Brian Cookson’s Versprechungen als neuer UCI Präsident

Das 20-seitige Manifest von Brian Cookson ist bereits seit Ende Juni frei verfügbar, doch erst durch seine Wahl zum neuen Präsidenten der UCI wird dieses Dokument für den Radsportfan interessant.  24 der insgesamt 42 UCI Verbandsfunktionäre stimmten für ihn und sein „Wahlprogramm“, nun liegt es an Cookson,  Fans und Sportler davon zu überzeugen, dass er seine Versprechen einlösen kann.

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Foto: Pendle BC Flickr CC-BY-NC-ND

Wer ist Brian Cookson?

Der 62-jährge gibt mit seiner Wahl das Amt als Präsidenten des Britischen Radsportverbandes auf, welches er seit 1997 auführte. Auch wenn man ihm die Erfolge von British Cycling sicher nicht alleine zuschreiben kann, begann mit ihm der Aufstieg des Verbandes zum derzeit erfolgreichsten der Welt. Was mit Chris Hoy und den frühen Erfolgen auf der Bahn begann, wurde bis heute mit Team Sky auf der Straße weitergeführt. Der Erfolg kommt durch die Etablierung der British Cycling Academy für Nachwuchstalente und dem Lotto Fund, welcher den Sportlern ein sicheres Einkommen und dem Verband, auch mit Unterstützung der Regierung, die beste Ausrüstung gewährleistet. Radsport boomt in Großbritannien, irgendetwas muss British Cycling unter Brian Cookson richtig gemacht haben.

Brian Cookson machte seine Kandidatur am 04. Juni bekannt und war somit der einzige Herausforderer von Pat McQuaid, welcher das Amt als UCI Präsident seit 2005 innehielt.

Cookson’s Wahlversprechen – die fünf Hauptpunkte

Cookson verfasste sein Manifest unter dem Slogan „Vertrauen wiederherstellen, Veränderung anführen“ und führt fünf, breit gefächerte Hauptpunkte an, mit denen er die Verbände von sich überzeugen wollte. Dabei zielt er, gerade mit dem Slogan, auch auf die Unterstützung der Radsportfans ab.

  • Den Anti-Doping-Ansatz revolutionieren

Dazu gehört eine komplett unabhängige Anti-Doping Kommission, die, so Cookson, derzeit nur vom Namen her unabhängig ist – sie liegt, so Cookson „In der UCI Hauptzentrale am Ende des Korridors zum Präsidentenbüro, wobei alle Fälle von der Rechtsabteilung der UCI bearbeitet werden.“

Die ständigen Auseinandersetzungen mit der WADA und deren nationalen Ableger wie die USADA sollen endlich ein Ende haben. Cookson will sich dafür einsetzen, dass die WADA der UCI wieder vertraut.

Dazu führt er an, die Strafen für Doper erhöhen zu wollen. Der neue WADA Code, welcher Sperren für neue Dopingvergehen von zwei auf vier Jahre verlängern soll, hat seine volle Unterstützung. Dabei will er den Fokus nicht nur auf die Fahrer legen, sondern auch auf „Enabler“ wie Trainer, Doktoren und Manager. „Höhere Strafen werden als Abschreckung für die Minderheit dienen, die betrügen will. Dazu gehört auch eine bessere Effizienz von Tests, während und außerhalb von Wettkämpfen“.

  • Offenheit und Transparenz annehmen

Cookson will das gesamte Einkommen des UCI Präsidenten, also auch seines, komplett offenlegen, um mögliche Interessenkonflikte sichtbar zu machen. Die Vorwürfe von Korruption, sowie der Doping-Vetuschung von Seiten der UCI, will er prüfen lassen. Er lehnt es zudem ab, anders als es derzeit wohl üblich ist, als Präsident auch als de-facto verantwortlicher Direktor zu handeln. Das Management Komitee will er stattdessen als Ausschuss führen – ohne Alleingänge.

Die Rolle der Athleten möchte er stärken, indem er ihnen durch Zusammenarbeit mit der Athleten-Kommission ein Mitspracherecht im Ausschuss gewährt.

  • Radsport weltweit fördern

Zur Förderung und Ausbau des internationalen Radsports setzt Cookson auf die Einführung eines internationalen Entwicklungsprogrammes. Das World Cycling Centre, eine von der UCI initiierte Nachwuchsakademie, will er mit einem höheren Budget fördern, weitere Zentren aufbauen und die Aufnahme von Fahrern aus Entwicklungsländern vorantreiben. Ausserdem sollen mehr Kurse für Sport Direktoren, Trainer, Mechaniker, Kommissäre und Event-Organisatoren stattfinden.

Die jüngsten Konflikte mit dem IOC möchte er aus dem Weg räumen, um dem Radsport im Olympischen Programm einen höheren Stellenwert zu verschaffen. Cookson ist als ehemaliger Präsident von British Cycling natürlich an der Rückkehr von traditionellen Bahnrad-Disziplinen wie der Einzel-Verfolgung und dem Punkterennen als eigenständige Olympische Disziplinen interessiert. Er hat sein Augenmerk sowohl auf die MTB-Downhill Disziplin gerichtet, als auch auf den internationalen Ausbau des Para-Radsports.

Die Kommunikation zwischen der UCI und deren und nationalen Ableger soll verbessert werden, so Cookson.

  • Den Frauenradsport ausbauen

Um den Frauenradsport zu fördern und voranzubringen, will Cookson eine Kommission gründen, die aus Repräsentanten von Seiten der Fahrer, Teams, Sponsoren und den Medien besteht. Neue Rennen sollen ins Leben gerufen und die Zusammenarbeit mit Fernsehsendern verbessert werden. Um die Attraktivität für Sponsoren zu steigern, möchte Cookson Frauenradsport vermehrte Medienaufmerksamkeit beschaffen. Die nationalen Verbände will er dazu anspornen, den Frauenradsport ernster zu nehmen.

Um den Frauen eine Stimme zu geben, soll innerhalb der UCI in jeder Kommission mindestens eine Frau Mitglied sein, sowie mindestens eine Kommission von einer Frau geleitet werden.

  • Die Struktur des Profiradsports überholen

Brian Cookson möchte den Rennkalender für Profis sinnvoll verändern. Eine klare, einfache Linie für Zuschauer, Sponsoren und TV-Sender soll dabei verfolgt werden. Eine schlüssige, passende Serie von Radsport-Events als „Teil von etwas Größerem, anstelle von einzelnen, alleinstehenden Rennen“.

Dabei soll es genaue Kriterien für neue Rennen in vom Radsport unterrepräsentierten Gebieten geben. Dabei geht Cookson genauer auf die Tour of Beijing ein, einer relativ neuen Rundfahrt am Ende des Saisonkalenders, welche von der Global Cycling Promotion (GCP) Agentur der UCI ins Leben gerufen wurde. Die Funktion und die Interessen der GCP will er näher untersuchen und dabei den Fokus der Promotions-Aktivitäten der UCI mehr auf den Ausbau bereits existierender Rennen richten.

Zuletzt merkt er an, dass es für Profi-Radsportteams eine bessere, langfristige finanzielle Sicherheit geben muss.

Zu schön um wahr zu sein?

Die Frage drängt sich nach dem Lesen des Manifests geradezu auf. Cookson hat bei den Fans, Journalisten und den Teams genau hingehört und viele Kritikpunkte der letzten Jahre hineingearbeitet. Es wirkt alles sehr vernünftig. Dennoch haben seine Versprechen den Beigeschmack eines typischen Wahlprogrammes – woher kommt das Geld und wie genau wird das alles umgesetzt?

In einem Sport wie Radsport, welcher von Sponsoren und TV-Rechten abhängig ist, ist Geld immer ein Problem. Cookson hat das Problem der TV-Lizenzrechte nicht angesprochen, mit denen großes Geld verdient wird. Dabei sind es vor allem Rennveranstalter, wie die ASO als Veranstalter der Tour de France und anderen Rennen, die den Rechteverkauf alleine regelt und die Erlöse einsteckt.

Auch fehlen die Anmerkungen zu aktuellen Problemen innerhalb der Liga. Katusha wurde zu Beginn der Saison als ProTour Team ausgeschlossen und dann nach einem Urteil der CAS wieder aufgenommen – wie will Cookson die Kriterien zum Liga Auf- und Abstieg reformieren, die noch immer mehr oder weniger geheim und anscheinend nicht rechtssicher sind?

Sein Wahlprogramm ist kompakt und fanorientiert. Die UCI hat ein großes Aufgabengebiet und Cookson versuchte, jede Disziplin darin mindestens ein Mal zu nennen. Ein echter Crowdpleaser.

Seinen Wahlkampf führte er vor allem in den britischen Medien, wo seine Zielgruppe, die Funktionäre der weltweiten Radsportverbände, sicher wenig erreicht wurde. Die Frage, ob er gegenüber dem Verband, den er 16 Jahre anführte, wirklich neutral sein kann bleibt abzuwarten.

Dennoch bleibt kein Zweifel daran, dass die UCI eine Veränderung an der Spitze dringend nötig hat. Allein der Umstand, dass Pat McQuaid abgewählt wurde, könnte für einen Vertrauensgewinn sorgen. „Die da oben“ haben lange genug zu wenig gewusst, offenbar sind auch sie bereit für einen Neuanfang. Cookson’s beruflichen Erfolge mit British Cycling sind kaum von der Hand zu weisen, aber die UCI ist, geschädigt durch den autoritären, unsympathischen und undurchsichtigen Führungsstils seines Vorgängers, eine ganz andere Baustelle. Der Druck auf Brian Cookson ist und bleibt hoch, ohne eine solch hohe Erwartungshaltung wäre er sicher kaum ins Amt gewählt worden. Restoring trust, leading change – Es ist eine Chance auf Veränderung, aber das Vertrauen muss er sich erst noch hart erarbeiten.

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