team Garmin-Slipstream (mittlerweile Garmin-Sharp) seine Karriere als geläuterter Ex-Doper wieder aufnahm. (mehr …)

Lance Armstrong: die neuen und alten Dopingvorwürfe

Lance Armstrong: die neuen und alten Dopingvorwürfe

“Hierbei handelt es sich um Blutproben, welche auf den Gebrauch von EPO und/oder Bluttransfusionen hinweisen”  – klingt wie Radsport im Jahr 1999, dabei handelt es sich jedoch um neue Dopingvorwürfe gegen Lance Armstrong, basierend auf Blutproben aus den Jahren 2009 und 2010, welche in seinen ersten Comebackjahren bei Radioshack entnommen wurden. Die US-Antidopingagentur USADA hat Lance, wie heute bestätigt wurde, unter Anderem aufgrund dieser neuen Vorwürfe angeklagt.

 

Foto: Jöšran Maaswinkel (Flickr) CC-BY-NC-SA

 

Der 7-fache Toursieger nennt die Vorwürfe in einem Statement auf seiner Website eine “Hexenjagd”, eine “Verschwörung der USADA” und “verfassungswidrig”. Er sei, wie oft betont, in seiner Karriere 500 Mal getestet worden und dabei nicht ein Mal positiv aufgefallen.

Die Aussicht auf ein endgültiges Urteil darüber, ob Lance seine sieben Toursiege und seine damalige Dominanz mit natürlichem Talent oder durch EPO Kuren vor, und Bluttransfusionen während der Rennen in Anspruch nahm, verlief im Februar 2012 überraschend im Sande, als ein zwei Jahre andauerndes Verfahren der US-Staatsanwaltschaft gegen Armstrong plötzlich eingestellt wurde. Dabei ging es hauptsächlich um die Frage, ob in seinem damaligen Team US Postal systematisches Doping betrieben wurde und dadurch, da die finanziellen Mittel des Teams aus öffentlicher Hand stammten, Steuergelder veruntreut wurden. Die neuen Anschuldigungen sind “frisch” und beziehen sich auf die letzten zwei Jahre seiner Radsportkarriere, nach dem erstmaligen Rücktritt im Jahr 2005, und sind deshalb besonders brisant. (mehr …)