Fotografie

Tour of California 2015 – Ein Erfahrungsbericht – Teil 2

Tour of California 2015 – Ein Erfahrungsbericht – Teil 2

Tour of California avila beach stage four 2015 mark cavendish

Eigentlich hatte ich nur Sommersachen eingepackt, aber am Ende war ich dankbar für den Pullover und die Regenjacke. Was ich, außer beim Start in Sacramento nicht mehr brauchte, waren die Sandalen und die zwei kurzen Hosen. Die heißen Temperaturen, die man in den zahlreichen vorherigen Austragungen der Tour of California vom kalten Deutschland aus beobachten konnte, blieben in diesem Jahr aus.

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Avila Beach, Ziel der vierten Etappe

Das windige Küstenstädchen Pismo Beach bot eine wunderschöne Kulisse für den Start der vierten Etappe. Der schnelle Kurs endete entlang der Promenade in Avila Beach in einem leichten bergauf-Sprint, bei dem Peter Sagan seinen ersten Sieg der Rundfahrt für sich entschied. Stilecht mit Wheelie natürlich. Das GoPro Video vom Zielsprint ist ziemlich beeindruckend.

Auch die Fahrt entlang der Küste herunter nach Santa Barbara war trotz des Wetters atemberaubend. Ich hatte sie, wie sich später herausstellte, einen Tag zu früh auf mich genommen, da in Pismo Beach ein Hotelzimmer (mit Blick aufs Meer!) für mich frei war. Ich dachte allerdings, dass die Teams, wie sonst üblich, direkt nach der Etappe weiterziehen. Ich lag falsch.

Das Handlebar Cafe in Santa Barbara wird geführt von Aaron Olson, Ex-Profi bei Saunier Duval & T-Mobile

Das Handlebar Cafe in Santa Barbara wird geführt von Aaron Olson, Ex-Profi bei Saunier Duval & T-Mobile

Gut ist es daher, wenn man jemanden kennt der sowieso jeden kennt und so kam ich auf der Jungs-WG Couch von Tosh Clements in Santa Barbara unter, der, bis zu einer Verletzung die seine Profikarriere beendete, bei Optum Pro Cycling unter Vertrag stand. Mittlerweile fotografiert Tosh für Rouleur und Peloton Magazine. Nach einem ziemlich leckeren Bagel und schwarzen Tee im Handlebar Cafe fuhr ich Tosh und seinen Bruder zum Start.

Dunkle Wolken über dem Start am Strand von Santa Barbara ließen nichts gutes erahnen. Die fünfte Etappe stellte sich aufgrund des Wetters als schwerste für die Fahrer heraus. Zwei kurze, steile Bergwertungen machten zwar im Gesamtklassement, welches noch immer von Tom Skujins (Hincapie Racing) angeführt wurde, keinen großen Unterschied, aber sintflutartiger Regen und Seitenwind zehrten an den Fahrern. Die gerade Strecke zum Ziel in Santa Clarita war perfekt für den schnellsten Mann im Feld und so gewann Mark Cavendish seine dritte Etappe bei der diesjährigen Tour of California.

Fröstelnde Fahrer nach der fünften Regenetappe nach Santa Clarita

Fröstelnde Fahrer nach der fünften Regenetappe nach Santa Clarita

Mit (ausgerechnet weißen) Sommer-Baumwollschuhen an den Füßen sparte ich mir den Weg zum Ziel und hielt mich lieber im warmen Presseraum auf. Nach und nach kamen Skujins und Cavendish zur Pressekonferenz, wo Tee auf sie wartete, dankend umklammert vom zitternden, „most aggressive rider“ der Etappe, Danilo Wyss (BMC).

Was sich am Tag zuvor bereits ankündigte, wurde während der Etappe um Santa Barbara per Email verkündet: aufgrund von Wetterkomplikationen wurde die Zeitfahr-Etappe um Big Bear Lake spontan zurück nach Santa Clarita verlegt. Verkürzt von 15 auf 6 Meilen, führte der Kurs nun über eine holprigen, technischen Kurs um den Six Flags Freizeitpark in Valencia. Leider blieb keine Zeit zum Achterbahnfahren, aber ich hatte das Glück, eine Runde im Begleitfahrzeug von SmartStop zu sitzen – die engen Kurven und die Schlaglöcher auf der Strecke waren abenteuerlich genug.

Chris Butler überholte Jesús Hernández aus dem Team Tinkoff-Saxo

Chris Butler überholte Jesús Hernández aus dem Team Tinkoff-Saxo

Aufgrund der Beschaffenheit und Länge der Strecke hatte sich die Etappe für die Zeitfahrspezialisten erledigt, dennoch war es spannend zu sehen, wie Peter Sagan sich perfekt in die Kurven legte und mit seinen Sprinterbeinen die Etappe gewann. Sichtlich erfreut darüber, dass er nun auch das Gelbe Trikot an sich nehmen konnte, erzählte er in der Pressekonferenz danach, was ihm half. Sagan hatte Zeit im Windtunnel verbracht und nach Paris-Roubaix auf der Bahn an seiner Zeitfahrhaltung gearbeitet, bevor er in Colorado viel Zeit im Höhentrainingslager verbrachte. Außerdem saß die Ehefrau während der Etappe im Tinkoff-Saxo Begleitwagen und sagte die Zeiten durch. Gute Vorbereitung hin oder her, laut Sagan gilt immer noch: „without legs can’t win.“

Der Profi-Radsportler PinUp Kalender 2014 – unterstützt den Frauenradsport

Der Profi-Radsportler PinUp Kalender 2014 – unterstützt den Frauenradsport

Warum müssen sich immer Frauen ausziehen, wenn sie auf ihre Sportart aufmerksam machen wollen? Die Fotografin Laura Fletcher hatte die großartige Idee, einen Sonderpreis bei der Tour of Britain der Frauen im nächsten Jahr durch den Verkauf eines Profiradsportler-Pin Up Kalenders zu finanzieren.

nathan haas protour pinup calendar 2013

Garmin-Sharp’s Nathan Haas im Planschbecken

Mehr oder weniger ausgezogen haben sich dafür junge, ziemlich dünne Männer aus verschiedenen Teams. Darunter Taylor Phinney in einem italienischen Olivengarten, Nathan Haas im Planschbecken, Jens Voigt in einem Waldstück um Berlin. In Szene gesetzt wurden die Männer meist bei ihnen zuhause, das Motiv konnten sie selbst bestimmen. Jeder mit ein bisschen Humor sollte erkennen, dass das ganze Gepose nicht ganz ernst gemeint ist. Das Pool Foto von Filippo Pozzato scheint seinen italienischen Gigolo Lifestyle allerdings ganz gut zu repräsentieren:

filippo pozzato protour pinup calendar 2013

Pippo Pozzato am Pool

Die Verkaufserlöse kommen ausserdem der Davis Phinney Foundation zu Gute, die nach Taylor Phinney’s Vater benannte Stiftung zugunsten der Parkinson Forschung. Auch Alex Dowsett’s Little Bleeders Stiftung erhält dadurch Unterstützung. Dowsett hatte die Stiftung ins Leben gerufen, um Familien zu helfen, dessen Söhne so wie er an der Bluterkrankheit leiden.

taylor phinney protour pinup calendar 2013

Taylor Phinney mit Tanlines zuhause in Italien

Der Kalender kostet 10£ + 7,25£ Porto nach Deutschland (für bis zu zwei Kalender), insgesamt also knapp 20€. Wer also schon einmal ein Weihnachtsgeschenk für Freund, Freundin, besten Kumpel, Mutter, Vater oder Vereinskollegen sucht, kann den Kalender hier bestellen!

Die Münsterland Giro im Teamauto von NetApp-Endura

Die Münsterland Giro im Teamauto von NetApp-Endura

„I’ve got that camera too!“ Blaž Jarc wirkte um 9 Uhr morgens auf dem Weg zum Teambus wacher als ich und hatte vor dem 200 Kilometer langem Rennen offensichtlich gute Laune. Die Münsterland Giro durfte ich in diesem Jahr vom Auto des Team NetApp-Endura mitverfolgen – eine Premiere für mich. Auch wenn ich vorgewarnt wurde, dass man vom Rennen an sich in der Wagenkolonne nicht viel mitbekommt, war ich trotzdem äußerst angetan von dem Einblick den ich dadurch bekam. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht!

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Enrico Poitschke ist bereits seit der Gründung des Teams Sport Direktor bei NetApp-Endura. Er begrüßte mich freundlich, bevor ich mit Kamera und Handy neben ihm auf dem Beifahrersitz platz nahm. Hinter mir: Mechaniker Hans, drei Ersatzreifen, die Rucksäcke der Fahrer, eine Kühlbox und zwei weitere Ersatzreifen im Kofferraum. Die Karte wurde noch einmal studiert und schon machte sich der Tross aus Teamauto, Bus und Van auf den Weg zum Start in Beckum, 50 Kilometer weiter östlich von Münster.

Beckum ist ein typisch westfälisches Städtchen mit einer verwinkelten Innenstadt. Anscheinend hatte uns das Navi über eine kleine Schleife geschickt, sodass die Busse der anderen Teams bereits auf dem kleinen Parkplatz standen und wir uns irgendwo dazwischen mogelten. Die Jungs blieben erstmal im Bus, während die beiden Mechaniker die Räder aufbauten, Bremsen einstellten, Reifen aufpumpten und die Schaltung überprüften. Auf jeden Vorbau wurde mit einem kryptisch bedruckten Klebestreifen versehen – Kilometerangaben mit zwei Ausrufezeichen, „^“ für den einzigen Hügel im Rennen und ein S für Sprint? Ich habe leider vergessen zu Fragen, was es genau bedeuten sollte. Der angenehm-penetrante Geruch von Eukalyptus-Massageöl und Gesäßcreme lag in der Luft. Man hörte surrende Räder, das Klicken, wenn die Schuhe aus den Pedalen gezogen werden und von weitem den aufgeregte Ansager an der Startlinie.

team netapp-endura muensterland giro radrennen fuji bikes 2013

Mittlerweile hatten die Fahrer ihre Jogginghosen gegen Trägerhosen eingetauscht und entstiegen dem Bus gut gelaunt für eine erste kleine Fahrt, um die Beine in Gang zu bringen und um die Räder zu testen. Autogrammjäger sortierten hektisch durch ihre Auswahl an Kärtchen und die Fahrer unterschrieben, sofern das Bild zum Gesicht passte. Der obligatorische, über den Lenker gebeugte Blick auf die Bremsen verlief unter den Fahrern fast synchron. Auf die Routine folgte das Festziehen der Bremshebel und das Testen der Reifen durch ruckartiges Hämmern des Vorderreifens auf den Parkplatzasphalt, gefolgt von einem erneuten Blick auf die Bremsen und so weiter. Nach der Probefahrt meldete sich Jonathan McEvoy, der Engländer und, laut Profil auf der NetApp-Endura Website Sunnyboy des Teams, mit einem fast unverständlich dicken Scouse Akzent bei Hans, der seine Frage schnell beantworten konnte. McEvoy schien zufrieden, bei seinem „Alright, Alright“ fehlten in der Aussprache mindestens drei Buchstaben.

michael schwarzmann ralf matzka team netapp-endura muensterland giro radrennen 2013

 

Der Start

Der Start erfolgte in der Innenstadt von Beckum, wo an diesem sonnigen Feiertag bereits einige Leute warteten und die Kinder aufgeregt die vorher verteilten, aufblasbaren Stäbe gegeneinanderschlugen. Enrico legte das Teamauto so geschmeidig in die Kurven, dass ich des öfteren vom Haltegriff über der Tür gebrauch machen musste. Auf freier Strecke reihten sich die Autos mühelos und ohne Chaos in die ihnen zugeloste Nummer in der Kolonne. Eine lange, schöne Linie aus Fahrern, Rennleitung, Motorrädern, Teamautos und Krankenwagen machte sich auf dem Weg durch das Münsterland. Enrico hat seinen Beruf mehr als verinnerlicht. Mit einem kritischen Blick aus dem Fenster kommentierte er das Wetter: „Hm, sehr windig heute“. Was mir in der Innenstadt von Münster nicht auffiel, konnte er an den Feldern und Wiesen erkennen, die den starken Böen nachgaben. Da das Rennen größtenteils über schmale Landwege führte, war dies eine wichtige Erkenntnis und sollte den Rennverlauf erheblich beeinflussen. Als das Rennen offiziell gestartet wurde, schaltete Enrico den Kilometerzähler an. 200 Kilometer in mehreren Runden durch das Münsterland folgten.

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Der Tourfunk knarzte durch das Funkgerät und informierte uns über die Fahrernummern in der ersten Ausreißergruppe des Tages. Hans schrieb hinter mir die Nummern auf und nannte Enrico die dazugehörigen Fahrernamen mit Teams. Unter den Ausreißern war auch Tony Martin – wie wir spätestens seit der Vuelta wissen, ist der Zeitfahrweltmeister auch Solo eine ernst zu nehmende Gefahr und könnte den Sprintern das Finish vermiesen. Die Teams, die nicht in der Gruppe waren, gerieten nun unter Zugzwang. Enrico fuhr zum Feld vor, nickte der Rennleitung im Auto kurz zu und wurde zu Scott Thwaites durchgelassen, der sich am Ende des Feldes befand. „We have to be in the break!“ rief er dem Engländer durch das Fenster zu, „tell them!“ woraufhin Thwaites in die Pedalen trat und sich auf den Weg zum Anfang des Feldes machte.

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Auch wenn es dem Team nicht gelang Teil der Ausreißergruppe zu sein, waren sie die treibende Kraft hinter der Tempoverschärfung im Feld, wodurch der Vorsprung stets unter einer Minute blieb. Hans reichte mir Kuchen und Wasser nach vorne und die Zeit verging wie im Flug. Wir verbrachten die nächsten 60 Kilometer bei strahlendem Sonnenschein in der Wagenkolonne, mit Blick auf vorbeiziehende Felder, jubelnde Zuschauer, passive Zuschauer mit Handykameras, sowie Fahrer und DS’s bei der Pinkelpause. Was ich vor der Fahrt immer nie verstand: wie erkannten die Teamautos, dass einer ihrer Fahrer im Rennen den Arm hoch hielt? Wann immer ein Fahrer im hinteren Feld sich meldete, registrieren dies die Organisatoren und gaben es durch: „Argos, nach vorne, Argos to the front“, woraufhin das Auto aus der Kolonne ausscherten und dem Fahrer Kleidung abnahm, etwas besprach oder ihm Essen und Trinken anreichte. Untereinander gab es in der Kolonne keine Reibereien. Wenn sich ein Fahrer zu lange am Auto fest hielt oder jemand versuchte, im Windschatten der Autos ans Feld heranzufahren, gab es über Funk von der Rennleitung eine Verwarnung im drohenden Tonfall.

Währenddessen fuhr Scott Thwaites scheinbar rückwärts. Er war seit der Tour of Britain krank und konnte nicht trainieren, als unser Auto ihn einholte, erklärte Enrico ihm den Weg zur Verpflegungsstelle, wo unser Bus stand. Er wählte mit gequältem Blick die Option Besenwagen.

Belkin übernimmt

ralf matzka team netapp-endura muensterland giro 2013 teamautoDie Ausreißer fielen nach und nach zurück und beim 80. Kilometer waren alle wieder eingeholt. Das Team Belkin übernahm die Führung und sprengte das Feld. Ein ProTour Team kann in einem solchen Rennen erheblichen Schaden anrichten, daher taten sich große Lücken auf. Wir fuhren an einzelnen Fahrern und kleineren Gruppen vorbei, die nicht mehr mithalten konnten. „Haste gesehen? Belkin kam nach vorne und dann wars vorbei.“ Ralf Matzka krallte sich am Fenster fest und erzählte von den Befindlichkeiten im Feld. Hans reichte ihm Wasserflaschen, woraufhin er die alten Flaschen in einem gekonnten, hohen Bogen wegwarf, die neue Bidons blind annahm und im Korb verstaute. Dass ich ihm meine Kamera mitten ins Gesicht hielt, schien ihn nicht zu stören.

„Ich hab ihn schon fast auf der Motorhaube liegen sehen.“

Nach knapp 130 gefahrenen Kilometern wurde ich Zeuge eines perfekten Beispiels von Schwarmintelligenz: Auf einem breiten Abschnitt der Bundesautobahn zerstreute sich die Kolonne in die Breite und einzelne Fahrer steuerten die Teamautos an, um Kleidung abzugeben und Flaschen zu holen. Blaž Jarc wurde zum Auto geschickt und gab einen Klumpen Kleidung ab, besprach sich kurz mit Enrico und belud seine Trikottaschen mit Gels und Riegeln. Er bedankte sich höflich und verschwand kurz vor einer Kurve in einer Lücke zwischen zwei Fahrzeuge, was uns im Auto die Nackenhaare zu Berge stehen lies. Hans lachte, Enrico schüttelte den Kopf.

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Blaž entkam einem Sturz, anderen erging es schlechter. In einem von weitem erkennbaren Turm aus Rädern lagen verheddert drei Fahrer nach einem Sturz innerhalb des Feldes. Sanitäter kümmerten sich darum, schwer verletzt wurde dabei niemand.

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Die letzten 50 Kilometer sollten sich als Rennentscheidend erweisen. Die Musik wurde ausgestellt und der Funk meldete sich im Minutentakt mit den Nummern und Zeiten der aktuellsten Attacken. 40 Kilometer vor dem Ziel konnten sich fünf Fahrer absetzen, die es als Gruppe ins Ziel schaffen sollten. Als sie einen Abstand von einer Minute zum Feld überschreiten konnten, wurden deren Teamwagen über Funk nach vorne beordert. Es wurde ihnen erlaubt, hinter den Ausreißern zu fahren. „Belkin nach vorne, Belkin to the front“.

Ein ungeschönter Einblick ins Hauptfeld

Auf der Suche nach neuen Innovationen in der Radsportübertragung wurde einmal in Erwägung gezogen, den Funk zwischen Auto und Fahrer für die Fernsehzuschauer hörbar zu machen. Für mich leuchtet nun ein, dass das keine gute Idee wäre. Dass der Ton im Feld rau ist, wenn ein Haufen Männer in Spandex mehrere Stunden an ihre körperlichen Grenzen gehen, ist ein Understatement. „Wissta watt, ihr könnt mich mal!“ kommentierte ein Fahrer unser Manöver hinüber zu Roger Kluge. Dazwischen: Dreckige Lacher und Spucklaute mit Material aus den Untiefen der Nebenhöhlen. Kluge überblickte die Situation und schilderte Enrico leicht außer Atem aber mit guter Laune den Zustand der Fahrer und die Pläne für das Finale.

Eine finale Runde in Münster

Anscheinend fuhr das Feld durch den starken Wind am Limit und die Ausreißer erreichten schnell einen Vorsprung von zwei Minuten. Somit war die Entscheidung gefallen. Die letzte Runde durch Münster wurde ohne Autos absolviert, weil der Abstand laut Rennleitung zu groß war und die Fahrer die Autos hätten überrunden können.

Wir parkten neben dem Teambus auf dem Münsteraner Schlossplatz, wo die Soigneurinnen bereits fleissig Flaschen verteilten. Es war das letzte Rennen der Saison, somit verschenkten sie alle Bidons, da zum nächsten Jahr sowieso neue geordert wurden. Ich habe mir selbstredend auch welche eingesteckt.

Blaž Jarc sprintete auf den 18. Platz und die verbliebenen Fahrer eierten nach 200 Kilometern in den Beinen zum Bus. Ich unterhielt mich mit den netten Soigneurinnen, die die verbliebenen Flaschen ausleerten und unser Teamauto zusammen mit den Mechanikern freiräumten. Ich ergriff die Gelegenheit und fotografierte Michael Schwarzmann alleine vor dem Bus. Er fragte mich, wie es im Auto war, ich erzählte von Blaž‘ haarscharfem Manöver – „Ja, das wird schon manchmal echt knapp“, so Schwarzi, der in seiner Profilaufbahn sicher schon unvermeidbar viele Begegnungen mit dem Asphalt hatte.

michael schwarzmann muensterland giro 2013 profi radrennen

Ich holte mir für die Website noch ein Statement von Enrico und liess mir von den Soigneurinnen den Weg zum Bahnhof erklären. Dorthin lief ich über die Promenade der schönen Stadt Münster. Ein gutes Ende eines Tages, der für mich zu den Highlights in meinem Dasein als Radsportfan gilt.