Geschichten aus dem Profi-Radsport Peloton

Vorschau: Die UCI Weltmeisterschaften 2014

Vorschau: Die UCI Weltmeisterschaften 2014

Nachdem Bradley Wiggins beim Zeitfahren am Mittwoch schon eher unverhofft den dreimaligen Weltmeister Tony “Panzerwagen” Martin beim Zeitfahren besiegt hat, könnte auch der hügelige Kurs beim Straßenrennen am Sonntag für Überraschungen sorgen.

Der Streckenverlauf liegt eher den kräftigen, kletterfähigen Fahrern im Feld, die jedoch auch ihre Reserven für einen eventuellen Sprint am Schluß aufheben können.

Die üblichen Verdächtigen

Peter Sagan ist als Einzelfahrer immer eine Gefahr, mit der man rechnen muss. Der Slowake hatte jedoch in Sachen Platzierungen in diesem Jahr weniger Glück: vier zweite Plätze bei der Tour de France, dafür aber erneut das Grüne Trikot als Sieger der Punktewertung. Die Vuelta ließ er langsam angehen, da er sich nach eigener Aussage auf die Weltmeisterschaft konzentrieren wollte. Ein großer Nachteil für Sagan: er bringt ein schwaches Team mit, welches nur ihn und die beiden Velits-Brüder Peter (BMC) und Martin (OPQS) umfasst.

Foto: Ticino Turismo ( CC-BY-NC

Foto: Ticino Turismo (Flickr) CC-BY-NC

Auch Fabian Cancellara tritt nur mit einer Dreier-Mannschaft an, hat jedoch im Gegensatz zu Sagan in der Vergangenheit bewiesen, dass er sich auch alleine durchsetzen kann. Cancellara hatte sogar das Zeitfahren am Mittwoch ausgelassen, um seine Kräfte für Sonntag zu sparen. Ein besonderer Ansporn für ihn: sein Karriereende ist nicht mehr weit, das nächste Ziel für ihn wäre wohl nur noch der Stundenrekord zu brechen, den Jens Voigt vor kurzem aufstellte (bevor Bradley Wiggins ihn anpeilt).

Bei den Wettmachern ist Simon Gerrans der hohe Favorit, der bei den letzten Saisonrennen eine gute Form bewies und vor knapp zwei Wochen sowohl den Grand Prix Cycliste de Montréal als auch den Grand Prix Cycliste de Québec gewann. Gerrans hat ein besonders starkes Team, muss sich die Leaderrolle jedoch mit Michael Matthews teilen, der in dieser Saison mit Siegen bei der Giro und der Vuelta seinen Durchbruch erlebte. Übrigens: Sportwetten online mit den besten Quoten bei William Hill.

Ein Heimvorteil ist ein notorisch überbewertetes Kriterium, und auch die vielen Top 3 Platzierungen zählen bei Alejandro Valverde’s Vergangenheit nicht viel. “Der Unbesiegbare” sorgte im letzten Jahr schon für gewaltigen Unmut in seinem Team, als er, wie dieser ihm später vorwarf, seinem Kapitän Joaquim Rodriguez in den letzten Metern nicht half, und daraufhin Valverde’s Teamkollege Rui Costa das Regenbogentrikot gewann. Valverde wird nicht nur aufgrund seiner Haare kontrovers diskutiert, wahrscheinlich auch im eigenen Team.

Geheimfavoriten

Alex Howes, Foto: Wooly Matt (Flickr) CC-BY-NC-ND

Alex Howes, Foto: Wooly Matt (Flickr) CC-BY-NC-ND

Die USA starten mit einem fast jungfäulichen Team. Der mit 34 Jahren älteste Amerikanische Teilnehmer ist Eric Marcotte, der überraschende Landesmeister auf dem US Continental Ligateam SmartStop Pro Cycling. Kapitän wird Garmin’s Alex Howes sein, der nach einer Verletzung spät aber fit in die Saison startete. Die USA stellen vermutlich das erste Team in 10 Jahren, in dem noch kein Fahrer mit Lance Armstrong in einem Team fuhr.

Der Grund warum in jedem Jahr ein Brite als Favorit gehandelt wird, liegt wohl an der Übermacht der Britischen Medien im Radsport. Bei Mark Cavendish hat es im Jahr 2011 hervorragend funktioniert, weil sich das gesamte Team für ihn aufopferte und der Britische Radsport auf dem Höhepunkt seiner Popularität stand. In diesem Jahr ist es fraglich, ob Chris Froome, Pete Kennaugh und Geraint Thomas sich auf den unscheinbaren Teamleader und Teamkollegen Ben Swift konzentrieren werden und ob die Yates Brüder (beide Orica-GreenEdge) nich doch einen Alleingang starten.

Um das Deutsche Team ist es überraschend ruhig, dabei stehen John Degenkolb Fahrer wie Andre Greipel, Simon Geschke, Tony Martin und Paul Voss zur Seite, die ihn über die 254 Kilometer einige Arbeit abnehmen können. Der Kurs ist eventuell ein wenig zu schwer für Degenkolb, der nach dem Sieg des Punktetrikots bei der Vuelta noch einige Tage aufgrund einer entzündeten Wunde im Krankenhaus verbringen musste. Falls es jedoch, wie von einigen vermutet, zu einem Sprint aus einer kleinen Gruppe kommt, hat er des öfteren bewiesen, dass er auch nach einer harten, langen Etappe die letzten Kraftreseven mobilisieren kann.

Dieser Beitrag entstand durch Unterstützung eines Online-Wettbüros

Über eine eventuelle Rückkehr von ARD & ZDF zur Tour de France

Über eine eventuelle Rückkehr von ARD & ZDF zur Tour de France

oeffentlrechtl_2014Seit der Tour de France 2011 und der Auflösung der deutschen Teams T-Mobile, Gerolsteiner und Milram hat kein öffentlich-rechlichen Sender mehr von der Tour de France berichtet. Nun interessieren sich das Fernsehen vermehrt für die sympathischen neuen deutschen Radsportprofis und es gibt Gerüchte über ein Comeback. Was würde eine Rückkehr der größten deutschen Sender für den Sport bedeuten, ist das Interesse überhaupt noch vorhanden und wie sollten ARD und ZDF das Programm im Sinne der Fans gestalten?

Die Aufmerksamkeit wurde hart erarbeitet

Nicht nur die Etappensiege und Gesamterfolge deutscher Profis und Teams bei der letzten Tour de France zeigen, dass sich Radsport in Deutschland hervorragend vermarkten lassen könnte. Marcel Kittel, Andre Greipel und Tony Martin gewannen zusammen sieben Etappen, das deutsche Team NetApp-Endura stand durch eine Wildcard-Einladung als erstes deutsches Team seit 2010 am Start, deren Fahrer Leopold König, ein Tscheche, schaffte es sogar auf den siebten Rang der Gesamtwertung.

Auch wenn Ulle’s Karriereende bereits sieben Jahre zurückliegt, entspricht sein magentafarbenes Team das erste Bild in den Köpfen der Deutschen beim Stichwort Profiradsport. Seitdem hat jedoch eine neue Generation längst den Großteil der “Helden” abgelöst. Auch finden, mit argwöhnisch betrachteten Ausnahmen, immer weniger Ex-Doper den Weg zurück in den Sport über Management- und Leiterrollen. Die heutigen, jungen Talente verdanken ihre Erfolge auch dem Abgang einer verlorenen Generation, sie konnten sich über die vielen Unkenrufe hinweg behaupten und haben es verdient, sich Gehör zu verschaffen.

  • Der Jedermann-Boom als Vermarktungsinstrument

Die Deutschen stehen dem Radsport durchaus aufgeschlossen gegenüber, zumindest wenn es um den Jedermannsport geht. Insgesamt 4000, meist ausgebuchte Startplätze gibt es beim wohl härtesten Jedermannrennen in Österreich, dem Ötztaler Marathon durch das Ötztal und das Tiroler Mittelgebirge. Über 20.000 Anmeldungen erreicht das größte deutsche Jedermann-Event, die Vattenfall Cyclasics in Hamburg. Deutschland ist für Sponsoren ein unheimlich wichtiger Markt, der jedoch durch die vielen Skandale und das geringe Medieninteresse kaum erschlossen werden kann.

Einerseits kann man nicht automatisch vom Erfolg des Jedermannsports auf ein potentiell hohes Interesse am Profiradsport schließen, abwegig ist es dennoch nicht. Der Radsportboom in Deutschland wurde von Jan Ullrich ausgelöst, unter völlig neutralen Gesichtspunkten kann auch ein Jedermann-Boom ein Interesse am Profiradsport wecken.

  • Ein ziemlich deutsches Problem

ZDF_Tour2011In der Neutralität liegt jedoch das Grundproblem: der Profiradsport in Deutschland ist wie in keinem anderen Land so mit negativer Aufmerksamkeit belegt, die Deutschen sind ausgesprochen nachtragend und begegnen dem Sport voreingenommen und in vielen Foren und Kommentarspalten mit blankem Hohn. Ehemalige Fans ziehen über den Radsport her, als hätte Jan Ullrich ihnen persönlich ans Bein gepinkelt.

Dazu kommt, dass wenn etablierte deutsche Medien schon vom Radsport berichten, oft ein zynischen, flapsigen Unterton und eine nachlässige Recherche dazukommt. Der Fokus liegt dabei auf den “schwierigen” Teams und vernachlässigt dabei, was im Großen und Ganzen drumherum eigentlich passiert. Während britische Medien von aufstrebenden, jungen Franzosen berichten, die bei der Tour 2014 die Plätze zwei und drei belegten, lässt sich die Süddeutsche Zeitung lieber über Alexandre Vinokurov und seinem Siegerteam Astana aus. Das ist kein investigativer Journalismus, das ist rückständig, kleingeistig und am Interesse der Öffentlichkeit vorbeigeschrieben. Und ja: ich bin sauer.

Wer heute Radsportfan ist, dem wird Naivität vorgeworfen, denn der Profiradsport dient noch immer als Aushängeschild für Doping in Ausdauersportarten. Wenn ein Fussball-Physiotherapeut wie Sven Rinke (1. FC Köln) zu Doping gefragt wird, antwortet er „Nutzen würde es bei der Regeneration und teilweise bei der Ausdauer. Aber Fußball ist nicht Radsport – da reichen auch viel Schlaf und ein guter Lebenswandel, um fit zu sein.“ Fußball ist natürlich nicht Radsport, aber im Radsport kann, anders als im Fußball, unverhältnismässiger Kortison- und Schmerzmittelgebrauch auch eine vierjährige Sperre mit sich ziehen.

Aber das Gejammer über die Reputation des Sports im Vergleich zu anderen Sportarten hilft nichts – es geht schließlich darum, die Einzigartigkeit des Radsports herauszustellen. Dazu gehören auch die zahlreichen Kontrollen und im Radsport vorhandenen Alarmmechanismen wie der Blutpass oder grundlegende Einschränkungen durch die No-Needle-Policy.

  • Doping nervt

Auch Lance’s Geständnis ist schon zwei Jahre her. Selbst neue Enthüllungen um Fahrer in zwielichtigen Teams verwundern Fans nicht – weil die meisten wissen und darauf vertrauen, dass es heute auch anders geht. Man könnte es auch mit jahrelang antrainiertem Zynismus erklären, aber die Tatsache, dass die Kontrollen funktionieren und noch immer positiv getestet wird, nimmt einem das flaue Gefühl beim Blick auf die Ergebnislisten.

Man kann ein Team mit einem klaren, sauberen Standpunkt auf die Beine stellen, welches dann die Giro d’Italia gewinnt, so gesehen bei Team Garmin-Sharp. Auch führen technische Neuerungen, viele viele Sponsorengelder und taktische Langweile zwei Jahre in Folge zum Sieg bei der Tour de France, wie bei Team Sky gesehen. Und wenn Lance den Fahrern eins gelehrt hat, ist dass sich Doping sich auf langer Sicht nicht lohnt – irgenwann kommt es zurück und beisst einem in den Hintern.

  • Näher an die Fahrer

MarcelKittel_ZDFInterviewDer Sender Eurosport verdient viel Respekt und unendlichen Dank dafür, dass er dem Radsport in diesem Ausmaß treu geblieben sind. Trotzdem gibt es noch so viel Potential, welches der Sender in der deutschen Fassung verpasst. Viele Fahrer äußern sich ohne PR-Einfluss des Teams frei auf Sozialen Medien wie Twitter und dies umfasst nicht nur lustige Einblicke von der Massagebank. Zwar halten sich die deutschen Profis in den Sozialen Medien eher zurück, geben sie dennoch aufschlussreiche Interviews und Kommentrare in Kanälen abseits von den großen Radsport-Printmedien.

Mittlerweile unterhalten die Videos der Teams nach dem Rennen fast mehr, als die eigentliche Live-Übertragung. Dabei zeigen uns der Erfolg der Teaminternen Videos, wie sehr Fans an einer näheren Berichterstattung interessiert sind. Und das ist sogar physisch gemeint: Livebilder vom Rennrad aus sind derzeit wohl technisch noch nicht möglich, aber die wohl spannendste Innovation der letzten Jahre. Eine Wiederholung des Sprints der Etappe des Vortages aus sich der Fahrer wäre dennoch ein großer Mehrwert für den Zuschauer.

Kommentatoren können stundenlange Übertragungen von Flachetappen nicht nur durch den Hinweis auf das architektonisch schöne Rathaus der nächsten Stadt aufpeppen – wie es den Fahrern geht, erfahren sie meist aus erster Hand, wenn sie nur mal hingehen und fragen. In kaum einer Sportart sind die Athleten zugänglicher und weniger abgeschottet als im Radsport. Anders als in anderen, PR-getrimmten Sportarten verschonen einem die meisten Radsportler zudem mit Floskeln, wenn man sie nicht gerade direkt nach Alpe d’Huez fragt, wie sich die Beine anfühlen.

Es stellt sich die Frage: wen verpflichten ARD und ZDF als Fachmänner? Wer sich ausgiebig mit dem heutigen Sport beschäftigt, kann die alten Gesichter einfach nicht mehr sehen. So unterhaltsam “Höllentour” auch war, Erik Zabel als Fachmann vor die Kamera oder vors Kommentatorenmikro zu holen wäre ein enormer Rückschritt und das absolut falsche Signal. Es würde so aussehen, als ob im Profiradsport alles beim alten geblieben ist und die Radsportberichterstattung die “Goldene Ära” glorifiziert. Ete hat dennoch immer ein Platz in unserem Herzen. Es sei denn er hat noch ein Geständnis vom Geständnis-Geständnis zu machen.

  • Hintergründe und Skurilles

Als langjähriger Fan verliert man schnell aus den Augen, dass viele Dinge für Neulinge interessant sein können, über die man sich selbst längst keinen Gedanken mehr macht. Nicht selten hört man von weniger Radsport-affinen Leuten die Frage, mit wie vielen Gängen die Fahrer eigentlich die Berge hochfahren oder wie man am Rennrad überhaupt schaltet. Auch scheint das Rätsel, wie man als Profi unterwegs die Blase entleert (nicht ohne Grund ist dieser Artikel der beliebteste dieser Website), eine unerklärliche Faszination auf den deutschen Fan auszuüben.

Aber auch Fragen darüber, wie viel die Sportler eigentlich essen und am Ende der Etappe wieder an Kalorien verbrannt haben kommen immer wieder auf und heben hervor, was die Fahrer während einer Rundfahrt eigentlich leisten.

  • Vom deutschen Blick abweichen

Es ist schön zu sehen, dass die deutschen Fahrer vermehrt in die Öffentlichkeit treten und vermehrt weniger doofe Fragen beantworten müssen. Die heutige Generation an Fahrern ist eloquent im Umgang mit den Medien und definitiv nicht auf den Kopf gefallen. Zudem kann sich heute keiner mehr leisten kein Wort Englisch zu sprechen (so wie damals Ulle), denn in den ausländischen Medien genießen deutschen “Stars” große Sympathien.

Die Fahrer kommen aus internationalen Teams und die Teamstruktur im Profiradsport ist zu komplex, um sich auf eine Fahrergruppe zu versteifen. Durch unsichere Sponsorengelder wechseln viele Teamnamen zudem regelmäßig und die Fahrer relativ häufig das Team.

Ein Fokus auf eine kleine Anzahl deutscher Fahrer oder auf ein bestimmtes Team weckt Erwartungshaltungen bei den Zuschauern und baut unnötigen, öffentlichen Druck auf. Jan Ullrich war nie ein Held und auch Jens Voigt fährt nur sehr gerne sein Rennrad. Es muss also ein gesunder Mittelweg zwischen Telekom-Hype und Fanpflege gefunden werden.

Trotzdem: der Weg, neue Fans vom Radsport zu begeistern, führt über die Fahrer. Wenn der potentielle Fan eine Sympathie für einen Sportler entwickelt, setzt er sich gerne mehrere Stunden vor den Fernseher, um ein Rennen zu verfolgen. Dieser Sportler muss nicht unbedingt Deutsch sprechen, um ihn für das deutsche Publikum interessant darzustellen.

Wieso ein Wiedereinstieg wichtig ist

Radsport finanziert sich ausschließlich aus Sponsorengeldern, es gibt kein Geld aus Ticketverkäufen oder Übertragungsrechten. Wenn die Sponsoren also ein großes Publikum erreichen, lohnt ein Investment in den Sport um so mehr. Ein geringeres Gefälle zwischen den Gehältern baut Druck ab, kann (!) zur Fairness des Sports beitragen und tut der gesamten Radsportbranche gut. Radsportfans zeigen sich dankbar: Umfragen haben ergeben, dass immerhin 38% der Radsportfans eher ein bekanntes Sponsoringprodukt kaufen, als ein gleichwertiges Produkt, dessen Namen nicht im Peloton zu sehen ist.

Es ist an der Zeit, dass die großen deutschen Sender wieder über das größte jährliche Sportevent der Welt berichten. Profiradsport ist schöner und sympathischer als noch vor vielen Jahren, gibt ihm eine zweite Chance. Schließlich habt ihr Andrea Kiewel auch eine gegeben.

Linktips zur Tour de France 2014

Linktips zur Tour de France 2014

Wer während der Tour de France keine interessanten und unterhaltsamen Hintergrundinfos verpassen will, dem lege ich gern ein paar Links ans Herz.

Die Liste beinhaltet meist englischsprachige Websites – in den deutschen Medien findet ihr wie immer die üblichen Dopingdiskussionen, auf deutschsprachigen Radsportnewswebsites bei Interesse auch lieblose copy & paste dpa-Meldungen. Die Linksammlung ist nicht Tour-Spezifisch und umfasst einige meiner persönlichen Favoriten für die gesamte Saison.

Podcasts

Auf dem Weg zur Arbeit oder beim Bügeln eignen sich Podcasts zum Thema Radsport hervorragend dazu, sich auf den neuesten Stand zu bringen und den üblichen Kantinendiskussionen mit Kollegen über Radsport etwas entgegenzusteuern. Ein iPhone braucht ihr dazu nicht, die Episoden könnt ihr via Rechtsklick auf den Titel auch als Mp3 runterladen.

The Cycling Podcast aka Telegraph Cycling Podcast

Seit nun einem Jahr bietet der Podcasts mit den im englischsprachigen Raum wohl bekanntesten Radsportjournalisten die interessantesten Infos und Gespräche über den Sport. Mit einer jahrelang antrainierten Distanz zum Radsport, jedoch nie ohne Humor, diskutieren das Grundgerüst um Richard Moore, Daniel Friebe und Lionel Bernie als Vor-Ort Kommentatoren aktuelle Entwicklungen und Themen bei der Tour de France. Auch für Einsteiger sehr gut verständlich.

Open Mic with Mike Creed

Ein Podcasts, der zwar nicht immer tagesaktuell von der Tour de France erzählen wird, an den man aber als Radsportfan nicht vorbei kommt. Michael Creed interviewt als Ex-Profi bei US Postal hauptsächlich frühere Teamkameraden und Kontakte aus der US-Liga. Dennoch bekam er schon David Millar, Levi Leipheimer und George Hincapie vors Mikrofon – aus meiner Sicht boten aber gerade diese Podcasts am wenigsten Unterhaltungswert, da die Profis selten etwas von sich preisgeben und in Phrasen verfallen
Creed läuft zu Hochform auf, wenn er gute Freunde interviewt. Anekdoten aus den Teams in denen er fuhr, Rituale wie seinem Teamkameraden mit vollem Tablett in der Hand im Speisesaal die Jogginghose herunterziehen, als Mutprobe im Rennen so lange es geht Händchen zu halten, hautnahe Erzählungen von völliger körperlicher Erschöpfung und Stürzen – ein einzigartiger Einblick ins Peloton.

Websites

Auf Goldene-Speichen.de wird aus hauptberuflichen Gründen nicht sehr viel passieren. Ab und zu gibt es jedoch wie immer lustige Bildchen auf Facebook. Ich verweise hiermit auf Ressourcen mit mehr Motivation:

Livestreams

Wenn man, so wie ich im Münchner DVB-T, weder Eurosport 1 noch Eurosport 2 empfängt, dem lege ich in Sachen Livestreams wie immer die Websites steephill.tv sowie cyclingfans.com ans Herz.

Wer sich den Stress mit ruckelnden Livestreams und penetranten Klickfallen-Werbebanner sparen will, muss sich ein Eurosport-Player Abo zulegen. Dort kann man für knapp 5€ im Monat auch zwischen der deutschen Tonspur mit Jean-Claude „Berufsradfahrer“ Leclerq oder der englischen mit Sean „Twortytwo Kilometers“ Kelly wechseln. Ich finde außerdem, dass Eurosport mir langsam mal einen Gratisaccount zuschleusen sollte.

Newswebseiten

Wer tagsüber Arbeitet oder wem das Unternehmensnetz kein Livestream erlaubt, holt sich die Infos am besten Abends in der Wiederholung auf Eurosport oder auf Cyclingnews.com. Die Extraseite zu Tour de France bietet auf einem Blick Vorschau, Ergebnisse, Rennberichte und Bildergalerien.

Cyclingtips.com.au liefert oft die beeindruckendsten Fotogalerien zur Tour.

ManualForSpeed.com, das Onlinemagazin mit Unterstützung von Castelli (daher sehr Garmin-orientiert) liefert einen, in Deutschland noch immer schmerzlich fehlenden, erfrischenden Einblick ins Renngeschehen. Künstlerisch wertvolle Fotoperspektiven, teilweise zwar etwas zu lange Texte und Interviews aber eine menge Selbstironie machen die Website zu einem unentbehrlichen Linktip.

Hintergründe & besondere Einblicke

Richtige Zahlennerds kommen bei ProCyclingStats.com auf ihre Kosten. Dort gibt es ohne viel Schnickschnack neben Streckeninfos und Ergebnissen auch zahlreiche Daten zu den Fahrern und Teams.

Wer es noch nicht kennt und seinen Freunden und Bekannten nebenbei einmal zeigen möchte, wie man Profiradsport im Jahr 2014 unterhaltam, witzig und sympathisch darstellen kann, kommt an Orica GreenEdge’s Videokanal nicht vorbei. Tägliche Hintergrundvideos zur Tour, hautnah am Team. Leider in diesem Format und Umfang noch immer unvergleichlich in der Radsportwelt.

Das deutsche Team NetApp-Endura ist dank einer Wildcard-Einladung zum ersten Mal bei der Tour dabei. Darunter auch der 28-jährige Rostocker, Ex-Milram Profi und allgemein ziemlich coole Typ Paul Voss, dessen lang gehegter Traum sich in diesem Jahr erfüllt hat. Auf TourdeVoss.de gibt er einen persönlichen Einblick dazu wie es sich anfühlt, am legendärsten aller Radrennen teilzunehmen.

Habt  ihr weitere Linktips? Hinterlasst ein Kommentar oder schreibt mir auf Twitter oder Facebook!

Summer 2015 Collection

Summer 2015 Collection

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Radrennen schauen für Anfänger: die Frühjahrsklassiker

Radrennen schauen für Anfänger: die Frühjahrsklassiker

“Radrennen sind langweilig”, “Da passiert ja stundenlang nichts”, “Ich gucke es nur wegen der schönen Gegend” – wer sich solche Aussagen des öfteren anhören müsste, darf diesen Artikel gern an Freunde und Verwandschaft weitergeben. Radsportjünger wissen, dass sich in einem Rennen mehr Action versteckt, als auf dem ersten Blick ersichtlich. Radrennen sind voll mit taktischen Manövern und auch wenn nur ein Fahrer gewinnen kann, ist es ein Teamsport durch und durch.

Die Taktik des Teams wird durch das Terrain des Rennens entschieden. Beginnen wir am Anfang des Jahres: bei den Klassikern

Auf welche Fahrer man achten muss

Klassikerspezialisten wie Tom Boonen haben von der Statur her wenig mit den Spinnenwesen der Tour de France Favoriten gemein (Foto: Brandan Ryan Flickr CC by NC SA

Klassikerspezialisten wie Tom Boonen haben von der Statur her wenig mit den Spinnenwesen der Tour de France Favoriten gemein (Foto: Brandan Ryan (Flickr) CC by NC SA

Eintagesklassiker wie Milan-San Remo oder Paris-Roubaix mit über 250 Kilometern Streckenlänge, die in der Regel innerhalb von sechs Stunden vorbei sind, verlangen den Fahrern, anders als z.B. bei Bergetappen, unterschiedliche körperliche Anforderungen ab. Typische Sieger (ausnahmen bestätigen die Regel) sind kräftig gebaute, breitschultrige Klassikerspezialisten wie Tom Boonen und Fabian Cancellara, deren Stärken man am Umfang ihrer Oberschenkel ablesen kann. Kurze, steile Anstiege auf unbequemen Untergrund (Kopfsteinpflaster), meistern solche Fahrer eher, als auf Ausdauer spezialisierte, eher dünne Fahrer wie Alberto Contador.

Dennoch gibt es auch hier Überraschungssieger, die taktisch mehr Geschick beweisen konnten oder von den Fehlern der Spezialisten profitieren. Ein gutes Timing für eine Attacke ist oft Rennentscheidend, gerade weil die Außenseiter von den Verfolgern weniger ernst genommen werden – anstatt dem Ausreißer zu folgen, wird hinten die Lage sondiert und wichtige Zeit verschenkt.

Wenn ein Favorit attackiert und der Rest nicht folgt, ist dies oft einfach nur ein sicheres Anzeichen dafür, dass der Favorit sich als der Fitteste herausgestellt hat. Auch deshalb wird er vom Rest des Teams während des Rennens vor dem kräftezehrenden Wind geschützt, bis sich seine Helfer nach und nach zurückfallen lassen müssen.

Da die Frühjahrsklassiker in radsportbesessenen Ländern wie Belgien, den Niederlanden und Frankreich stattfinden, wollen sich die nationalen Meister dieser Länder oft besonders hervortun. Die belgische Flagge auf dem Trikot ist ein Prestige für die Fahrer und spricht demjenigen automatisch eine Favoritenrolle zu. Angefeuert durch schreiende, heimische Fans, die zwar oft nicht den Namen des Fahrers aber immerhin die Farben der Flagge kennen, bringt die Bedeutung des Trikots einen zusätzlichen Motivationsschub.

Wie erkenne ich einen Fahrer?

Thor Hushovd trägt nicht nur das Erkennungsmerkmal eines ehemaligen Weltmeisters an Kragen und Ärmel, er ist derzeit auch norwegischer Meister (Foto: Lombardie (Flickr) CC 2.0

Thor Hushovd trägt nicht nur das Erkennungsmerkmal eines ehemaligen Weltmeisters an Kragen und Ärmel, er ist derzeit auch norwegischer Meister (Foto: Lombardie (Flickr) CC 2.0

Die unter Helmen und hinter Sonnenbrillen versteckten Fahrer sind innerhalb eines großen Feldes zweifellos schwer zu unterscheiden. TV-Kommentatoren behelfen sich nicht nur durch die Trikotfarben und Starterlisten mit den Nummern und Namen der Fahrer im Feld, oft haben Fahrer typische Merkmale, die bei der Identifizierung helfen. Unterscheiden kann man sie:

  • am Equipment: Geraint Thomas von Team Sky trägt immer eine weiße Sonnenbrille. Phillipe Gilbert meistens weiße Schuhe, Tom Boonen trägt nie Handschuhe.

 

  • an der Statur/körperliche Merkmale: Andre Greipel hat ein prominentes Kinn, Thomas Voeckler hat, neben der Gewohnheit seine Zunge herauszustrecken, eine starre, eigenartige Haltung auf dem Rad, Bradley Wiggins trug bis zum letzten Jahr Kotletten (bis ihn der hohe Wiederekennungswert lästig wurde und er sie abrasierte)

 

  • am Trikot: ehemalige Weltmeister unterscheiden sich am Trikot von ihren Teamkollegen durch den Regenbogen-Armreif am oberen Ärmel und am Kragen. So etwas ist auch bei ehemaligen nationale Meistern in der Farbe ihrer Nationalflagge zu sehen. Ein Fahrer wie Peter Sagan gewinnt aufgrund mangelnder Konkurrenz regelmäßig den nationalen Titel, weshalb die slowakische Flagge im Grunde zu jeder Saison auf seinem Trikot zu sehen ist.

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Neue ProTour Teamkits der Saison 2014

Neue ProTour Teamkits der Saison 2014

Frohes Neues! Zum neuen Jahr zeigen die Profi-Radsportteams nach und nach die neuen Designs ihrer Trikots. Hier eine erste Übersicht:

Team Sky

sky_teamkit_2014

Sky’s Trikotausstatter Rapha nimmt die Marginal Gains-Philosophie von Team Sky sehr ernst, dieser minimale Netz-Bodzsuit sorgte jedoch im Voraus  für einige Lacher. Rapha minimalisierte den Sommer Skinsuit so weit, dass die Logos der Sponsoren bei einem Sonnenbrand dauerhaft in die Haut der Fahrer eingebrannt werden könnten. Die Frage, bis wo hin die Profis ihre Beine rasieren, beantwortet sich in dem Fall von selbst. In dieser Frankie Goes To Hollywood-Hommage wird Chris Froome sicher keine Probleme haben an den Türstehern im Berghain vorbeizukommen.

Team Belkin

team belkin teamkit jersey saison 2014

Das Trikotdesign hat sich seitdem die Firma Belkin im letzten Jahr als Hauptsponsor des ehemaligen Rabobank Teams enthüllt wurde nicht geändert. Die einzige interessante Neuerung: Bianchi löst Giant als Radsponsor ab und ist auch nachdem Vacansoleil aus dem Peloton verschwindet weiterhin in der World Tour vertreten. Laut Management können Firmen für bestimmte Rennen einen Platz auf dem Trikot mieten – eine flexible Einnahmequelle.

Omega Pharma – QuickStep

team omega pharma quickstep teamkit jersey saison 2014

Ist Schwarz das neue Blau? Im letzten Jahr schien Dunkelblau der letzte Schrei des Trikotdesigns gewesen zu sein, ein paar Teams rücken nun wieder davon ab.

Team Lotto-Belisol

team lotto belisol teamkit jersey saison 2014

Frischer Wind! Lotto Belisol haben ihr Teamkit für diese Saison komplett überholt und ein Retro Design verpasst. Gelb-Blau-Weiss wird durch ein knalliges Rot-Orange abgelöst. Die Hosen wurden dabei leider etwas vernachlässigt, trotzdem wird Lotto-Belisol sicher eines der sichtbarsten Teams im Peloton sein.

Team Astana

vino4ever_kit

Das kasachische Team Astana entschied sich für eine Huldigung für ihren Staatshelden Alexandre Vinokurov und druckte sein schmerzverzerrtes Gesicht auf die Front- und Rückseite des neuen Teamkits. Nicht wirklich – Hier das neue, eher unspannende Trikot.

Team Movistar

team movistar teamkit jersey saison 2014

Das letzte verbliebende Spanische World Tour Team wird nun von Endura ausgestattet, die Koblenzer Firma Canyon übernimmt neuerdings das Radsponsoring, während Alejandro Valverde auf den offiziellen Teamfotos endgültig die vor ein paar Jahren aufgekommenen Gerüchte um eine vermeintlich erfolgte Haartransplantation ausräumen kann.

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So weit bekannt bleiben FDJ und BMC beim selben Design. Die Enthüllung des neuen Sponsors von Argos-Shimano wird mit Spannung erwartet – spätestens zu Beginn der Tour Down Under am 19. Januar werden alle neuen Designs der World Tour Teams enthüllt!

 

Der Profi-Radsportler PinUp Kalender 2014 – unterstützt den Frauenradsport

Der Profi-Radsportler PinUp Kalender 2014 – unterstützt den Frauenradsport

Warum müssen sich immer Frauen ausziehen, wenn sie auf ihre Sportart aufmerksam machen wollen? Die Fotografin Laura Fletcher hatte die großartige Idee, einen Sonderpreis bei der Tour of Britain der Frauen im nächsten Jahr durch den Verkauf eines Profiradsportler-Pin Up Kalenders zu finanzieren.

nathan haas protour pinup calendar 2013

Garmin-Sharp’s Nathan Haas im Planschbecken

Mehr oder weniger ausgezogen haben sich dafür junge, ziemlich dünne Männer aus verschiedenen Teams. Darunter Taylor Phinney in einem italienischen Olivengarten, Nathan Haas im Planschbecken, Jens Voigt in einem Waldstück um Berlin. In Szene gesetzt wurden die Männer meist bei ihnen zuhause, das Motiv konnten sie selbst bestimmen. Jeder mit ein bisschen Humor sollte erkennen, dass das ganze Gepose nicht ganz ernst gemeint ist. Das Pool Foto von Filippo Pozzato scheint seinen italienischen Gigolo Lifestyle allerdings ganz gut zu repräsentieren:

filippo pozzato protour pinup calendar 2013

Pippo Pozzato am Pool

Die Verkaufserlöse kommen ausserdem der Davis Phinney Foundation zu Gute, die nach Taylor Phinney’s Vater benannte Stiftung zugunsten der Parkinson Forschung. Auch Alex Dowsett’s Little Bleeders Stiftung erhält dadurch Unterstützung. Dowsett hatte die Stiftung ins Leben gerufen, um Familien zu helfen, dessen Söhne so wie er an der Bluterkrankheit leiden.

taylor phinney protour pinup calendar 2013

Taylor Phinney mit Tanlines zuhause in Italien

Der Kalender kostet 10£ + 7,25£ Porto nach Deutschland (für bis zu zwei Kalender), insgesamt also knapp 20€. Wer also schon einmal ein Weihnachtsgeschenk für Freund, Freundin, besten Kumpel, Mutter, Vater oder Vereinskollegen sucht, kann den Kalender hier bestellen!

Video: 300km Audax Hamburg – Berlin 2013

Video: 300km Audax Hamburg – Berlin 2013

Ein paar Freunde von mir fuhren am letzten Samstag erneut eines der traditionellsten und bekanntesten 300 Kilometer langen “Zeitfahrrennen”  Deutschlands. Bei einem Audax geht es ja bekanntermaßen nicht um den Wettbewerb mit anderen Startern, sondern darum, das Rennen zu Ende zu fahren. In diesem Jahr war das Wetter so katasrophal, dass es letztendlich immerhin 197 von 305 angemeldeten Fahrern von Hamburg aus bis nach Berlin schafften. Da halfen auch die gelben Gute-Laune-Gläser in den Brillen nichts.

Hamburg Berlin Audax 2013 Video Screenshot

Entgegen der eigentlichen Regeln hatten meine Freunde ein Begleitfahrzeug dabei, mit Verpflegung und Sachen zu Wechseln. Ein großer Kleidungswechsel hat bei dem Regen wenig Sinn gemacht aber Tee und Sandwiches waren wichtig für die Moral. Abends ging es für die drei Hamburger im Auto zurück, um vier Uhr lagen sie im Bett. Das Ziel, die Strecke in unter 10 Stunden zu schaffen wurde gerade so erreicht.

Es ist keine Schande zu erwähnen, dass einer der fünf Starter aus der Gruppe nach 115 Kilometern ins Begleitfahrzeug steigen musste. Mit dem mit Abstand geringsten Körperfettanteil (so gering, dass die digitale Waage den Wert “Error” produzierte) war er einfach bei den Wetterverhältnissen komplett unterkühlt.

Irgendwann habe auch ich so viele Kilometer in den Beinen, dass ich mir so eine lange Strecke zum Saisonende zutraue. Den Jungs hat es trotz allem Spaß gemacht, es geht ja schließlich um die sportliche Herausforderung und das Ziel, auch mal Abseits der üblichen Wochenendrunden und Jedermannevents an seine körperlichen Grenzen zu gehen.

Hier das Go-Pro HD Video, für das sich Lennart extra einen schicken Brustgurt geliehen hat – ein schöner Einblick in das Rennen. Ich bin mir sicher, dass sich unter meinen Lesern ein paar IT/Programmierer/Java/Ruby/Triathlonkläuse befinden: checkt mal Graylog2 aus!

Hamburg Berlin 2013 – GoPro HD cycling from Lennart Koopmann on Vimeo.

Eine verlorene Generation geht in Rente

Eine verlorene Generation geht in Rente

Die Saison neigt sich dem Ende zu und wie jedes Jahr gibt es erhebliche freiwillige und unfreiwillige Wechsel zwischen den Teams. Die Teams Vacansoleil-DCM und Euskatel-Euskadi werden im nächsten Jahr nicht mehr existieren. Das Team Vacansoleil hat sich mit einer Notlösung in der letzten Minute behelfen müssen, während der geplante Neuaufbau vom Team Euskatel unter Fernando Alonso letztendlich doch scheiterte. In der zweiten Liga betrifft es Teams wie Sojasun und Champion System, deren Suche nach neuen Sponsoren als fast aussichtslos beschrieben wird. Leopard-Trek wird ab nächster Saison als Team Trek weiter machen und nicht allen Fahrern wird ein neuer Vertrag angeboten.

Eine Entscheidung zwischen Gehaltskürzung oder Vertragsende

Thomas de Gent hätte eine Gehaltskürzung von satten 80% hinnehmen müssen, bevor er einen last-Minute Vertrag bei Omega Pharma – QuickStep unterschrieb. Ein Teil seiner Teamkollegen beginnen die neue Saison in dem Nachfolgeteam von Vacansoleil auf ProContinantal Level, eine Liga unter dem ProTour Status. Eine Notlösung – das Team wird unter dem Namen des ehemaligen Vacansoleil co-sponsors Wanty weiterbestehen.

Auch Alberto Contador verzichtet auf 15% seines Gehalts, um seinem Team Saxo Bank nach dem Ausstieg des Bankiers Oleg Tinkoff als Nebensponsor über Wasser zu halten. Durch den Rückzug des extravaganten russischen Multimillionärs fehlen dem Team sechs Millionen Euro für die nächste Saison. Tinkoff steht derzeit mit Cannondale in Verhandlungen als neuer Co-Sponsor.

Auch das Team Leopard-Trek wird sich zwangsweise umstrukturieren müssen. Die Radfirma Trek übernahm die Lizenz des Teams und verpflichtete Fahrer wie die Schleck Brüder und Jens Voigt, aber dem Gewinner der Vuelta, Chris Horner, wurde kein neuer Vertrag angeboten. Horner war vor der Vuelta aufgrund von Verletzungen in der Versenkung verschwunden, durch seinen Grand Tour Sieg stiegen seine Gehaltsansprüche, welche die meisten Teams so spät in der Transferphase nicht mehr erfüllen können.

Eine vorbelastete Generation

Chris Horner liess am 07. Oktober seinen Frust über seinen noch ausbleibenden Profivertrag auf Twitter ab. In 24 Tweets beschrieb er den Verlauf seiner Profikarriere, wies auf seine Erfolge und sein Comeback in diesem Jahr hin. Er ist mit 41 Jahren der älteste Grand Tour Gewinner überhaupt, wurde aber durch die Jahre in seiner Karriere, in denen eine weit verbreitete Dopingkultur herrschte, nie von Dopingspekulationen verschont. Die Vorwürfe, dass er zu einem der geschwärzten Namen in den USADA Dokumenten zur Untersuchung gegen Lance Armstrong gehört, wies er zurück.

Dave Zabriskie und Christian Vande Velde beenden beide ihre Karriere

Dave Zabriskie und Christian Vande Velde beenden beide ihre Karriere

Die größte Veränderung steht jedoch Garmin-Sharp bevor. Das Team wechselt seine Strategie seit dem Sieg der Giro d’Italia im Jahr 2012 in Richtung junger, starker Talente für das Gesamtklassement. Dem Sprinter Robbie Hunter wurde nach 14 Profijahren kein neuer Vertrag angeboten, andere Fahrer kamen der Entscheidung von Teammanager Jonathan Vaughters wohl zuvor. Dave Zabriskie und Christian Vande Velde werden ihre Profikarriere im Jahr 2014 nicht weiterführen. Sie hatten im Rahmen der Untersuchung der USADA zugegeben, während ihrer Zeit bei US Postal und Discovery Channel gedopt zu haben und gehören somit zu der “verlorenen” Generation von Fahrern, die angaben, dem Druck des Systems nachgegeben zu haben. (mehr …)

Die Münsterland Giro im Teamauto von NetApp-Endura

Die Münsterland Giro im Teamauto von NetApp-Endura

“I’ve got that camera too!” Blaž Jarc wirkte um 9 Uhr morgens auf dem Weg zum Teambus wacher als ich und hatte vor dem 200 Kilometer langem Rennen offensichtlich gute Laune. Die Münsterland Giro durfte ich in diesem Jahr vom Auto des Team NetApp-Endura mitverfolgen – eine Premiere für mich. Auch wenn ich vorgewarnt wurde, dass man vom Rennen an sich in der Wagenkolonne nicht viel mitbekommt, war ich trotzdem äußerst angetan von dem Einblick den ich dadurch bekam. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht!

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Enrico Poitschke ist bereits seit der Gründung des Teams Sport Direktor bei NetApp-Endura. Er begrüßte mich freundlich, bevor ich mit Kamera und Handy neben ihm auf dem Beifahrersitz platz nahm. Hinter mir: Mechaniker Hans, drei Ersatzreifen, die Rucksäcke der Fahrer, eine Kühlbox und zwei weitere Ersatzreifen im Kofferraum. Die Karte wurde noch einmal studiert und schon machte sich der Tross aus Teamauto, Bus und Van auf den Weg zum Start in Beckum, 50 Kilometer weiter östlich von Münster.

Beckum ist ein typisch westfälisches Städtchen mit einer verwinkelten Innenstadt. Anscheinend hatte uns das Navi über eine kleine Schleife geschickt, sodass die Busse der anderen Teams bereits auf dem kleinen Parkplatz standen und wir uns irgendwo dazwischen mogelten. Die Jungs blieben erstmal im Bus, während die beiden Mechaniker die Räder aufbauten, Bremsen einstellten, Reifen aufpumpten und die Schaltung überprüften. Auf jeden Vorbau wurde mit einem kryptisch bedruckten Klebestreifen versehen – Kilometerangaben mit zwei Ausrufezeichen, “^” für den einzigen Hügel im Rennen und ein S für Sprint? Ich habe leider vergessen zu Fragen, was es genau bedeuten sollte. Der angenehm-penetrante Geruch von Eukalyptus-Massageöl und Gesäßcreme lag in der Luft. Man hörte surrende Räder, das Klicken, wenn die Schuhe aus den Pedalen gezogen werden und von weitem den aufgeregte Ansager an der Startlinie.

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Mittlerweile hatten die Fahrer ihre Jogginghosen gegen Trägerhosen eingetauscht und entstiegen dem Bus gut gelaunt für eine erste kleine Fahrt, um die Beine in Gang zu bringen und um die Räder zu testen. Autogrammjäger sortierten hektisch durch ihre Auswahl an Kärtchen und die Fahrer unterschrieben, sofern das Bild zum Gesicht passte. Der obligatorische, über den Lenker gebeugte Blick auf die Bremsen verlief unter den Fahrern fast synchron. Auf die Routine folgte das Festziehen der Bremshebel und das Testen der Reifen durch ruckartiges Hämmern des Vorderreifens auf den Parkplatzasphalt, gefolgt von einem erneuten Blick auf die Bremsen und so weiter. Nach der Probefahrt meldete sich Jonathan McEvoy, der Engländer und, laut Profil auf der NetApp-Endura Website Sunnyboy des Teams, mit einem fast unverständlich dicken Scouse Akzent bei Hans, der seine Frage schnell beantworten konnte. McEvoy schien zufrieden, bei seinem “Alright, Alright” fehlten in der Aussprache mindestens drei Buchstaben.

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Der Start

Der Start erfolgte in der Innenstadt von Beckum, wo an diesem sonnigen Feiertag bereits einige Leute warteten und die Kinder aufgeregt die vorher verteilten, aufblasbaren Stäbe gegeneinanderschlugen. Enrico legte das Teamauto so geschmeidig in die Kurven, dass ich des öfteren vom Haltegriff über der Tür gebrauch machen musste. Auf freier Strecke reihten sich die Autos mühelos und ohne Chaos in die ihnen zugeloste Nummer in der Kolonne. Eine lange, schöne Linie aus Fahrern, Rennleitung, Motorrädern, Teamautos und Krankenwagen machte sich auf dem Weg durch das Münsterland. Enrico hat seinen Beruf mehr als verinnerlicht. Mit einem kritischen Blick aus dem Fenster kommentierte er das Wetter: “Hm, sehr windig heute”. Was mir in der Innenstadt von Münster nicht auffiel, konnte er an den Feldern und Wiesen erkennen, die den starken Böen nachgaben. Da das Rennen größtenteils über schmale Landwege führte, war dies eine wichtige Erkenntnis und sollte den Rennverlauf erheblich beeinflussen. Als das Rennen offiziell gestartet wurde, schaltete Enrico den Kilometerzähler an. 200 Kilometer in mehreren Runden durch das Münsterland folgten.

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Der Tourfunk knarzte durch das Funkgerät und informierte uns über die Fahrernummern in der ersten Ausreißergruppe des Tages. Hans schrieb hinter mir die Nummern auf und nannte Enrico die dazugehörigen Fahrernamen mit Teams. Unter den Ausreißern war auch Tony Martin – wie wir spätestens seit der Vuelta wissen, ist der Zeitfahrweltmeister auch Solo eine ernst zu nehmende Gefahr und könnte den Sprintern das Finish vermiesen. Die Teams, die nicht in der Gruppe waren, gerieten nun unter Zugzwang. Enrico fuhr zum Feld vor, nickte der Rennleitung im Auto kurz zu und wurde zu Scott Thwaites durchgelassen, der sich am Ende des Feldes befand. “We have to be in the break!” rief er dem Engländer durch das Fenster zu, “tell them!” woraufhin Thwaites in die Pedalen trat und sich auf den Weg zum Anfang des Feldes machte.

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Auch wenn es dem Team nicht gelang Teil der Ausreißergruppe zu sein, waren sie die treibende Kraft hinter der Tempoverschärfung im Feld, wodurch der Vorsprung stets unter einer Minute blieb. Hans reichte mir Kuchen und Wasser nach vorne und die Zeit verging wie im Flug. Wir verbrachten die nächsten 60 Kilometer bei strahlendem Sonnenschein in der Wagenkolonne, mit Blick auf vorbeiziehende Felder, jubelnde Zuschauer, passive Zuschauer mit Handykameras, sowie Fahrer und DS’s bei der Pinkelpause. Was ich vor der Fahrt immer nie verstand: wie erkannten die Teamautos, dass einer ihrer Fahrer im Rennen den Arm hoch hielt? Wann immer ein Fahrer im hinteren Feld sich meldete, registrieren dies die Organisatoren und gaben es durch: “Argos, nach vorne, Argos to the front”, woraufhin das Auto aus der Kolonne ausscherten und dem Fahrer Kleidung abnahm, etwas besprach oder ihm Essen und Trinken anreichte. Untereinander gab es in der Kolonne keine Reibereien. Wenn sich ein Fahrer zu lange am Auto fest hielt oder jemand versuchte, im Windschatten der Autos ans Feld heranzufahren, gab es über Funk von der Rennleitung eine Verwarnung im drohenden Tonfall.

Währenddessen fuhr Scott Thwaites scheinbar rückwärts. Er war seit der Tour of Britain krank und konnte nicht trainieren, als unser Auto ihn einholte, erklärte Enrico ihm den Weg zur Verpflegungsstelle, wo unser Bus stand. Er wählte mit gequältem Blick die Option Besenwagen.

Belkin übernimmt

ralf matzka team netapp-endura muensterland giro 2013 teamautoDie Ausreißer fielen nach und nach zurück und beim 80. Kilometer waren alle wieder eingeholt. Das Team Belkin übernahm die Führung und sprengte das Feld. Ein ProTour Team kann in einem solchen Rennen erheblichen Schaden anrichten, daher taten sich große Lücken auf. Wir fuhren an einzelnen Fahrern und kleineren Gruppen vorbei, die nicht mehr mithalten konnten. “Haste gesehen? Belkin kam nach vorne und dann wars vorbei.” Ralf Matzka krallte sich am Fenster fest und erzählte von den Befindlichkeiten im Feld. Hans reichte ihm Wasserflaschen, woraufhin er die alten Flaschen in einem gekonnten, hohen Bogen wegwarf, die neue Bidons blind annahm und im Korb verstaute. Dass ich ihm meine Kamera mitten ins Gesicht hielt, schien ihn nicht zu stören.

“Ich hab ihn schon fast auf der Motorhaube liegen sehen.”

Nach knapp 130 gefahrenen Kilometern wurde ich Zeuge eines perfekten Beispiels von Schwarmintelligenz: Auf einem breiten Abschnitt der Bundesautobahn zerstreute sich die Kolonne in die Breite und einzelne Fahrer steuerten die Teamautos an, um Kleidung abzugeben und Flaschen zu holen. Blaž Jarc wurde zum Auto geschickt und gab einen Klumpen Kleidung ab, besprach sich kurz mit Enrico und belud seine Trikottaschen mit Gels und Riegeln. Er bedankte sich höflich und verschwand kurz vor einer Kurve in einer Lücke zwischen zwei Fahrzeuge, was uns im Auto die Nackenhaare zu Berge stehen lies. Hans lachte, Enrico schüttelte den Kopf.

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Blaž entkam einem Sturz, anderen erging es schlechter. In einem von weitem erkennbaren Turm aus Rädern lagen verheddert drei Fahrer nach einem Sturz innerhalb des Feldes. Sanitäter kümmerten sich darum, schwer verletzt wurde dabei niemand.

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Die letzten 50 Kilometer sollten sich als Rennentscheidend erweisen. Die Musik wurde ausgestellt und der Funk meldete sich im Minutentakt mit den Nummern und Zeiten der aktuellsten Attacken. 40 Kilometer vor dem Ziel konnten sich fünf Fahrer absetzen, die es als Gruppe ins Ziel schaffen sollten. Als sie einen Abstand von einer Minute zum Feld überschreiten konnten, wurden deren Teamwagen über Funk nach vorne beordert. Es wurde ihnen erlaubt, hinter den Ausreißern zu fahren. “Belkin nach vorne, Belkin to the front”.

Ein ungeschönter Einblick ins Hauptfeld

Auf der Suche nach neuen Innovationen in der Radsportübertragung wurde einmal in Erwägung gezogen, den Funk zwischen Auto und Fahrer für die Fernsehzuschauer hörbar zu machen. Für mich leuchtet nun ein, dass das keine gute Idee wäre. Dass der Ton im Feld rau ist, wenn ein Haufen Männer in Spandex mehrere Stunden an ihre körperlichen Grenzen gehen, ist ein Understatement. “Wissta watt, ihr könnt mich mal!” kommentierte ein Fahrer unser Manöver hinüber zu Roger Kluge. Dazwischen: Dreckige Lacher und Spucklaute mit Material aus den Untiefen der Nebenhöhlen. Kluge überblickte die Situation und schilderte Enrico leicht außer Atem aber mit guter Laune den Zustand der Fahrer und die Pläne für das Finale.

Eine finale Runde in Münster

Anscheinend fuhr das Feld durch den starken Wind am Limit und die Ausreißer erreichten schnell einen Vorsprung von zwei Minuten. Somit war die Entscheidung gefallen. Die letzte Runde durch Münster wurde ohne Autos absolviert, weil der Abstand laut Rennleitung zu groß war und die Fahrer die Autos hätten überrunden können.

Wir parkten neben dem Teambus auf dem Münsteraner Schlossplatz, wo die Soigneurinnen bereits fleissig Flaschen verteilten. Es war das letzte Rennen der Saison, somit verschenkten sie alle Bidons, da zum nächsten Jahr sowieso neue geordert wurden. Ich habe mir selbstredend auch welche eingesteckt.

Blaž Jarc sprintete auf den 18. Platz und die verbliebenen Fahrer eierten nach 200 Kilometern in den Beinen zum Bus. Ich unterhielt mich mit den netten Soigneurinnen, die die verbliebenen Flaschen ausleerten und unser Teamauto zusammen mit den Mechanikern freiräumten. Ich ergriff die Gelegenheit und fotografierte Michael Schwarzmann alleine vor dem Bus. Er fragte mich, wie es im Auto war, ich erzählte von Blaž’ haarscharfem Manöver – “Ja, das wird schon manchmal echt knapp”, so Schwarzi, der in seiner Profilaufbahn sicher schon unvermeidbar viele Begegnungen mit dem Asphalt hatte.

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Ich holte mir für die Website noch ein Statement von Enrico und liess mir von den Soigneurinnen den Weg zum Bahnhof erklären. Dorthin lief ich über die Promenade der schönen Stadt Münster. Ein gutes Ende eines Tages, der für mich zu den Highlights in meinem Dasein als Radsportfan gilt.