Technik und Taktik

Radrennen schauen für Anfänger: die Frühjahrsklassiker

Radrennen schauen für Anfänger: die Frühjahrsklassiker

„Radrennen sind langweilig“, „Da passiert ja stundenlang nichts“, „Ich gucke es nur wegen der schönen Gegend“ – wer sich solche Aussagen des öfteren anhören müsste, darf diesen Artikel gern an Freunde und Verwandschaft weitergeben. Radsportjünger wissen, dass sich in einem Rennen mehr Action versteckt, als auf dem ersten Blick ersichtlich. Radrennen sind voll mit taktischen Manövern und auch wenn nur ein Fahrer gewinnen kann, ist es ein Teamsport durch und durch.

Die Taktik des Teams wird durch das Terrain des Rennens entschieden. Beginnen wir am Anfang des Jahres: bei den Klassikern

Auf welche Fahrer man achten muss

Klassikerspezialisten wie Tom Boonen haben von der Statur her wenig mit den Spinnenwesen der Tour de France Favoriten gemein (Foto: Brandan Ryan Flickr CC by NC SA

Klassikerspezialisten wie Tom Boonen haben von der Statur her wenig mit den Spinnenwesen der Tour de France Favoriten gemein (Foto: Brandan Ryan (Flickr) CC by NC SA

Eintagesklassiker wie Milan-San Remo oder Paris-Roubaix mit über 250 Kilometern Streckenlänge, die in der Regel innerhalb von sechs Stunden vorbei sind, verlangen den Fahrern, anders als z.B. bei Bergetappen, unterschiedliche körperliche Anforderungen ab. Typische Sieger (ausnahmen bestätigen die Regel) sind kräftig gebaute, breitschultrige Klassikerspezialisten wie Tom Boonen und Fabian Cancellara, deren Stärken man am Umfang ihrer Oberschenkel ablesen kann. Kurze, steile Anstiege auf unbequemen Untergrund (Kopfsteinpflaster), meistern solche Fahrer eher, als auf Ausdauer spezialisierte, eher dünne Fahrer wie Alberto Contador.

Dennoch gibt es auch hier Überraschungssieger, die taktisch mehr Geschick beweisen konnten oder von den Fehlern der Spezialisten profitieren. Ein gutes Timing für eine Attacke ist oft Rennentscheidend, gerade weil die Außenseiter von den Verfolgern weniger ernst genommen werden – anstatt dem Ausreißer zu folgen, wird hinten die Lage sondiert und wichtige Zeit verschenkt.

Wenn ein Favorit attackiert und der Rest nicht folgt, ist dies oft einfach nur ein sicheres Anzeichen dafür, dass der Favorit sich als der Fitteste herausgestellt hat. Auch deshalb wird er vom Rest des Teams während des Rennens vor dem kräftezehrenden Wind geschützt, bis sich seine Helfer nach und nach zurückfallen lassen müssen.

Da die Frühjahrsklassiker in radsportbesessenen Ländern wie Belgien, den Niederlanden und Frankreich stattfinden, wollen sich die nationalen Meister dieser Länder oft besonders hervortun. Die belgische Flagge auf dem Trikot ist ein Prestige für die Fahrer und spricht demjenigen automatisch eine Favoritenrolle zu. Angefeuert durch schreiende, heimische Fans, die zwar oft nicht den Namen des Fahrers aber immerhin die Farben der Flagge kennen, bringt die Bedeutung des Trikots einen zusätzlichen Motivationsschub.

Wie erkenne ich einen Fahrer?

Thor Hushovd trägt nicht nur das Erkennungsmerkmal eines ehemaligen Weltmeisters an Kragen und Ärmel, er ist derzeit auch norwegischer Meister (Foto: Lombardie (Flickr) CC 2.0

Thor Hushovd trägt nicht nur das Erkennungsmerkmal eines ehemaligen Weltmeisters an Kragen und Ärmel, er ist derzeit auch norwegischer Meister (Foto: Lombardie (Flickr) CC 2.0

Die unter Helmen und hinter Sonnenbrillen versteckten Fahrer sind innerhalb eines großen Feldes zweifellos schwer zu unterscheiden. TV-Kommentatoren behelfen sich nicht nur durch die Trikotfarben und Starterlisten mit den Nummern und Namen der Fahrer im Feld, oft haben Fahrer typische Merkmale, die bei der Identifizierung helfen. Unterscheiden kann man sie:

  • am Equipment: Geraint Thomas von Team Sky trägt immer eine weiße Sonnenbrille. Phillipe Gilbert meistens weiße Schuhe, Tom Boonen trägt nie Handschuhe.

 

  • an der Statur/körperliche Merkmale: Andre Greipel hat ein prominentes Kinn, Thomas Voeckler hat, neben der Gewohnheit seine Zunge herauszustrecken, eine starre, eigenartige Haltung auf dem Rad, Bradley Wiggins trug bis zum letzten Jahr Kotletten (bis ihn der hohe Wiederekennungswert lästig wurde und er sie abrasierte)

 

  • am Trikot: ehemalige Weltmeister unterscheiden sich am Trikot von ihren Teamkollegen durch den Regenbogen-Armreif am oberen Ärmel und am Kragen. So etwas ist auch bei ehemaligen nationale Meistern in der Farbe ihrer Nationalflagge zu sehen. Ein Fahrer wie Peter Sagan gewinnt aufgrund mangelnder Konkurrenz regelmäßig den nationalen Titel, weshalb die slowakische Flagge im Grunde zu jeder Saison auf seinem Trikot zu sehen ist.

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UCI Rennrad Regularien

UCI Rennrad Regularien

„Das Fahrrad ist ein Fortbewegungsmittel mit zwei Rädern gleichen Durchmessers: das Vorderrad dient zum Lenken; das Hinterrad wird angetrieben.“

UCI Maße Rennrad

Messpunkte an einem Straßenrad

So weit so gut. Die Vorgaben der UCI bezüglich Renn- und Zeitfahrräder gelten als strikt, sie sind der Versuch des Verbands trotz der neusten technischen Entwicklungen gleiche Wettbewerbschancen für jeden Fahrer zu schaffen und eine Materialschlacht zwischen den „reicheren“ Teams so gut es geht abzuwenden. Es gibt Gewichtsuntergrenzen, Regeln zum Neigungsgrad des Sattels, Vorgaben zu Auflagepunkten beim Zeitfahren und allgemeine Materialverbote, sowohl beim Rad als auch bei der Rennkleidung. In Kürze:

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Grundwissen: Bahnradsport

Grundwissen: Bahnradsport

Eigentlich klingt es ja gar nicht so komplex. Bahnräder haben keine Gangschaltung, sondern eine starre Nabe, damit fahren Sie in einem Velodrom im Kreis gegen andere Fahrer. Allerdings gibt es einige Disziplinen, Fahrertypen und Regeln, die ich versuchen werde in diesem Artikel zu erklären.

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Wie man den Galibier bezwingt – Fahrtechnik am Berg

Wie man den Galibier bezwingt – Fahrtechnik am Berg

Das Hauptfeld hält in der Regel eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40km/h in einer Bergetappe, wie ist das überhaupt möglich?

Egal ob dieses Jahr die Tour de France halt macht in Alpe d’Huez, am Tourmalet oder den höchsten Berg der Tourgeschichte – den Galibier; um dem Besenwagen zu entkommen, sollte man sich bestimmte Techniken aneignen:

Galibier 1991 – Foto: Steve Selwood (Flickr) CC-BY-ND-SA

1. Sitzen bleiben

Im Stehen verbraucht ein Fahrer 12% mehr Sauerstoff und der Puls erhöht sich um 8%. Soviel zu den harten Fakten: im Stehen fahren ist unnötige Energieverschwendung. Man sollte versuchen die Ellenbogen (die Hände mittig am Lenker halten) zu entspannen und den Rücken gerade zu halten, damit das Atmen einfacher fällt. Je mehr dein Oberkörper sich bewegt, desto offensichtlicher ist es für deine Gegner, dass du am Limit bist; Lance Armstrong würde dir seinen berühmten „Look“ geben und eiskalt attackieren. Etwas zu wippen hilft trotzdem dabei, deinen Rhythmus beizubehalten. (mehr …)

Radfahrertypen

Radfahrertypen

Wie ihr wisst ist Radsport der härteste Sport der Welt – eventuell teilt er sich die Ehre mit den Ruderern (oder jeglicher Sportart, die der geneigte Leser dieses Artikels zuletzt aufgegeben hat?). Dieser Sport und die Anstrengungen einer großen Rundfahrt werden notorisch unterschätzt. Aber um das zu begreifen, ist es wichtig zu wissen, was ein Radsportler mitbringen muss um große Touren zu bestreiten und was sein Körper während einer großen Rundfahrt aushält.

Zuerst muss man zwischen Radfahrertypen unterscheiden, zum Beispiel basierend auf den Trikots der Tour de France: der Sprinter (Anzahl gewonnener Etappen: grünes Trikot), die Bergziege (Punktewertung: gepunktetes Trikot), der Allrounder (Sieger der Zeitwertung / Gesamtsieg: gelbes Trikot), und zu guter letzt der Zeitfahrspezialist, oft Fahrer, welche auf Gesamtsieg fahren und viel Zeit bei Zeitfahretappen gut machen können.

Ein Allrounder ist in der Regel auch ein guter Bergfahrer, da man die Tour nur gewinnen kann, wenn man in den Bergen seine Stärken ausspielt. Deshalb fassen wir diese beiden Fahrertypen zusammen: (mehr …)