Rückblicke

Wie war das noch mit Ulle damals 1997?

Tour of California 2015 – Ein Erfahrungsbericht – Teil 2

Tour of California 2015 – Ein Erfahrungsbericht – Teil 2

Tour of California avila beach stage four 2015 mark cavendish

Eigentlich hatte ich nur Sommersachen eingepackt, aber am Ende war ich dankbar für den Pullover und die Regenjacke. Was ich, außer beim Start in Sacramento nicht mehr brauchte, waren die Sandalen und die zwei kurzen Hosen. Die heißen Temperaturen, die man in den zahlreichen vorherigen Austragungen der Tour of California vom kalten Deutschland aus beobachten konnte, blieben in diesem Jahr aus.

2015-05-13 15.54.24

Avila Beach, Ziel der vierten Etappe

Das windige Küstenstädchen Pismo Beach bot eine wunderschöne Kulisse für den Start der vierten Etappe. Der schnelle Kurs endete entlang der Promenade in Avila Beach in einem leichten bergauf-Sprint, bei dem Peter Sagan seinen ersten Sieg der Rundfahrt für sich entschied. Stilecht mit Wheelie natürlich. Das GoPro Video vom Zielsprint ist ziemlich beeindruckend.

Auch die Fahrt entlang der Küste herunter nach Santa Barbara war trotz des Wetters atemberaubend. Ich hatte sie, wie sich später herausstellte, einen Tag zu früh auf mich genommen, da in Pismo Beach ein Hotelzimmer (mit Blick aufs Meer!) für mich frei war. Ich dachte allerdings, dass die Teams, wie sonst üblich, direkt nach der Etappe weiterziehen. Ich lag falsch.

Das Handlebar Cafe in Santa Barbara wird geführt von Aaron Olson, Ex-Profi bei Saunier Duval & T-Mobile

Das Handlebar Cafe in Santa Barbara wird geführt von Aaron Olson, Ex-Profi bei Saunier Duval & T-Mobile

Gut ist es daher, wenn man jemanden kennt der sowieso jeden kennt und so kam ich auf der Jungs-WG Couch von Tosh Clements in Santa Barbara unter, der, bis zu einer Verletzung die seine Profikarriere beendete, bei Optum Pro Cycling unter Vertrag stand. Mittlerweile fotografiert Tosh für Rouleur und Peloton Magazine. Nach einem ziemlich leckeren Bagel und schwarzen Tee im Handlebar Cafe fuhr ich Tosh und seinen Bruder zum Start.

Dunkle Wolken über dem Start am Strand von Santa Barbara ließen nichts gutes erahnen. Die fünfte Etappe stellte sich aufgrund des Wetters als schwerste für die Fahrer heraus. Zwei kurze, steile Bergwertungen machten zwar im Gesamtklassement, welches noch immer von Tom Skujins (Hincapie Racing) angeführt wurde, keinen großen Unterschied, aber sintflutartiger Regen und Seitenwind zehrten an den Fahrern. Die gerade Strecke zum Ziel in Santa Clarita war perfekt für den schnellsten Mann im Feld und so gewann Mark Cavendish seine dritte Etappe bei der diesjährigen Tour of California.

Fröstelnde Fahrer nach der fünften Regenetappe nach Santa Clarita

Fröstelnde Fahrer nach der fünften Regenetappe nach Santa Clarita

Mit (ausgerechnet weißen) Sommer-Baumwollschuhen an den Füßen sparte ich mir den Weg zum Ziel und hielt mich lieber im warmen Presseraum auf. Nach und nach kamen Skujins und Cavendish zur Pressekonferenz, wo Tee auf sie wartete, dankend umklammert vom zitternden, „most aggressive rider“ der Etappe, Danilo Wyss (BMC).

Was sich am Tag zuvor bereits ankündigte, wurde während der Etappe um Santa Barbara per Email verkündet: aufgrund von Wetterkomplikationen wurde die Zeitfahr-Etappe um Big Bear Lake spontan zurück nach Santa Clarita verlegt. Verkürzt von 15 auf 6 Meilen, führte der Kurs nun über eine holprigen, technischen Kurs um den Six Flags Freizeitpark in Valencia. Leider blieb keine Zeit zum Achterbahnfahren, aber ich hatte das Glück, eine Runde im Begleitfahrzeug von SmartStop zu sitzen – die engen Kurven und die Schlaglöcher auf der Strecke waren abenteuerlich genug.

Chris Butler überholte Jesús Hernández aus dem Team Tinkoff-Saxo

Chris Butler überholte Jesús Hernández aus dem Team Tinkoff-Saxo

Aufgrund der Beschaffenheit und Länge der Strecke hatte sich die Etappe für die Zeitfahrspezialisten erledigt, dennoch war es spannend zu sehen, wie Peter Sagan sich perfekt in die Kurven legte und mit seinen Sprinterbeinen die Etappe gewann. Sichtlich erfreut darüber, dass er nun auch das Gelbe Trikot an sich nehmen konnte, erzählte er in der Pressekonferenz danach, was ihm half. Sagan hatte Zeit im Windtunnel verbracht und nach Paris-Roubaix auf der Bahn an seiner Zeitfahrhaltung gearbeitet, bevor er in Colorado viel Zeit im Höhentrainingslager verbrachte. Außerdem saß die Ehefrau während der Etappe im Tinkoff-Saxo Begleitwagen und sagte die Zeiten durch. Gute Vorbereitung hin oder her, laut Sagan gilt immer noch: „without legs can’t win.“

Tour of California 2015 – Ein Erfahrungsbericht – Teil 1

Tour of California 2015 – Ein Erfahrungsbericht – Teil 1

„Ja Eurosport hat auch gefragt… Aber woher kommst du eigentlich? Von welchem Medium?“ Ob Jens Voigt Goldene Speichen kennt? Immerhin habe ich im letzten Jahr einen Artikel pro Quartal veröffentlicht. Ich umgehe die Frage mehr oder weniger geschickt und frage lieber, ob man ihn im Sommer bei der Tour de France ARD zu hören bekommt. Die Antwort: Wahrscheinlich nicht.

Vier (zugegeben ziemlich lange) Artikel im Jahr reichen anscheinend, um eine Presseakkreditierung für die Tour of California zu bekommen. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit bin ich sowieso in den USA, wieso also nicht die Westküste und das „echte“ Amerika im Schlepptau eines Rennens entdecken? Das Essen im Presseraum ist umsonst und das WLAN stabiler als in den meisten Hotels – ausserdem tue ich im Grunde das, was die Rennveranstalter und Tourismusbüros eigentlich bezwecken wollen: ich komme nach Kalifornien als Tourist. Ich lasse Geld in (billigen) Hotels und schwärme zuhause von der Natur und den Menschen. Als Radsportfan das Land im Rahmen eines großen Rennens zu entdecken war die beste Idee der Redaktion, seit dem Artikel über rasierte Männerbeine.

Die zehnte Ausgabe der Tour of California startete in Sacramento. Obwohl sich die Stadt als Radsportfreundlich etablieren möchte, ist es eher die direkte Umgebung gelegene Stadt Davis, die sich, wohl zu recht, als Radsporthauptstadt der USA bezeichnet. In Davis gibt es, anders als in manch anderen Amerikanischen Städten, sogar Bürgersteige und vor allem: Radwege! Davis zeichnet sich durch die UC Davis aus, bekannt durch deren erfolgreiche Sportteams und den Pepper Spray Incident im Jahr 2011. Eine angenehme, unangestrengte Studentenstadt mit Bars und Radläden an jeder Ecke.

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Die erste Pressekonferenz in Sacramento, u.a. mit Mark Cavendish, Peter Sagan und im Hintergrund im blauen Hemd Jens Voigt

Die Strecke in Sacramento führte in einem Rundkurs nach Davis zurück zum Kapitol. Das Wetter und die Stimmung waren hervorragend, das Muttertags-Dinnerevent im Hotel an der Strecke gab dem Ganzen eine heimelige Note. Peter Sagan hatte schon in der Pressekonferenz sein derzeitiges Motivationstief durch Gähnen und geschauspielertes Wegnicken deutlich gemacht, woraufhin Cavendish sich die Anspielung auf Sagan’s 4 Millionen Euro schweren Vertrag bei Tinkoff-Saxo nicht sparen konnte. Den Sprint hat er dann auch recht deutlich gewonnen.

Knapper wurde der Sprint auf der zweiten Etappe von Nevada City (Bilderbuchszenerie!) nach Lodi (Taco Bell, Walmart, vierspurige Highways), wo Mark Cavendish den Sieg per Photofinish entschied. Die Fahrt nach Nevada City führte durch wunderschöne Wälder und einen stressfreien Highway, den ich mir mit Teambussen und Begleitfahrzeugen teilte. (Throwback Hip Hop Radio ist übrigens beste Wahl für solche Fahrten). 

Phil Gaimon vom Team Optum-Kelly Benifit, Etappe 2

Phil Gaimon vom Team Optum-Kelly Benifit, Etappe 2

San Jose war die erste hügelige Etappe des diesjährigen Rennens. Im Startbereich ungewöhnlich viele Rapha Jerseys und teure Räder. Die Nähe zum Apple Hauptquartier in Cupertino und durch das überdurchschnittlich hohe Einkommen der Bewohner schlägt sich auch auf die Hotelpreise nieder. Wenn man San Jose googelt, sind Artikel wie „Where to sleep safely in your car in San Jose“ nicht ungewöhnlich. Die Etappe gewann der 23-jährige Toms Skujins aus Litauen in einem Jensie-mässigen Ausreissversuch 55km vor dem Ziel, der Fahrer aus dem Hincapie Development Team bekam somit auch das Gelbe Jersey. Peter Sagan gewann den Sprint im Feld dahinter und machte auf dem Podium wieder auf sich aufmerksam. Sagan’s Späße werden hier manchmal etwas überinterpretiert und als respektlos dargestellt, dabei ist seine notorisch gute Laune trotz seiner drei zweiten Plätze in Folge sehr sympathisch. Es gibt Fahrer die in dieser Situation anderen die Schuld geben.

Die vierte Etappe startete in Pismo Beach, mit Palmen, Surfern, riesigen SUV’s mit „Support Solar Energy“ Aufklebern und einer wunderschönen Strandpromenade. Ich bekam die Chance ein paar Fahrer zu interviewen, darunter Gerald Ciolek und Cannondale-Garmin’s Jungstar Ruben Zepuntke. Mehr dazu in den nächsten Tagen!

Erstmal einen Espresso. MTN Qhuebeka warten vor dem Rapha Kaffeemobil

Erstmal einen Espresso. MTN Qhuebeka warten vor dem Rapha Kaffeemobil

Regelmäßige Updates wie immer auf Facebook, Twitter, Instagram und neu: Vine

Rückblick: Paris-Roubaix 2013

Rückblick: Paris-Roubaix 2013

Anstatt euch an dieser Stelle den Rennverlauf wiederzugeben, haben wir uns dazu entschieden, euch einen etwas anderen Rückblick zu geben – Ein Sammelsurium aus gesammelten Rückblicken, Hintergrundinfos und Schilderungen von Fahrern, die selbst dabei waren. Wer die diesjährige, äußerste spannende Austragung von Paris-Roubaix verpasst hat oder einfach nur zwei Stunden seiner Zeit sinnvoll verschwenden möchte, kann sich das Rennen hier noch einmal komplett mit englischem Kommentar ansehen.

Zuerst: das Team Blanco Procycling hatte die großartige Idee, eine Auswahl ihrer Fahrer in einem vorher/nachher Video zu verewigen. Die Gesichter sprechen für sich!

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Rückblick: Mailand – San Remo 2013

Rückblick: Mailand – San Remo 2013

Zwei Tage vor Frühlingsanfang sollte mit „La Primavera“ nicht nur offiziell der Winter enden, sondern auch endlich die Radsportsaison mit dem längsten und ersten Frühjahrsklassiker des Jahres beginnen. Mailand – San Remo war am Ende alles andere als Frühlingshaft, durch den heftigen Schneefall und die dadurch verkürzte Strecke auch nicht allzu lang, aber trotz allem äusserst episch.

MSR2013

Schon vor dem Start in Mailand war abzusehen, dass es für die Fahrer ein sehr kalter Tag auf dem Rad werden wird. Der Passo del Turchino war mehr oder weniger unbefahrbar, der Schneematsch und die Temperaturen um 0°C machten ein Rennen (Schalten, Bremsen, im Windschatten fahren, zwischendurch Essen/Trinken) im wörtlichen Sinne unmöglich – auch wenn ein paar Sonntagsfahrer im Internet unter herben Realitätsverlust litten, wenn sie andeuteten, dass die Profis sich besser anziehen sollen, schliesslich hätte man selbst „mal bei einem Radausflug im Schnee“ gefroren.

Unter den Profis machte sich einen Tag vorher Panik breit:

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Rückblick: Highlights der Radsportsaison 2012

Rückblick: Highlights der Radsportsaison 2012

Die Saison 2012 endet spätestens dann, wenn uns Bilder rund um das Amstel Curaçao Race mächtig neidisch machen. Knapp zehn Monate, viel Dramatik, Stürze und Skandale später widmen wir uns unseren persönlichen Highlights und den Dingen, auf die wir uns 2013 besonders freuen:

John Degenkolb, allgemein

Ist es der neue Schnurrbart? Die hippe Frisur, das smarte Lächeln? Wahrscheinlich alles zusammen (schnell Radfahren kann er natürlich auch). John Degenkolb wechselte in dieser Saison von HTC-Highroad zum niederländischen Team Argos-Shimano und holte sich dort direkt 12 Siege und den ersten Tabellenplatz in der UCI Europe Tour. Seine fünf Etappensiege bei der Vuelta de España machten ihn zum Sprintkönig der dritten großen Grand Tour der Saison, so viele Etappensiege schaffte dort bisher noch niemand. Es war erst die zweite Grand Tour an der er überhaupt teilnahm. Ganz zu schweigen von den netten Interviews die der Junge gibt:

Tom Boonens Soloritt / Frühjahrssaison

Tommeke gibt Stulle, 52km alleine bis zum Velodrom in Roubaix. Nach dem Sieg bei der Flandern Rundfahrt holte sich Tom Boonen somit auch den zweiten prestigeträchtigen Sieg in dieser Frühjahrssaison. Als erster Fahrer überhaupt schaffte er es sich das Double zwei Mal zu holen. Dann gewann er auch noch bei Gent-Wevelgem, den E3 Prix Harelbeke, die Gesamtwertung bei der Katar Rundfahrt und natürlich den belgischen Meistertitel. Zum Rest der Saison wurde es verletzungsbedingt ruhiger um ihn, mit seiner Leistung in diesem Frühjahr hat er sich jedoch endgültig in die ewige Favoritenliste bei den Klassikern gemeißelt.
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24 Stunden Rennen: Rad am Ring  – ein Reisebericht

24 Stunden Rennen: Rad am Ring – ein Reisebericht

24 Stunden Rennen haben eine lange Tradition in der europäischen Radsportgeschichte. Eines der ältesten Ganztagesrennen ist das 24 Stunden Rennen in Saosnois, auch auf dem legendären Circuit de Le Mans findet jedes Jahr gegen Ende August auch ein Rennen für Radsportler statt. Der Nürburgring in der malerischen Eifel bietet eine wunderschöne Kulisse für 24 Stunden Qual. Wer tut sich so etwas an? Zwei meiner Freunde entschieden sich zwei Tage vor Anmeldungsschluss spontan dazu, sich für den Wahnsinn einzuschreiben – um dann kurz nach Erhalt der Startunterlagen zu der Erkenntnis zu gelangen, dass der Nürburgring nicht so flach ist wie angenommen (die beiden kommen aus den berglosen Regionen um Hamburg und Berlin), sondern mehrere Anstiege von teilweise 17% verteilt auf über fünf Kilometern beinhaltet. Angst machte sich breit, die Abfahrten, vor Allem die sogenannte „Fuchsröhre“ an der Nordschleife sind dementsprechend gefürchtet, die Veranstalter rieten vorsorglich, sich auf den Abfahrten „breit“ zu machen, um den Strömungswiderstand zu erhöhen und nicht zu schnell zu werden. Nicht jeder befolgte den gut gemeinten Rat. Erst im März rettete dem Berliner vom Frankfurter Tor ein Helm das Leben, als ihm auf ebener Strecke die gebraucht gekaufte Carbongabel mitsamt, unter Anderem, seinem Jochbein brach. Drei Tage Koma waren die Folge. Es kostete ihm viel Überzeugungskraft der Freundin in Berlin zu versichern, dass die Strecke nicht so gefährlich ist, wie die halsbrecherischen Nachtaufnahmen aus dem Vorjahresrennen auf YouTube suggerierten. Es war eh ein Fehler das Video vorher auf Facebook zu posten.

Ich wurde als logistische Unterstützung und in meiner Nebenrolle als Fotograf von den Beiden eingeladen, was ich natürlich gerne annahm – das Wetter sollte schön werden und ich befand mich deutschlandweit noch nie jenseits von Aachen. Der Flug aus Berlin hatte Verspätung, der Mietwagen Probleme mit dem teuren Colnago Master und dem grazilen halb-Zeitfahrrad der Marke Felt. Volvo Kombi’s sind für ihren Stauraum bekannt, aber nur, wenn man es hinbekommt die Kofferraumabdeckung sinvoll zu entfernen um zwei Sitze (anstatt nur einen) umzuklappen… Das Colnago Rad war in einer Transporttasche verpackt, was, wie sich später heruasstellte keine ausreichende Polsterung bot. Irgenwo auf dem Weg von Berlin bis Köln (oder durch das dilletantische Verladen in den Volvo) verbog sich das Schaltauge, was dazu führe, dass direkt bei der ersten Proberunde die Kette abfiel und sich das Schalten allgemein erschwerte. Die Reperatur hätte einen robusten Fahrradkoffer immerhin zur Hälfte finanziert. (mehr …)

Rückblick: Prolog der 99. Tour de France in Liège – ein Reisebericht

Rückblick: Prolog der 99. Tour de France in Liège – ein Reisebericht

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Die Tour de France ist zwar für alle Zuschauer offen, jedoch gibt es besondere Bereiche in denen nur besondere Leute, z.B. Fotografen, mit speziellen Ausweisen gelangen. Dies ist zwar nicht unüblich – was uns jedoch wunderte, war der Umfang dessen: der gesamte Raum links neben der Startrampe war nur für Zuschauer mit einem speziellen Ausweis verfügbar. Ein wahrer Radsportfan (oder ein Belgier an sich) lässt sich jedoch nicht von griesgrämigen Sicherheitsleuten und hohen Zäunen beeindrucken. Um einen kleinen Teich herum, fast direkt an er Startrampe und ausserhalb des Sichtfeldes der Security, kletterten Väter mit ihren Kindern, kichernde Ehemänner mit ihren unbeholfenen Ehefrauen, dreiste Jugendliche und am Ende auch wir über einen 2m hohen Zaun; gingen einmal um den Teich herum und hinein in den riesigen, fast menschenleeren Bereich links neben der Startrampe. Die paar anwesenden Fotografen hatten sich sowieso hinter einem extra-Gitter verschanzt oder standen direkt auf der Strecke – wir hatten also niemanden gestört und niemand schien sich an uns zu stören. Während sich der normale Pöbel auf der gegenüberliegenden Straßenseite bereits früh am morgen postieren musste, hatten wir genug Platz, um die im Minutentakt startenden Fahrer von der Rampe fahren zu sehen und ein paar Fotos zu machen.

Ein Sommerjob auf der Werbekaravane

Zuvor mussten wir erneut noch einmal die gesamte Strecke hinter der Startrampe abgehen, um zu unserem anvisierten Platz zu kommen. Dies führte uns erneut vorbei an den Teambussen der 22 teilnehmenden Teams, wo man nicht nur die Fahrer beim Aufwärmen beobachten konnte, sondern auch einige Profis, die erste Testrunden drehten – darunter auch Marcel Kittel bei seiner ersten Tour de France, mit einem seligen Grinsen im Gesicht. Als wir um 12 Uhr beim Liquigas Bus ankamen, startete gerade die berühmte Werbekaravane der Tour. Beeindruckend albern gestaltete Fahrzeuge von Haribo, Vittel, irgendwelchen französischen Brotherstellern und Radiostationen, mit (noch) sehr motivierten Studenten, die zu ohrenbetäubenden Krach mit kleinen Werbeartikeln um sich warfen. Leider konnten wir keine coolen Sachen abstauben. Ausser einem Schlüsselanhänger, einem Brillenputztuch und einer Tasche, welche Sondermünzen der 27 französischen Regionen bewirbt, war für uns nichts drin. (mehr …)

Rückblick: Die dritte und letzte Woche der Giro d’Italia 2012

Rückblick: Die dritte und letzte Woche der Giro d’Italia 2012

Die letzten sechs Tage der Giro d’Italia 2012 führte die Fahrer zuletzt über drei hohe, sowie einer mittelschweren Bergetappe, einer Flachetappe und endete am Sonntag mit dem dem finalen Zeitfahren durch Mailand. In den ersten zwei Wochen taten sich einige Favoriten hervor, wer kann am Ende in den Bergen die meiste Zeit gutmachen und seinen Vorsprung bis nach Mailand retten?

22. Mai 2012- 16. Etappe – mittlere Bergetappe von Limone sul Garda nach Falzes (Pfalzen)

Eine der unbestritten schönsten Etappen dieser Giro führte nach Südtirol. In diesem Terrain hatten die Fahrer eine Chance, welche sich bisher noch nicht sehr hervorheben konnten, etwas Zeit gutzumachen. Doch es kam anders, als geplant: nach dem Ruhetag und wahrscheinlich auch aufgrund der schönen Gegend, entschied das Peloton sich geschlossen dafür, eine ruhige Kugel zu schieben. Pech für die 10 Ausreisser, die nicht eingeweiht wurden und als einzige an diesem Tag wirklich arbeiten mussten. Da sich niemand „wichtiges“ in der Gruppe befand, wurden sie vom Rest ignoriert; sie konnten ohne große Mühe einen zeitweiligenVorsprung von 13 Minuten herausfahren. Aus dieser Gruppe riss abermals Jon Izagirre aus und holte sich den Etappensieg in Pfalzen. An dem Gesamtklassement änderte sich wenig; alle Favoriten kamen geschlossen ins Ziel.


Gude Laune im Peloton - heute wird nicht gearbeitet

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Rückblick: Die zweite Woche der Giro d’Italia 2012

Rückblick: Die zweite Woche der Giro d’Italia 2012

Die erste Woche der Giro d’Italia endete mit zwei mittleren Bergetappen, bei denen die Angeber begannen, sich von den Anwärtern zu unterscheiden. Insgesamt drei Fahrer trugen bisher das Rosa Trikot, Mark Cavendish holte sich mit zwei Siegen und trotz eines Crashs die Führung in der Sprintwertung und bereitete sich seelisch schon mal darauf vor, die anstehenden Bergetappen fast jedes Mal im letzten Grupetto zu beenden.

13. Mai 2012 – 8. Etappe – mittlere Bergetappe von Sulmona nach Lago Laceno

Hier traf die Giro auf ihren südlichsten Punkt der Rundfahrt und es betrat ein nur 1,65m großer Mann die Radsportbühne mit einem beeindruckenden Solo-Sieg: der 29-jährige Domenico Pozzovivo vom Colnago-CSF Inox Team gewann in diesem Jahr bereits die Giro del Trentino und nutzte sein gesteigertes Selbstbewusstsein für seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour. Pozzovivo zog vom Süden in den Norden Italiens, um seiner Radsportkarriere auf die Sprünge zu helfen und sein Studium in BWL zu beenden. Das Thema seiner Abschlussarbeit: „Süditalienische Politik von der Einheit Italiens bis heute“. Nebenbei interessiert er sich für das Wetter und spielt Klavier. Sein Kommentar zu seiner Größe: „Ich wäre zwar nicht gerne 2,10m und ein Basketballspieler aber es wäre super 1,80m oder 175m groß zu sein, um jedem in die Augen schauen zu können.“

Domenico Pozzovivo auf dem Siegertreppchen. Keine doofen "size does matter"- Witze bitte.

Ryder Hesjeda blieb im rosa Trikot, dennoch holte sich Joaquim Rodriguez vom Team Katusha durch seinen dritten Platz einen Zeitbonus von 8 Sekunden, was ihn auf den zweiten Platz vordringen ließ. Auch Ivan Basso’s Team zeigte weiterhin das selbe Muster: Sylvester Szymd und weitere Teamkollegen machten vorne Tempo und kontrollierten den Rest. Sonstiges: Daniele Bennati hatte Fieber und schrieb sich nicht mehr für diese Etappe ein.

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Rückblick: Die erste Woche der Giro d’Italia 2012

Rückblick: Die erste Woche der Giro d’Italia 2012

Die erste große Rundfahrt in diesem Jahr läuft nun bereits seit einer Woche. Fast tägliche Updates bekommt ihr bei uns übrigens auf Facebook, hier ein Rückblick zur ersten, spannenden Giro-Woche in gesammelter Form:

05. Mai 2012 – 1. Etappe – Einzelzeitfahren in Herning

Alex Rasmussen bei der ersten Etappe der Giro 2012 – Foto: Roberto Bettini

Die Giro startete dieses Jahr in Dänemark, wo die Fahrer genau so wie in Deutschland, kaltes, regnerisches und allgemein eher ungemütliches Wetter erwartete. Zu den Favoriten bei diesem Einzelzeitfahren quer durch Herning, zählten unter Anderem zwei junge Spezialisten in dieser Disziplin: Geraint Thomas aus dem Team Sky und BMC’s Taylor Phinney, beide mit der Chance, am Ende des Tages das Maglia Rosa überzustreifen.

Die 8,7km bewältigten alle Fahrer in durchschnittlich 11 Minuten. Die Strecke war relativ flach und die für diese Region üblichen, starken Winde blieben aus Als 35. gestartet, führte Ramunas Navardauskas vom Team Garmin-Barracuda die Wertung mit 10:48min lange Zeit an und wurde erst nach 144 weiteren Starts überholt. Er wurde am Ende 6, unter Anderem hinter von seinem Teamkollegen Alex Rasmussen, welcher, motiviert durch den Tourstart in seinem Heimatland und trotz seiner eher kräftigen Statur, Dritter wurde.

Geraint Thomas startete als 180. und fuhr mit einer Zeit von 10:35 Minuten ins Ziel. Als Taylor Phinney um 18:47 Uhr als Vorletzter die Startrampe verliess und 10:26 Minuten später Geraint Thomas‘ Zeit um 9 Sekunden schlug, ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Ursprünglich aus Boulder, Colorado, wohnt der 21-jährige Phinney mittlerweile in Norditalien, spricht fließend Italienisch ist bei den heimischen Mädchen unter Anderem wegen seinen „boyish good looks“ und seiner Körpergröße von 1,97m, äusserst beliebt. Das rosa Trikot wollte er bis zur Reise nach Italien am 08. Mai behalten.

06. Mai 2012 – 2. Etappe – Flachetappe durch Herning

Taylor Phinney in Rosa

Über 206 Kilometer führte die zweite Etappe der Giro durch das Mitteljütland Dänemarks und wieder zurück nach Herning. Allgemein ist nicht viel passiert; acht Kilometer vor dem Ziel gab es jedoch einen kurzen Schreckmoment, als Taylor Phinney einen anderen Fahrer streifte und seine Kette sich verabschiedete; 30 endlose Sekunden und einen Radwechsel später, wurde der Träger des rosa Trikots mit Hilfe von seinen Teamkollegen und viel, viel Adrenalin im Blut, wieder an die Hauptgruppe herangefahren. Er blieb dadurch weiterhin Führender des Gesamtklassements.

Natürlich endete diese Etappe in einem Massensprint, die Frage war nur, ob und wie Mark Cavendish gewinnt. Sein Sprintzug bei Team Sky wurde das erste Mal in einer Grand Tour auf die Probe gestellt, es kam jedoch anders als geplant: in der letzten Kurve stürzte der Niederländer Theo Bos zusammen mit dem norwegischen Meister Alexander Kristoff in die Bande und hielt somit den größten Teil des Pelotons auf. Mark Cavendish hatte nur noch Geraint Thomas vor sich, als Garmin Barracuda 500m vor dem Ziel den Sprint für Tyler Farrar anzog. Cavendish  fand eine Lücke und sprintete über fast 500 Meter alleine zum Sieg. Er kam vor seinem ehemaligen Teamkollegen und Anfahrer bei HTC, Matthew Goss, ins Ziel. Dabei zeigte er, dass er es notfalls auch ohne sechs helfende Teamkollegen hinbekommt, einen Sprint für sich zu entscheiden. (mehr …)