Bye Bye Backstage Pass

Team Orica Green Edge Backstage Pass Dan JonesNach sechs Jahren hängt Dan Jones seinen Job als Kameramann bei Team Orica-Scott an den Nagel. Wer seine Serie Backstage Pass kennt, weiß, wie einzigartig dieses Format war – und wie sehr es fehlen wird.

Der Neuseeländer wurde von Anfang an als Teil des Teams mit in die GreenEdge Familie aufgenommen, was durch die Clips und die Nähe zu Fahrern und Mitarbeitern deutlich wird. Sehr ungefiltert sprach er hinter der Kamera mit den Protagonisten und bekam ehrliche Antworten. Gezeigt wurde somit ein einzigartiger Einblick in die Welt des Profi-Radsports und vor allem die Charaktere hinter dem Sport.

Social Media und PR-Strategien der Teams haben sich jahrelang auf immer die selben Bilder, Typen auf Rädern mit Helm und Sonnenbrille, konzentriert. Die anonyme Gruppe, Fahrer die man so gut wie nie außerhalb von Interviewsituationen sprechen hört. Mit Backstage Pass hat sich dies im Jahr 2012 geändert.

„Die Klassements waren mir immer etwas egal, mich interessierten eher die Persönlichkeiten“ – Dan Jones

Ich selbst wurde beim ersten großen Sieg des Teams, als Simon Gerrans Milan San Remo gewann, auf die Serie aufmerksam. Hier sieht man noch, wie grob die Optik, Schnitt und das Tempo war, aber auch wie roh und ungefiltert der Einblick ist. Wann hat man vorher die Sportdirektoren im Teamauto so ausrasten sehen?

Oft kopiert, nie erreicht

Viele Teams haben seitdem versucht sich diesem Format anzunähern, und sind letztendlich gescheitert. Dies hatte viele Gründe: Dan Jones war fest im Team integriert und akzeptiert, seine Arbeit wurde, auch durch seine lockere Art, von den Fahrer nicht als PR-Maßnahme wahrgenommen und sie waren immer für ein Kommentar bereit. Ein weiterer Grund, und wohl auch der Grund warum Dan nun aufhört, ist die viele Arbeit, die dahinter steckt. Nicht nur der Umstand, dass Dan ca. 100 Tage im Jahr mit dem Team mitreiste, er hatte vor, während und nach den Rennen gefilmt und dies mit offiziellen Rennbildern, Velon Clips und GoPro Material aus dem Teamauto zusammengeschnitten. Fotografen und Videographen wie er sitzen somit meist bis tief in die Nacht an der Nachbearbeitung ihrer Bilder – bis es am nächsten Tag um 7 Uhr morgens weiter geht.

Um dieses Format sechs Jahre lang so erfolgreich zu meistern, bedarf es einiges an Kreativität. Als Dan Jones von den Veranstaltern der Giro d’Italia 2016 nicht die Erlaubnis bekam, offizielles Bildmaterial zu nutzen, stellte er die wichtigsten Etappen kurzerhand mit Kinderspielzeug nach.

Mut zur Lücke – und Selbstironie

Backstage Pass hat zweifelsfrei dazu beigetragen, dass sich Orica-Scott schnell zu einem der beliebtesten Teams bei Fans entwickelt hat. Dan Jones und das Team übersetzten die Lockerheit „Down Under“ in den Videos ohne Kompromisse. Dazu gehört einiges an Mut inmitten von sehr braver Kommunikation anderer Teams. Glatt gebügelt und oft mit weitaus größerem Budget, schaffen andere Mannschaften dennoch nicht die Gratwanderung zwischen Inhalten mit Mehrwert, seltene Einblicke und etwas Albernheit.

Dan Jones hat vor sechs Jahren einfach mal losgelegt und das Team hat ihn machen lassen – und er hat ein einzigartiges Gespür für Storytelling bewiesen. Wie man Tiefpunkte, wie bei der Giro 2014, wo das Team mit nur noch zwei Fahrern das Rennen bestritt, öffentlichkeitswirksam ins Positive dreht und charmant inszeniert, zeigt sich im Backstage Pass der letzten Etappe: Sportdirektor Matt White und die beiden verbliebenen Fahrer schickten Dan Jones im Orica-Trikot mit allen nicht-anwesenden Fahrernummern zum Start. Jones war sich nicht einmal zu schade, die Momente im Video zu lassen, in denen er den Profi Michael Hepburn fragt wie man am Rad überhaupt schaltet.

Laut Orica-Scott wird sich Dan Jones in Zukunft erst einmal um seine Familie kümmern, der Backstage Pass wird nicht ohne ihn fortgeführt. Das Team kündigte dennoch bereits an, viele neue Ideen für die kommende Saison umsetzen zu wollen. Wer so ein mutiges und gut gemachtes Format durchsetzt, bekommt es zweifelsohne hin, uns weiter hervorragend zu unterhalten.

 

Weitere Highlights:

Der Tag an dem der Teambus unter dem Ziellinien-Banner hängen blieb.

Simon Gerrans gewinnt Liege-Bastogne-Liege 2014

„Call me Maybe“ – ein viraler Hit

Hier übrigens mein Favorit, „Where’s Froomey“. Classic Banter.

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